Neue Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Darmgesundheit

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Warum Kaffee und dunkle Schoko Ihrem Darm gut tun
04/29/2016

Warum Kaffee und dunkle Schoko Ihrem Darm gut tun

Neue Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Darmflora.

von Ernst Mauritz

Sie trinken gerne Rotwein Kaffee oder Buttermilch und lieben dunkle Schokolade? Die Bakterien in Ihrem Darm wird es freuen. Denn laut einer Studie der Universität von Groningen in den Niederlanden können diese Lebensmittel die dortige Artenvielfalt deutlich erhöhen.

Auch Früchte, Gemüse, Tee und Joghurt wirken sich positiv auf die Vielfalt der Darmflora aus. „Und mehr Bakterienarten sind bei der Abwehr von Krankheiten hilfreich“, sagt der Mediziner Jingyuan Fu, einer der Autoren.

Ein Grund für die positive Wirkung: Die sekundären Pflanzenstoffe in Obst, Gemüse, Kaffee, Tee oder Wein „führen ein reges Wechselspiel mit dem Mikrokosmos im Darm“, sagt Ernährungswissenschafterin Marlies Gruber vom „forum.ernährung heute“. „Sie fördern das Wachstum nützlicher Bakterien und hemmen jenes krankmachender Keime.“

Gruber nennt zwei Beispiele: Polyphenole in Zitrusfrüchten zum Beispiel bremsen das Wachstum des potenziell schädlichen Magenkeims Helicobacter pylori, der als Risikofaktor für Gastritis und Magenkrebs gilt. Polyphenole in Kakao und Kaffee wiederum steigern den Anteil der Bifidobakterien, die sich positiv auf die Darmflora auswirken.

Was negativ wirkt

Gleichzeitig zeigte sich: Große Mengen an kurzkettigen Kohlenhydraten (z.B. Zucker, Weißmehl) reduzieren die Bakterienvielfalt. Besonders war dies bei gesüßten Limonadengetränken der Fall. Aber auch Milchprodukte mit hohem Fettgehalt wirkten sich negativ aus, ebenso wie Rauchen. Neue Zusammenhänge zeigte außerdem eine zweite Untersuchung, das „Flämische Darmflora Projekt“. Diese ergab, dass vor allem die Verweildauer des Stuhls im Darm einen starken Einfluss auf die Zusammensetzung der Bakterienwelt hat.

Bei Liebhabern ganz dunkler Schokolade konnte eine sehr spezielle Bakteriengruppe nachgewiesen werden. „Wir nannten das den Belgische-Schokolade-Effekt“, sagt Studienleiter Jeroen Raes. „Und wir fanden auch Zusammenhänge zwischen der Darmflora und dem Bierkonsum.“

Wie sich bereits in früheren Studien gezeigt hat, beeinflussen auch Medikamente die Zusammensetzung der Darmflora stark – aber nicht nur Antibiotika und Abführmittel, sondern, überraschend, auch Präparate gegen Pollenallergien (Heuschnupfen), sowie Hormonpräparate zur Verhütung (Pille) und zur Milderung von Symptomen nach dem Wechsel.

Neue Therapieansätze

Die Ergebnisse der Studie könnten Grundlage für künftige Therapien sein. „So wissen wir heute, dass bei Parkinson die Magen-Darm-Transitzeit der Nahrung etwas länger ist, was wiederum die Darmflora beeinflusst“, so Raes. „Diese Erkenntnis kann eine wichtige Rolle bei künftigen Therapien spielen.“ Die Forscher betonen auch, dass sie mit ihren Daten aus Stuhlproben von 3500 Menschen erst rund sieben Prozent der Variationen in der Darmzusammensetzung erklären können. Für ein komplettes Bild der Vielfalt im Darm wären mindestens 40.000 Proben notwendig.

Darmbakterien verwerten etwas zehn Prozent der gesamten Nahrungsenergie. Bei schlanken und normalgewichtigen Menschen sind jene Bakterienstämme stärker vertreten, die weniger Energie aus der Nahrung aufnehmen. Bei Übergewichtigen hingegen haben jene Bakterien Oberhand, die viel Energie aus der Nahrung ziehen. Allerdings, so Gruber: Eine Änderung der Ernährung wirkt sich bereits innerhalb von zwei Tagen auch auf die Zusammensetzung der Darmflora aus.

Die Achse zum Gehirn

Das Nervensystem im Darm und das Gehirn stehen in ständigem Kontakt – alle Darmbakterien zusammengenommen wiegen auch ungefähr so viel wie das Gehirn. So könnte etwa ein durchlässiger Darm eine durch Stress oder einseitige Ernährung durchlässig gewordene Darmschleimhaut das Risiko für Depressionen erhöhen. Als Reaktion schüttet das Immunsystem Botenstoffe aus, die ins Gehirn gelangen können.

Trotzdem verwehrt sich der Neurogastroenterologe (Magen-Darm-Nerven-Spezialist) Univ.-Prof. Peter Holzer (MedUni Graz) gegen die Begriffe „Bauchgehirn“ oder „zweites Gehirn“. „Das ist zwar nett, weil sie den Stellenwert des Darms widerspiegeln. Aber unser menschliches Gehirn ist so viel toller, größer und auch plastischer , sodass im Vergleich dazu die Darmnerven mit der Bezeichnung Gehirn eindeutig überbewertet werden“, sagt er im Fachmagazin ernährung heute. Trotzdem dürften aber ihre Einflüsse auf die Gesundheit viel größer sein als bisher gedacht.

Sehen Sie hier eine Infografik zum Thema:

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