Bittere Pleite eines bekannten Weinguts
Die Domaines Kilger Wein GmbH mit Sitz an der Eckberger Weinstraße in Gamlitz hat am 22. April beim Landesgericht Graz ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eingereicht. Die Passiva belaufen sich auf rund 200.000 Euro, dem stehen Aktiva von lediglich 2.800 Euro gegenüber. Etwa 35 Gläubiger und sechs Dienstnehmer sind von der Insolvenz betroffen.
30-Prozent-Quote angeboten
Den Insolvenzgläubigern bietet das Unternehmen eine Sanierungsplanquote von 30 Prozent an, zahlbar binnen zwei Jahren nach Annahme des Plans. Geschäftsführerin Ivonne Uhlig-Möser führt das 2022 gegründete Unternehmen, das zu 100 Prozent der insolventen Domaines Kilger GmbH & Co KG gehört.
Insolvenzursachen
Als Hauptursachen für die Schieflage nennt das Weingut die stark gestiegenen inflationsbedingten Kosten der vergangenen Jahre. Besonders betroffen waren die Bereiche Weinkellerei und Weingartenbewirtschaftung sowie Energie-, Personal-, Verpackungs- und Transportkosten. Gleichzeitig habe ein zunehmender Preisdruck die Weitergabe der Kostensteigerungen an den Markt erschwert.
Ein schwerer Schlag war 2025 die Insolvenz einer zentralen Vertriebsgesellschaft. In der Folge konnten keine neuen Weine abgefüllt werden, wodurch wichtige Umsätze ausfielen. Zusätzlich belastete der Betrieb des Buschenschanks „Boho" die Bilanz negativ – er ist mittlerweile eingestellt. Auch eine überdurchschnittlich hohe Erntemenge in der Steiermark 2025 führte zu erheblichen Absatzproblemen.
Restrukturierung bereits eingeleitet
Das auf hochwertige Weine spezialisierte Unternehmen will den Betrieb fortführen. Bereits im Vorfeld seien substanzielle Restrukturierungsmaßnahmen gesetzt worden, um die Ertragskraft nachhaltig zu verbessern und eine schlankere Betriebsorganisation zu schaffen.
„Der zu bestellende Sanierungsverwalter wird nunmehr zu prüfen haben, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger liegt und der vorgelegte Sanierungsplan eingehalten werden kann", erklärt René Jonke vom KSV1870.
Prüfungstagsatzung bei Mutterfirma
Zwei Monate nach Eröffnung des Konkursverfahrens über die Domaines Kilger GmbH & Co KG fand laut AKV am Donnerstag die Prüfungstagsatzung vor dem Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz statt. Das Ausmaß der Insolvenz wird dabei immer deutlicher: Gläubiger haben Forderungen in Höhe von 83,47 Millionen Euro angemeldet, wovon bislang knapp 51 Millionen Euro anerkannt sind.
Das Landesgericht hatte das Konkursverfahren am 23. Februar eröffnet, bereits eine Woche später wurde der Geschäftsbetrieb des Unternehmens per Gerichtsbeschluss eingestellt. Die bestrittenen Forderungen in Höhe von rund 32,5 Millionen Euro betreffen hauptsächlich Unternehmen aus dem „Unternehmensverbund Kilger", die aufgrund der Nachrangigkeit gemäß Eigenkapitalgesetz zurückgestuft wurden.
Weitreichendes Immobilienportfolio im Süden Österreichs
Die Domaines Kilger fungierte primär als Besitzgesellschaft und verwaltete ein umfangreiches Immobilienportfolio in der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland. Das Unternehmen erwarb Liegenschaften und stellte diese Tochter- und Enkelgesellschaften zur Verfügung oder verpachtete sie an Dritte. Das Liegenschaftsvermögen umfasst Weinbauflächen, landwirtschaftliche Nutzflächen einschließlich Wald, Gastronomiegebäude wie teilweise verpachtete Buschenschanken, Beherbergungsbetriebe sowie Betriebsliegenschaften.
Sämtliche Liegenschaften sind mit Pfandrechten von Banken belastet, was die Verwertung zusätzlich erschwert. Die Befundung und Begutachtung des Immobilienvermögens ist noch nicht abgeschlossen. Erschwerend kommt hinzu, dass zum Werterhalt der Liegenschaften teilweise eine laufende Bewirtschaftung notwendig ist.
Ketteninsolvenz erfasst gesamten Unternehmensverbund
Die Insolvenz hat mittlerweile den gesamten Unternehmensverbund erfasst. Über die Vermögen von sieben weiteren Gesellschaften wurden Insolvenzverfahren beantragt oder bereits eröffnet, darunter die Domaines Kilger GmbH, die Domaines Kilger Gastro GmbH & Co KG, die Ratschens Restaurant & Wohnothek GmbH, die Domaines Kilger Schloss Gamlitz GmbH sowie die Domaines Kilger Wein GmbH.
Die Verwertung gestaltet sich komplex, so der AKV, da operative Betriebe von Tochtergesellschaften auf den Liegenschaften angesiedelt sind. Die Masseverwalter müssen daher Immobilien und Betriebe koordiniert verwerten.
Hoffnung auf Fortführung einzelner Betriebe
Nicht alle Nachrichten sind negativ: Einzelne Beteiligungen gelten als fortführungswürdig und verfügen über eine gute Marktpositionierung. Als Beispiel wird die „Peterquelle" genannt, für die bereits Verkaufsverhandlungen laufen. Andere Beteiligungen werden hingegen liquidiert werden müssen. Die entsprechenden Prüfungen und Vorbereitungen sind derzeit im Gange.
Das vorhandene bewegliche Anlage- und Umlaufvermögen weist einen Verkehrswert von rund 541.000 Euro auf, wobei ein erheblicher Teil durch Leasing- und Bankenfinanzierungen mit Eigentumsvorbehalt belastet ist. Neben der Vermögensverwertung werden die Masseverwalter auch gesellschaftsrechtliche Ansprüche prüfen müssen.
Die endgültige Höhe der Insolvenzquote für die Gläubiger bleibt vorerst offen und wird maßgeblich vom Erlös aus der Verwertung des umfangreichen Immobilienportfolios abhängen.
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