Gesund
16.11.2018

Kaffee: Wie gesund er tatsächlich ist

Egal, ob schwarz oder mit Milch, mit oder ohne Koffein: In Studien zeigen sich immer mehr positive Effekte.

Viele Fragen sind bei einem Selbsttest zur Bestimmung des Diabetes-Risikos erwartbar: Jene nach dem Bewegungsausmaß, dem Fleisch- und Vollkornkonsum oder nach dem Taillenumfang etwa. Der Diabetes-Risiko-Test des deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam(DIfE)enthält aber auch eine Frage, die aufs Erste ein wenig verwundert: „Wie viele Tassen Kaffee trinken Sie am Tag?“

Warum diese Frage beim Test dabei ist, zeigt das Ergebnis einer neuen Übersichtsstudie, die Daten aus 30 früheren Untersuchungen ausgewertet hat: Drei bis vier Tassen Kaffee am Tag reduzieren das Risiko für Typ-2-Diabetes um rund 25 Prozent.

„Dass Kaffeekonsum das Diabetesrisiko reduziert, beobachten wir konstant seit ein paar Jahren in vielen Studien – deshalb haben wir die Frage auch in unseren Selbst-Test aufgenommen“, sagt Matthias Schulze vom DIfE.

„Natürlich gibt es keinen direkten, kausalen Beweis, dass es wirklich der Kaffee ist, der diesen Effekt ausmacht“, erklärt der Experte: „Es handelt sich ja um Beobachtungsstudien. Aber interessant ist, dass in den meisten Studien die Menschen, die viel Kaffee trinken, ansonsten einen eher ungesunden Lebensstil haben.“ Das aber heißt: Außer dem Kaffee gibt es keinen – zumindest keinen offensichtlichen – Grund, der bei ihnen risikosenkend wirken könnte. „Und das spricht eben für den Kaffee.“

Kein Ausgleich

Wobei Schulze betont: Kaffee kann nicht schlechte Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht ausgleichen. „All diese Faktoren erhöhen das Diabetesrisiko natürlich massiv.“ Kaffee kann es dann zwar ein wenig senken – aber eben von einem extrem hohen Niveau aus: „Es kommt immer auf das Gesamtprofil der risikoerhöhenden und risikosenkenden Faktoren an.“

Man wisse auch nicht, welche Inhaltsstoffe für den positiven Effekt verantwortlich sind. Das Koffein offenbar nicht. Und: „Ich würde niemandem, der bisher keinen Kaffee getrunken hat und ihn nicht mag, empfehlen, jetzt aus Gesundheitsgründen mit dem Konsum zu beginnen.“ Doch Diabetes ist nicht die einzige Erkrankung, auf deren Risiko Kaffee positiv wirkt:

- Herz-Kreislaufleiden Wer regelmäßig Kaffee trinkt, erhöht sein Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall nicht. Im Gegenteil: Es gibt Hinweise, dass bei drei bis vier Tassen Kaffee täglich das Erkrankungsrisiko sogar ein wenig sinkt.

- Krebserkrankungen 2016 erklärte die Internationale Krebsforschungsagentur ( IARC), dass sich ein – lange Zeit nicht ausgeschlossenes – erhöhtes Krebsrisiko durch Kaffee nicht belegen lässt. Im Gegenteil: Zumindest bei manchen Krebserkrankungen, etwa der Leber oder der Gebärmutter, gibt es offenbar positive Effekte.

- Parkinson, Alzheimer „Es scheint einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und einem etwas verringerten Risiko für Alzheimer und Parkinson zu geben“, sagt Donald Weaver von der Universität Toronto. Zwei Eiweißstoffe lagern sich bei Alzheimer im Gehirn in übermäßigem Ausmaß ab und bilden sogenannte Plaques.

In Laborversuchen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass bestimmte Kaffee-Inhaltsstoffe dieses Verklumpen zumindest hemmen. „Diesen Effekt hatten wir so nicht erwartet.“

Wer sich jetzt denkt, „schade, dass ich keinen Kaffee, sondern nur Tee trinke“, muss aber nicht enttäuscht sein, sagt Matthias Schulze vom deutschen Ernährungsforschungsinstitut: „Auch bei Tee zeigen mehrere Studien, dass bei regelmäßigem Konsum Diabetes und Herzkreislauferkrankungen seltener auftreten.“ www.dife.de