Vierschanzentournee: Warum Stephan Embacher der Sieger der Herzen ist

Vierschanzentournee: Warum Stephan Embacher der Sieger der Herzen ist
Stephan Embacher (3.) verpasste am Bergisel seinen ersten Weltcupsieg um 39 Zentimeter. Der abgeklärte Auftritt des 19-Jährigen war beeindruckend. Viele Experten sehen in ihm einen neuen Überflieger.

Irgendwie schade, dass Stephan Embacher am Bergisel schließlich nicht die 0,7 Punkte mehr eingeheimst hat, die es für den ersten Weltcupsieg gebraucht hätte.

Es wäre nämlich echt spannend zu sehen gewesen, ob er dann immer noch so cool und abgeklärt geblieben wäre. Der 19-Jährige wirkt nach außen ja so, als würde er in sich ruhen und alles an ihm abperlen.

Und so nahm es Stephan Embacher auch gelassen hin, dass ihm am Bergisel sein Premierensieg im Weltcup so knapp durch die Finger glitt. 

0,7 Zähler sind ein Hauch von Nichts in der Schanzenwelt, das entspricht umgerechnet 39 Zentimetern, die den Tiroler Jungstar vom japanischen Premierensieger Ren Nikaido trennten. 

Der zweitplatzierte Tournee-Leader Domen Prevc lag gar nur 11 Zentimeter vor dem österreichischen Senkrechtstarter.

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Nervenstärke

„Schade, aber es war wirklich ein Megatag. Und mit diesem Podium kann ich echt zufrieden sein“, meinte Embacher nach seinem zweiten Podestplatz in Folge, dem dritten in seiner noch jungen Karriere.

In gewisser Weise darf sich der 19-Jährige ohnehin als Gewinner fühlen. Nach seinen starken Auftritten bei den letzten Springen waren am Bergisel erstmals alle Augen auf den Jungstar aus dem Brixental gerichtet. Das kann nicht immer nur beflügeln, er wäre nicht der erste Lokalmatadore gewesen, der am Bergisel im Überschwang der Gefühle in Turbulenzen gerät.

Doch dieser Stephan Embacher scheint aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein. Innerhalb weniger Wochen hat sich der Teenager nicht nur im Weltcup etabliert, ihm macht es offenbar auch nichts aus, wenn er beim Bergiselspringen zur Halbzeit führt und als Letzter auf den Zitterbalken muss.

„Ich habe meine Nerven normalerweise im Griff und war auch nicht nervös“, erklärte Embacher, als hätte er diese Ausnahmesituation schon unzählige Male erlebt.

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Reifeprüfung

Im Skigymnasium Stams, wo er nach der Tournee wieder zum Unterricht erwartet wird, steht Stephan Embacher der Schulabschluss noch bevor, im Weltcup hat der 19-Jährige seine Reifeprüfung mittlerweile mit Bravour gemeistert.

Und man kann jetzt nachvollziehen, wieso auf das Ausnahmetalent aus Hopfgarten schon in jungen Jahren Lobeshymnen angestimmt wurden. 

Der frühere deutsche Chefcoach Werner Schuster, der in Stams neben Rekordmann Gregor Schlierenzauer (53 Weltcupsiege) auch Stephan Embacher unter seinen Fittichen hatte, kündigte bereits vor Wochen an: „Stephan Embacher wird die Hierarchie im österreichischen Team auf den Kopf stellen.“

Vorerst ist der junge Tiroler in der Gesamtwertung als Dritter hinter Jan Hörl noch die zweite Kraft. Doch es wäre keine Überraschung, würde er seinen Teamkollegen beim Finale in Bischofshofen noch überflügeln. Und auch der erste Weltcupsieg scheint nur eine Frage der Zeit.

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