Ein neuer Fanliebling und alte Bärte: Die Tops und Flops der Tournee
Daniel Tschofenig gewann den letzten Tourneebewerb in Bischofshofen
Die 74. Vierschanzentournee ist Geschichte, die Menschen, die sich Adler nennen, haben wieder festen Boden unter den Füßen. Was bleibt in Erinnerung? Wer schwebte in anderen Sphären, wer flog auf die Nase?
- Domen Prevc (SLO) 1.195,6 Punkte (neuer Tournee-Rekord)
- Jan Hörl (AUT) 1.153,3,
- Stephan Embacher (AUT) 1.150,6
- Ren Nikaido (JPN) 1.123,5
- Ryoyu Kobayashi (JPN) 1.123,1
- Felix Hoffmann (GER) 1.120,3
- Daniel Tschofenig (AUT) 1.115,8
- Philipp Raimund (GER) 1.089,6
- Anze Lanisek (SLO) 1.074,5
- Manuel Fettner (AUT) 1.056,5
- Stefan Kraft (AUT) 1.053,5
Weitere Österreicher:
15. Jonas Schuster (AUT) 1.019,5, 16. Maximilian Ortner 1.018,5.
Der KURIER spielt wie immer Punkterichter und vergibt die Haltungsnoten für die Tournee.
Der Slowene Timi Zajc wurde in Oberstdorf und in Garmisch qualifiziert und durfte danach nicht mehr bei der Tournee mitspringen
- 0,5 Timi Zajc
Wenn Dummheit auf Dreistigkeit trifft, dann kommt das heraus, was dem Slowenen widerfahren ist. In Oberstdorf wurde Timi Zajc nach dem Wettkampf disqualifiziert, weil sein Anzug um 3 Millimeter zu kurz war.
Das quittierte er mit einem süffisanten Posting auf Social Media, um in Garmisch schon vor dem Bewerb bei einer überraschenden Materialkontrolle aus dem Verkehr gezogen zu werden.
Diesmal war sein Anzug um 4 Millimeter zu kurz. Damit war diese Tournee für den Weltmeister von 2023 vorzeitig beendet. In Innsbruck und Bischofshofen durfte er nicht mehr mitspringen.
Andreas Wellinger (GER) kam in keinem Tourneespringen in die Punkteränge
- 2,5 Andreas Wellinger
Am Beispiel des deutschen Olympiasiegers und Weltmeisters zeigt sich wieder einmal, wie schmal der Grat zwischen Höhenflug und Absturz ist.
Noch im letzten Winter feierte Andreas Wellinger Weltcupsiege und holte WM-Silber, heuer ist der deutsche Star nur ein Schatten seiner selbst. 48, 32, 37, 35 – Wellinger schaffte es nie in den zweiten Durchgang.
- 5,5 Marius Lindvik
Der Weltmeister und Olympiasieger steht sinnbildlich für die Flaute des norwegischen Skispringens seit dem Anzugskandal bei der Heim-WM in Trondheim.
Nachdem Lindvik am Bergisel einen Absturz fabrizierte und schon in der Qualifikation scheiterte, reiste er vorzeitig von der Tournee ab.
„Es ist so schlecht, dass es peinlich ist.“ Das Mutterland des Skispringens spielte bei dieser Tournee nur eine Nebenrolle und brachte keinen Springer in die Top Ten.
Die Frage muss erlaubt sein: Fliegt es sich ohne manipulierte Anzüge nicht so gut?
Für den vierfachen Olympiasieger Simon Ammann (SUI) kam bei seiner 27. Tournee zur Halbzeit das Aus
- 8,0 Simon Ammann
Was will der vierfache Olympiasieger eigentlich noch beweisen? Bei seiner 27.Tournee wurde der 44-Jährige zur Halbzeit wegen Erfolg- und Aussichtslosigkeit aus dem Schweizer Team gestrichen.
- 16,5 Stefan Kraft
Gemessen an seinen Ansprüchen war wohl eher eine Tournee zum Vergessen für den erfolgsverwöhnten Routinier, dem beim Finale in Bischofshofen mit Rang 6 zumindest ein halbwegs versöhnlicher Abschluss gelang.
Rätselhaft bleibt sein chronischer Negativlauf in Garmisch, wo der Salzburger den schon obligaten Bauchfleck (26.) hinlegte und seinen Negativlauf prolongierte. Bei 13 Neujahrsspringen landete Kraft erst einmal in den Top 5.
Ren Nikaido und seine japanischen Kollegen feierten ausgelassen den Sieg am Bergisel
- 18,5 Ren Nikaido
Der Japaner begeisterte bei seinem Premierensieg am Bergisel und sorgte für den spektakulärsten Jubel im Rahmen dieser Tournee. Alle Mitglieder der japanischen Mannschaft rutschten bäuchlings den Gegenhang der Bergiselschanze hinunter und sorgen für Begeisterungsstürme.
- 19,0 TV-Experten
Skispringen zu kommentieren und zu analysieren ist eine echte Herausforderung. „Weil im ersten Moment sieht alles gleich aus“, gibt selbst Gregor Schlierenzauer zu.
Gregor Schlierenzauer steht Stephan Embacher mit Rat und Tat zur Seite
Der Tiroler Rekordspringer, der heute 36 wird, lieferte als ORF-Experte wertvolle Einblicke und hat sich genauso bewährt wie Debütant Michael Hayböck in seiner neuen Rolle als Co-Kommentator.
Bei Eurosport ist es immer aufs Neue erfrischend, wenn Werner Schuster die Sprünge seines Filius Jonas bewertet.
Emotion pur: Daniel Tschofenig gewann wie im Vorjahr in Bischofshofen
- 19,0 Daniel Tschofenig
Der Titelverteidiger sorgte mit seinem Sieg in Bischofshofen für einen erfolgreichen Abschluss und führte ein starkes ÖSV-Team an. In den Top 7 landeten fünf Österreicher.
Spektakel pur: Der Bergisel war wieder ausverkauft.
- 19,5 Stimmung
Die Tournee ist ein echter Publikumsmagnet und stößt mehr und mehr an ihre Grenzen: 25.500 Fans in Oberstdorf, 22.000 in Garmisch, 21.125 am Bergisel – es gibt im Wintersport kaum eine andere Veranstaltung, bei der so eine ausgelassene Stimmung herrscht. Wie wird das wohl 2026/’27 sein, wenn erstmals die Frauen bei der Tournee mitwirken?
Aufsteiger, Publikumsliebling, Zukunftshoffnung in einem: Stephan Embacher beendete die Tournee als Gesamtdritter
19,5 Stephan Embacher
Der 19-jährige Tiroler war nicht nur der Senkrechtstarter der Tournee, er hat auch das Zeug zum neuen Publikumsliebling der Skisprungnation.
Embacher präsentiert sich schelmisch und abgeklärt zugleich und wittert augenscheinlich Morgenluft. Wetten, dass der Stams-Schüler den ersten Weltcupsieg vor seinem Schulabschluss im Sommer feiert?
Jan Hörl wurde wie 2024/'25 Gesamtzweiter und war heuer bester Österreicher
- 19,5 Jan Hörl
Wie im Vorjahr landete der Salzburger in der Gesamtwertung auf dem zweiten Platz. Nach einem Fehlstart in die Saison hat Jan Hörl bei der Tournee wieder zu alter Stärke gefunden. Das lässt in Hinblick auf die Olympischen Winterspiele einiges erwarten.
Domen Prevc gewann die Tournee und erhielt den Goldenen Adler
- 20,0 Domen Prevc
Für den Skiflugweltrekordhalter aus Slowenien gehen einem schön langsam die Superlative aus. Selten einmal hatte ein Springer so viel Oberluft wie Domen Prevc, der bei der Tournee eine One-Man-Show abzog und in Oberstdorf und in Garmisch gewann.
Bart aber herzlich: ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl präsentierte im Laufe der Tournee viele Bartmodelle
- 0,0 Widhölzls Bart
Diese Bewertung ist eine haarige Angelegenheit, weil ÖSV-Chefcoach Andreas Widhölzl seinen extravaganten Bart zwischen Oberstdorf und Bischofshofen mehrmals getrimmt hat. Beim Barte des Proleten, werden sich manche womöglich gedacht haben. Für andere war der James-Hetfield-Gedächtnisschnauzer hingegen wieder state of the (b)art.
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