In China bestellt, aber als österreichisches Produkt deklariert

© APA/HANS KLAUS TECHT

Wirtschaft
03/04/2021

Hygiene Austria: Masken-Branche spricht von Wettbewerbsverzerrung

Nach der Razzia bei Hygiene Austria fühlen sich deren Mitbewerber betrogen und sprechen von unlauteren Machenschaften.

von Patrick Wammerl, Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Maske ist gefallen. Und zwar jene, die den unlauteren Wettbewerb in dem lukrativen Millionenbusiness anscheinend verschleiern sollte. Seit dem Bekanntwerden des mutmaßlichen Etikettenschwindels mit chinesischen Masken beim österreichischen Hersteller Hygiene Austria rumort es in der Branche. Mitbewerber, die Qualität „Made in Austria“ angeboten haben, fühlen sich betrogen. Es ist von massiver Wettbewerbsverzerrung die Rede.

Hygiene Austria hatte den Zuschlag gewonnen, alle namhaften Supermarktketten mit zig Millionen FFP2-Masken „Made in Austria“ zu beliefern. Bis Donnerstag fand sich das vermeintlich österreichische Qualitätsprodukt zum „Selbstkostenpreis“ von 59 Cent im Regal. Doch was außen drauf stand, war nicht immer drinnen. Nach einer Razzia der Kriminalpolizei wegen Betrugsverdacht hat die Firma zugegeben, auch Masken aus China bestellt zu haben. Und zwar, um der Nachfrage nachzukommen. Mitgeteilt hat man dieses nicht unwichtige Detail allerdings niemandem.

Breite Zweifel

Doch wie Insider berichten, hatte die Branche von Anfang an Zweifel an der Korrektheit des Deals. Es sei de facto unmöglich, ein Qualitätsprodukt aus Österreich in solcher Stückzahl kostendeckend für unter 1 Euro anzubieten. „Wir produzieren in Graz, haben mit ehrlichen Preisen kalkuliert und keinen einzigen Bundesauftrag bekommen. Wenn ich jetzt höre, dass hier mit China-Masken agiert wurde, bekomme ich einen Grant“, sagt Dominik Holzner vom Maskenhersteller Aventrium.

Mit ihm haben etwa 150 Großhandelsbetriebe durch die Finger geschaut, weil von einem Tag auf den anderen niemand mehr FFP2-Masken für über 59 Cent bestellen wollte. Einer der Leidtragenden ist auch Andreas Kerschbaumer vom Shop dieschutzmaske.at. „Kunden, die 50.000 Masken oder mehr bei uns bestellt hatten, wollten vom Vertrag zurücktreten. Man ist, was den Preis anbelangt, plötzlich als unglaubwürdig dagestanden“. Der Lagerbestand musste in Folge unter dem Preis verkauft werden. „Der wirtschaftliche Schaden ist ein Horror.“

 

Besonders gewurmt hat die Hygiene Austria offenbar, dass sie bei der Gratis-Masken-Aktion des Bundes für die Über-65-Jährigen nicht zum Zug gekommen ist und ein österreichischer Mitbewerber 18 Millionen Stück Qualitätsmasken aus China für knapp 30 Cent pro Stück lieferte. „Wenn du solche Mengen brauchst, kannst du die nur dort besorgen, wo der Hauptmarkt ist – in China “, sagt ein anderer Mitbewerber. „Diese großen Kapazitäten sind in Österreich auf legalem Weg fast unmöglich zu beschaffen.“ Dazu muss man auch wissen, dass das Vlies für Masken in Europa nicht hergestellt wird und auch aus China stammt, ebenso wie 80 Prozent der Masken selbst.

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