Wellness
19.10.2016

Warum Sie jetzt Rohkost essen sollten

Ernährungssoziologin Michaela Russman erklärt, wie man die geballte Immunpower ungekochter Lebensmittel in der Grippesaison für sich nutzen kann.

Bereits beim Betreten der Biowerkstatt im 1. Wiener Gemeindebezirk strömt einem der Duft von allerhand Köstlichem entgegen. Die Gerüche wecken nicht nur den Appetit, sondern lassen auch Bilder dampfender Kochtöpfe und brutzelnder Pfannen im Kopf entstehen. Wer bei Michaela Russmann speist, der bekommt jedoch Kaltes serviert.

Die Ernährungssoziologin aus der Steiermark hat sich bereits vor Jahren der Rohkost verschrieben. Seither ist viel passiert. Heute ernährt sie sich zu 70 bis 95 Prozent - je nach Saison und Verfügbarkeit - von pflanzlicher Rohkost. "Rohe Kost", das bedeutet, dass Lebensmittel nicht über 42 Grad Celsius erhitzt werden. Neben ihrem Blog, Workshops, Seminaren und Projekten hat Russmann auch zahlreiche Bücher über die Vorteile und Vielfalt der Rohkost-Küche verfasst. Die Vielfalt, die ist Russmann besonders wichtig. Denn der Genuss darf nicht zu kurz kommen. In ihrer Biowerkstatt in der Wiener Innenstadt hat die gebürtige Steirerin zudem eine kulinarische Homebase geschaffen.

Anlässlich der beginnenden Grippesaison stellt die österreichische Raw-Pionierin pflanzliche Rohkost-Gerichte zur Stärkung der eigenen Immunabwehr vor.

Rohköstliche Immunpower für Alt und Jung

Scharfer Gurkensalat mit Mango und Ananas, Chili-Ingwer-Shots, Gemüsecurry, Kokoscremesuppe aus roten Rüben und gefüllte Spitzpaprika mit Avocadocreme - all das kommt bei Russmann im Herbst und Winter besonders oft auf den Tisch. Die Gründe liegen auf der Hand.

Während Chili im Gurkensalat von innen wärmt, sorgen Mango und Ananas für eine gute Portion Vitamin C. Ingwer gilt mit seinen 120 Inhaltsstoffen seit Jahrzehnten als Allround-Talent in Sachen Gesundheit. Zusammen mit Orange, Mango, Chili, Kurkuma und Kaki entsteht in Russmanns Mixer ein vitaminreicher Chili-Shot - mit Wumps. Die Gewürze im indischen Curry entstammen der ayurvedischen Küche und bringen ebenfalls den Stoffwechsel in Schwung. Rote Rüben sind reich an Kalzium, Kalium, Magnesium und Eisen, den Vitaminen B und C und Folsäure - und in Kombination mit Kokosmus ein besonders cremiger Genuss. Spitzpaprika ist wiederum reich an Vitamin C, die Avocadofüllung liefert Vitamin B6, das neben vielen anderen Funktionen im Körper auch die Stärkung der Abwehrkräfte übernimmt.

"Mit einer ordentlichen Vitamin-Portion kann man Infekten ideal vorbeugen. Viele greifen im Winter auf Hühnersuppe oder heiße Limonade zurück, die Klassiker aus der Hausapotheke quasi. Was viele nicht wissen, ist, dass man auch mit Rohkost die Abwehrkräfte auf ganz natürliche Art und Weise unterstützen kann", erklärt Russmann. So könne man Erkältungen im Anfangsstadium abfangen und den generellen Gesundheitszustand fördern. Auch das Wohlbefinden profitiert. Die intuitive Lust auf warme Speisen in der kalten Jahreszeit sei zudem ohnehin eine gelernte Gewohnheit. Rein physiologisch kann Nahrung den Körper nämlich gar nicht von innen wärmen. Wer sich auf rohe Speisen einlässt, der wird jedenfalls überrascht sein, ist sich Russmann sicher.

"Jede Veränderung ist eine Umstellung"

Gerade im Herbst und Winter kann man die Vorteile der Rohkost also gezielt für sich nutzen. Von allzu dogmatischen Ernährungsregeln und radikalen Ernährungsumstellungen hält Russmann nichts. Immerhin ist die alltägliche Ernährung eine der stärksten Gewohnheiten überhaupt. Da fällt bereits die kleinste Veränderung schwer. "Jede Veränderung ist eine Umstellung. Und das dauert." Russmann rät daher zu einer sehr individuellen und graduellen Integration roher Kost in den Ernährungsplan. Gerade im Winter sei es für viele Menschen schwierig, sich von der Vorstellung "Winterspeckt anfuttern" zu müssen zu verabschieden. "Das ist ein ganz simpler Lernprozess. Man kann anfangs einfach gewisse Speisen oder einzelne Mahlzeiten durch Rohkost ergänzen oder ersetzen. Der Rest stellt sich dann ganz von selbst ein."

Doch der pflanzlichen Rohkosternährung sind auch Grenzen gesetzt. Kartoffeln, Hülsenfrüchte oder Fisolen können beispielsweise nicht roh verzehrt werden. Auch Melanzani sollte man roh (und eingelegt) nur in Maßen genießen. Kürbis kann in kleinen Mengen roh gegessen werden.

Die Mischung macht's - auch bei Rohkost

Für Russmann steht ganz unabhängig von ihren Ernährungsempfehlungen immer die "gesunde Mischung" im Vordergrund. Der oftmals schlechte Ruf bestimmter Ernährungsformen hängt nicht selten mit strengen Geboten und dem individuellen Streben nach einer perfekten Ernährung zusammen. Wer mit der nötigen Entspanntheit, einer großen Portion Kreativität und dem eigenen Hungergefühl als Indikator an die Sache herangeht, wird von Rohkost jedoch keinesfalls enttäuscht sein.

Buchtipp: ROHGENUSS - Jeder Tag ein Fest von Michaela Russman, Russmann & Sohn, ISBN 978-3-9503565-6-4, €24,95.

3 Rezepte zum Nachkochen

Cremiges Gemüsecurry

Pfanne für Zwei

250 g Champignons

1 kleine Karotte

1 kleine rote Zwiebel

3 frische Tomaten

2 rote Paprika

Für die Sauce

3 Tomaten

40 g Cashewkerne

40 g frische Kokosnuss

1 cm frischer Ingwer

1 Schuss Öl

1 Dattel

6 getrocknete Tomaten

2 Knoblauchzehen

1/2 TL Curry

Salz

50 g Sojasprossen

2 EL Erdnüsse

Etwas Feldsalat

Ein paar Kokosstreifen

Zubereitung

Alle Zutaten für die Sauce fein pürieren und würzig mit Salz und Curry abschmecken. Die Pilze, Karotten, Zwiebel, Tomaten und Paprika sehr fein würfeln. Das kleingeschnittene Gemüse mit der Sauce vermengen, 20 Minuten ziehen lassen. Das Curry auf einem Bett von Feldsalat anrichten und mit Sojasprossen, Erdnüssen und Kokosstreifen dekorieren. Rohgenusskunde: Botanisch gesehen sind "Paprikaschoten" keine Schoten, sondern Beeren. Es gibt Paprika in vielen verschiedenen Farben und Formen. Ursprünglich stammt die Paprika aus Süd-und Mittelamerika.

Rote Rüben Kokoscremesuppe

Für zwei Suppen

300 g rote Rüben

300 ml Kokosmus

500 ml Wasser

1 Suppenwürfel

1/2 TL Garam Masala (oder Curry)

Zubereitung

Die rote Rübe schälen und in grobe Würfel schneiden. Rote Rübe mit allen restlichen Zutaten zu einer fein cremigen Suppe pürieren und nochmals abschmecken.

Chili-Smoothie

Für zwei Gläser

1 große MSP frische oder getrocknete Chilischote

100 g Kaki

1 Stk. Orange

100 g Mango

½ TL Kurkuma

1 cm frischer Ingwer

50 ml Wasser

Zubereitung

Orange abschälen, Kaki grob schneiden und Ingwer schälen. Das gesamte Obst mit den restlichen Zutaten zu einem cremigen Smoothie mixen.

Tipp: Wenn man Schärfe nicht gut verträgt, entweder die Chili weglassen oder nur eine Prise nehmen.