Ein neuer Fanliebling und alte Bärte: Die Tops und Flops der Tournee

Daniel Tschofenig gewann den letzten Tourneebewerb in Bischofshofen
Wer schwebte bei der Tournee auf Wolke 7, wer fabrizierte einen Bauchfleck. Der KURIER zieht Bilanz und vergibt Haltungsnoten von 0,0 bis 20,0.

Die 74. Vierschanzentournee ist Geschichte, die Menschen, die sich Adler nennen, haben wieder festen Boden unter den Füßen. Was bleibt in Erinnerung? Wer schwebte in anderen Sphären, wer flog auf die Nase?

Der KURIER spielt wie immer Punkterichter und vergibt die Haltungsnoten für die Tournee.

Timi Zajc wurde in Oberstdorf und in Garmisch qualifiziert und durfte danach nicht mehr mitspringen

Der Slowene Timi Zajc wurde in Oberstdorf und in Garmisch qualifiziert und durfte danach nicht mehr bei der Tournee mitspringen

  • 0,5 Timi Zajc 

Wenn Dummheit auf Dreistigkeit trifft, dann kommt das heraus, was dem Slowenen widerfahren ist. In Oberstdorf wurde Timi Zajc nach dem Wettkampf disqualifiziert, weil sein Anzug um 3 Millimeter zu kurz war.

Das quittierte er mit einem süffisanten Posting auf Social Media, um in Garmisch schon vor dem Bewerb bei einer überraschenden Materialkontrolle aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Diesmal war sein Anzug um 4 Millimeter zu kurz. Damit war diese Tournee für den Weltmeister von 2023 vorzeitig beendet. In Innsbruck und Bischofshofen durfte er nicht mehr mitspringen.

Andreas Wellinger (GER) kam in keinem Tourneespringen in die Punkteränge

Andreas Wellinger (GER) kam in keinem Tourneespringen in die Punkteränge

  • 2,5 Andreas Wellinger 

Am Beispiel des deutschen Olympiasiegers und Weltmeisters zeigt sich wieder einmal, wie schmal der Grat zwischen Höhenflug und Absturz ist. 

Noch im letzten Winter feierte Andreas Wellinger Weltcupsiege und holte WM-Silber, heuer ist der deutsche Star nur ein Schatten seiner selbst. 48, 32, 37, 35 – Wellinger schaffte es nie in den zweiten Durchgang.

  • 5,5 Marius Lindvik 

Der Weltmeister und Olympiasieger steht sinnbildlich für die Flaute des norwegischen Skispringens seit dem Anzugskandal bei der Heim-WM in Trondheim.

Nachdem Lindvik am Bergisel einen Absturz fabrizierte und schon in der Qualifikation scheiterte, reiste er vorzeitig von der Tournee ab

„Es ist so schlecht, dass es peinlich ist.“ Das Mutterland des Skispringens spielte bei dieser Tournee nur eine Nebenrolle und brachte keinen Springer in die Top Ten. 

Die Frage muss erlaubt sein: Fliegt es sich ohne manipulierte Anzüge nicht so gut?

Für den vierfachen Olympiasieger Simon Ammann kam bei seiner 27. Tournee zur Halbzeit das Aus

Für den vierfachen Olympiasieger Simon Ammann (SUI) kam bei seiner 27. Tournee zur Halbzeit das Aus

  • 8,0 Simon Ammann 

Was will der vierfache Olympiasieger eigentlich noch beweisen? Bei seiner 27.Tournee wurde der 44-Jährige zur Halbzeit wegen Erfolg- und Aussichtslosigkeit aus dem Schweizer Team gestrichen.

  • 16,5 Stefan Kraft 

Gemessen an seinen Ansprüchen war wohl eher eine Tournee zum Vergessen für den erfolgsverwöhnten Routinier, dem beim Finale in Bischofshofen mit Rang 6 zumindest ein halbwegs versöhnlicher Abschluss gelang.

Rätselhaft bleibt sein chronischer Negativlauf in Garmisch, wo der Salzburger den schon obligaten Bauchfleck (26.) hinlegte und seinen Negativlauf prolongierte. Bei 13 Neujahrsspringen landete Kraft erst einmal in den Top 5.

Ren Nikaido und seine japanischen Kollegen feierten ausgelassen den Sieg am Bergisel

Ren Nikaido und seine japanischen Kollegen feierten ausgelassen den Sieg am Bergisel 

  • 18,5 Ren Nikaido 

Der Japaner begeisterte bei seinem Premierensieg am Bergisel und sorgte für den spektakulärsten Jubel im Rahmen dieser Tournee. Alle Mitglieder der japanischen Mannschaft rutschten bäuchlings den Gegenhang der Bergiselschanze hinunter und sorgen für Begeisterungsstürme.

  • 19,0 TV-Experten 

Skispringen zu kommentieren und zu analysieren ist eine echte Herausforderung. „Weil im ersten Moment sieht alles gleich aus“, gibt selbst Gregor Schlierenzauer zu.

Gregor Schlierenzauer steht Stephan Embacher mit Rat und Tat zur Seite

Gregor Schlierenzauer steht Stephan Embacher mit Rat und Tat zur Seite

Der Tiroler Rekordspringer, der heute 36 wird, lieferte als ORF-Experte wertvolle Einblicke und hat sich genauso bewährt wie Debütant Michael Hayböck in seiner neuen Rolle als Co-Kommentator. 

Bei Eurosport ist es immer aufs Neue erfrischend, wenn Werner Schuster die Sprünge seines Filius Jonas bewertet.

Emotion pur: Daniel Tschofenig gewann wie im Vorjahr in Bischofshofen

Emotion pur: Daniel Tschofenig gewann wie im Vorjahr in Bischofshofen

  • 19,0 Daniel Tschofenig 

Der Titelverteidiger sorgte mit seinem Sieg in Bischofshofen für einen erfolgreichen Abschluss und führte ein starkes ÖSV-Team an.  In den Top 7 landeten fünf Österreicher. 

Der Bergisel war wieder ausverkauft.

Spektakel pur: Der Bergisel war wieder ausverkauft.

  • 19,5 Stimmung 

Die Tournee ist ein echter Publikumsmagnet und stößt mehr und mehr an ihre Grenzen: 25.500 Fans in Oberstdorf, 22.000 in Garmisch, 21.125 am Bergisel – es gibt im Wintersport kaum eine andere Veranstaltung, bei der so eine ausgelassene Stimmung herrscht. Wie wird das wohl 2026/’27 sein, wenn erstmals die Frauen bei der Tournee mitwirken?

Aufsteiger, Publikumsliebling, Zukunftshoffnung in einem: Stephan Embacher beendete die Tournee als Gesamtdritter

Aufsteiger, Publikumsliebling, Zukunftshoffnung in einem: Stephan Embacher beendete die Tournee als Gesamtdritter

19,5 Stephan Embacher 

Der 19-jährige Tiroler war nicht nur der Senkrechtstarter der Tournee, er hat auch das Zeug zum neuen Publikumsliebling der Skisprungnation.

Embacher präsentiert sich schelmisch und abgeklärt zugleich und wittert augenscheinlich Morgenluft. Wetten, dass der Stams-Schüler den ersten Weltcupsieg vor seinem Schulabschluss im Sommer feiert?

Jan Hoerl wurde wie 2024/'25 Gesamtzweiter und war heuer bester Österreicher

Jan Hörl wurde wie 2024/'25 Gesamtzweiter und war heuer bester Österreicher

  • 19,5 Jan Hörl 

Wie im Vorjahr landete der Salzburger in der Gesamtwertung auf dem zweiten Platz. Nach einem Fehlstart in die Saison hat Jan Hörl bei der Tournee wieder zu alter Stärke gefunden. Das lässt in Hinblick auf die Olympischen Winterspiele einiges erwarten.

Domen Prevc gewann die Tournee und erhielt den Goldenen Adler

Domen Prevc gewann die Tournee und erhielt den Goldenen Adler

  • 20,0 Domen Prevc 

Für den Skiflugweltrekordhalter aus Slowenien gehen einem schön langsam die Superlative aus. Selten einmal hatte ein Springer so viel Oberluft wie Domen Prevc, der bei der Tournee eine One-Man-Show abzog und in Oberstdorf und in Garmisch gewann.

Bart aber herzlich: ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl präsentierte im Laufe der Tournee viele Bartmodelle

Bart aber herzlich: ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl präsentierte im Laufe der Tournee viele Bartmodelle

  • 0,0 Widhölzls Bart 

Diese Bewertung ist eine haarige Angelegenheit, weil ÖSV-Chefcoach Andreas Widhölzl seinen extravaganten Bart zwischen Oberstdorf und Bischofshofen mehrmals getrimmt hat. Beim Barte des Proleten, werden sich manche womöglich gedacht haben. Für andere war der James-Hetfield-Gedächtnisschnauzer hingegen wieder state of the (b)art.

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