Sensationsmann Embacher: Warum Bambi bei den Großen mitfliegt

Skispringer Stephan Embacher trägt seine Ski.
Stephan Embacher ist als Gesamtdritter der Sensationsmann bei der Tournee. Der 19-jährige Tiroler gilt seit Langem als künftiger Seriensieger und hat nicht von ungefähr Gregor Schlierenzauer an seiner Seite.

Man kann sich seinen Kosenamen nicht aussuchen. Er wird einem einfach verpasst, ganz egal, ob das einem nun gefällt oder nicht. Bei Stephan Embacher, dem Senkrechtstarter dieser Saison, ist die Wahl auf Bambi gefallen. „Weil ich der Jüngste im Team bin“, erklärt der Sensationsdritte im Tournee-Klassement.

Eine andere Erklärung für diesen Kosenamen wäre auch nicht zulässig. Denn Stephan „Bambi“ Embacher ist keineswegs scheu wie ein Reh, eher das genaue Gegenteil. ÖSV-Chefcoach Andreas Widhölzl nennt den 19-Jährigen liebevoll einen Lauser, Strizzi und Hallodri.

Badelatschen

„Aber Blödheiten habe ich schon lange nicht mehr gemacht“, versichert Embacher. Das ist Ansichtssache. Zum Medientermin vor dem Bergiselspringen tauchte der Brixentaler am Freitag mit Badelatschen und Socken auf. Modisch ein echtes Kacherl und bei Interviews im Freien auch nicht gerade eine Punktlandung. „Okay, das war jetzt nicht die beste Aktion.“

Es rührt sich gerade wieder etwas im österreichischen Skisprungteam und dafür ist dieser unbekümmerte Jungspund aus dem Brixental verantwortlich. In seiner zweiten Saison im Weltcup hat Stephan Embacher auf der Karriereleiter mehrere Sprossen auf einmal genommen und ist mitten in der Weltspitze angekommen. Der dritte Platz in der Tourneewertung, noch weit vor seinen ÖSV-Kollegen Daniel Tschofenig und Stefan Kraft, kommt nicht von ungefähr. „Ich kann meine Leistung immer öfter abrufen.“

Prominenter Mentor

Für viele Experten war es nur eine Frage der Zeit, bis Stephan Embacher die Hierarchien im Skispringen auf den Kopf stellt. Schon seit Jahren wird der mehrfache Juniorenweltmeister als künftiger Überflieger gehandelt, einige verglichen den Brixentaler gar mit Gregor Schlierenzauer, seinem großen Vorbild und Mentor. „Wenn du 17 bist und so was hörst, ist es nicht leicht, damit umzugehen.“

Vor allem dann, wenn die Erfolge einem nicht so zufliegen, wie man es sich vielleicht selbst erhofft hatte. In seiner ersten Weltcupsaison hatte der Tiroler oft mit sich gehadert, obwohl er auch da immer wieder einmal aufzeigte und etwa am berühmten Holmenkollen Elfter wurde. „Ich bin halt sehr ehrgeizig und möchte nicht auf der Stelle herumtrampeln, sondern zeigen, was ich drauf habe.“

Fixer Startplatz

Im Nachhinein war es sicher nicht die klügste Entscheidung, Stephan Embacher gleich mit den österreichischen Skisprungstars mittrainieren zu lassen. „Das zerstört einfach Selbstvertrauen, wenn du dann im Vergleich viel weniger weit hupfst.“ Daher zog Chefcoach Widhölzl in der heurigen Sommervorbereitung die Reißleine und ließ Embacher unter der Regie von Björn Koch vor allem mit Gleichaltrigen trainieren. „Das war für mich extrem hilfreich“, sagt Embacher.

Nicht minder wichtig war sein Triumph bei der Junioren-WM 2025, der ihm einen fixen Startplatz für den gesamten Weltcupwinter brachte. „Sonst ist es brutal schwer, in unser Team rein zu kommen und drinnen zu bleiben.“

Wobei sich Stephan Embacher darüber mittlerweile keine Sorgen machen muss. Auch der Startplatz für Olympia scheint ihm sicher.

Schnee von morgen. Vorerst gilt sein Augenmerk dem Bergiselspringen. Und auch ein klein wenig der Schule, Stephan Embacher absolviert sein letztes Jahr in Stams. „Wenn ich sage, dass die Schule im Moment sehr weit weg ist, werden das meine Lehrer nicht gerne hören.“

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