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Leitartikel
11/27/2020

Streit ums Skifahren: Das Weihnachtswunder bleibt aus

Ausgerechnet dort, wo diesen Winter am meisten Gäste fehlen werden, ist der Ruf nach einer schnellen Saisoneröffnung am lautesten.

von Simone Hoepke

Wenn der Skiurlaub justament dann gestrichen wird, wenn das Christkind kommt, ist Schluss mit lustig. Den Volkssport Nummer eins lässt sich der Österreicher nicht kampflos wegnehmen. Zugegeben, die Diskussion klingt nach einem Erste-Welt-Problem. Wenn die Österreicher sonst keine Sorgen haben – tu felix Austria.

Leider ist die Lage ernster, als sie scheint. Dafür sorgt schon allein der Anlass: die noch immer hohen Infektionszahlen, die aus Sicht von Conte, Merkel & Co so gar nicht mit einem Skiurlaub zusammenpassen. Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, sollen die Lifte stillstehen. Im ganzen Alpenbogen. Während die Franzosen längst den Daumen hochhalten, haben die Österreicher noch akute Schnappatmung. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger lässt etwas schmallippig ausrichten, dass die Skigebiete wieder öffnen, sobald es die Infektionszahlen zulassen. Dafür brauche es keine Absprache mit anderen Ländern.

Inhaltlich völlig richtig. Bleibt nur die Frage, ob die Gondeln mehr oder weniger leer im Kreis fahren sollen. Schließlich würde es an ein Weihnachtswunder grenzen, wenn Deutschland noch im Advent die Reisewarnung für Österreich fallen lässt und Wintersportler kommen, als hätte es Corona nie gegeben. Zur Erinnerung: Es gibt Tiroler Skiorte, die zu 90 Prozent von internationalen Gästen leben, die wiederum zum Großteil aus Deutschland anreisen. Nicht für jeden wird es heuer lukrativ sein, zu den Feiertagen zu öffnen. Umso erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet im Westen des Landes der Ruf nach einem schnellen Saisonstart am lautesten ist.

Was wäre eigentlich so schlimm, wenn die Lifte über die Feiertage stillstehen? Die Kostenlawine, die auf die Republik und letztlich auf die Steuerzahler zurollt. Fällt die Weihnachtssaison aus, fallen geschätzte 800 Millionen Euro Umsatz weg – pro Woche. Klingt abstrakt, doch die Folgen werden schnell sichtbar. Die Branche trägt 16 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, Tourismusbetriebe beschäftigen mehr als 200.000 Mitarbeiter. Dazu kommen indirekte Effekte: weniger Gäste, weniger Jobs, weniger Einkommen – in der gesamten Wirtschaft. Schließt das Hotel, gibt es auch keine Aufträge mehr an Bäcker, Fleischer, Tischler, Installateure, Taxifahrer. Ein Dominoeffekt. Kein Zufall also, dass bereits Lobbyisten aus allen Branchen so proaktiv wie lautstark nach Hilfen rufen. Und von einem 80-prozentigen Umsatzersatz auch im Dezember träumen. Fragt sich nur, wer die Zeche dafür am Ende zahlen soll.

Was sich Österreich aber leider noch weniger als Hilfen für den Tourismus leisten kann, ist aufzusperren, wenn das Infektionsrisiko nicht gebannt ist. Der Reputationsschaden wäre auch mit viel Geld nicht mehr einzufangen.

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