© APA/AFP/MARCO BERTORELLO

Wirtschaft
11/27/2020

Liftkrieg: Schweiz profitiert, banges Warten in Österreich und Südtirol

Streit um Skigebiete eskaliert. Österreich wehrt sich, Südtirol und Slowakei warten ab. Schweiz ist der große Profiteur

von Konrad Kramar, Daniela Kittner, Christian Willim

Schnee ist derzeit noch Mangelware in Saas-Fee im Schweizer Wallis. Die Skisaison aber hat man zumindest auf ein paar der Liftanlagen eröffnet. Dass man EU-weit um das Aufsperren der Liftanlagen und damit um die Weihnachtssaison streitet, kümmert unsere Nachbarn im Westen vorerst kaum.

Schweiz unter Quarantäne?

Sogar von Drohungen aus Italien zeigt man sich unbeeindruckt. Die Regierung in Rom ist ja einer der vehementesten Verfechter einer EU-weiten Sperre aller Liftanlagen bis ins nächste Jahr. Sollte die Schweiz – auch als Nicht-EU-Land – da nicht mitziehen, werde man notfalls das ganze Land auf die Quarantäne-Liste setzen. Für den Walliser Staatsrat ist im Gespräch mit dem Walliser Boten trotzdem klar: „Im Wallis wird über die Festtage Ski gefahren und in Restaurants gegessen, egal was Italien macht.“

Druck täglich größer

Der Druck auf die Skinationen in der EU wird jedenfalls täglich größer, seit sich Kanzlerin Merkel in Berlin und der bayerische Ministerpräsident Söder klar gegen das Skifahren zu Weihnachten ausgesprochen haben.

Skifahren für Tagesgäste?

In Österreich will man sich ja vorerst dem Druck nicht beugen. Tourismusministerin Köstinger kann den Vorstößen nach Schließung von Skigebieten nichts abgewinnen. Winterurlaub in Österreich werde sicher sein: „Unsere Betriebe haben umfassende Sicherheitskonzepte.“

Zugleich aber werden Überlegungen angestellt, wie man mit einem Kompromiss zumindest einen Teil des Skibetriebes retten könnte. So könnten Hotels und Skihütten vorerst noch geschlossen bleiben, die Skilifte aber zu Weihnachten laufen dürfen. So könnten ausschließlich Tagesgäste zum Skifahren kommen, und die sind ja entweder Einheimische oder aus einer nahe gelegenen Stadt.

Sollte es aber tatsächlich bei geschlossenen Liften in der gesamten EU bleiben, dann werde die EU wohl für die Kosten aufkommen müssen, meint Finanzminister Gernot Blümel und spricht von Kompensationszahlungen von zwei Milliarden Euro allein für Österreich.

Bozen gegen Rom

Dem Druck aus Rom kann man sich in Südtirol noch schwerer entziehen. Zwar bereitet man sich in den Skigebieten auf die Saison vor, doch Landeshauptmann Kompatscher zeigte sich zuletzt wenig optimistisch, dass man tatsächlich zu Weihnachten aufsperren kann. Entscheidende Frage ist hier: Wie weit reichen die Autonomierechte Südtirols?

Kann man sich in Bozen also über ein Ski-Verbot aus Rom hinwegsetzen? Doch auch wenn die Lifte aufsperren, könnte ein Großteil der italienischen Gäste an der Anreise gehindert werden. Schließlich können Bewohner von roten Epidemie-Zonen diese nicht verlassen, etwa also die Lombardei mit der Hauptstadt Mailand.

Tschechien wartet ab

In den Nachbarländern Tschechien und Slowakei hat man mit dem Beschneien der Skipisten begonnen und hofft auf offene Lifte. Die Regierung in Bratislava will die Entscheidung in der kommenden Woche treffen. Ein Alleingang gegen die EU komme keinesfalls in Frage, wie Verkehrsminister Dolezal klar macht: Man werde sich mit den EU-Partnern koordinieren.

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