Zweierbob-Anschieberin: Von Jamaikas Sprint-Elite in den Eiskanal

Christania Williams hat mit Jamaikas Sprint-Staffel 2016 Olympiasilber gewonnen. Jetzt visiert sie eine Winter-Medaille mit Katrin Beierl an.
46-222820978

„Gleich null“ seien ihre Chancen gewesen, ein zweites Mal zu Olympischen Spielen zu fahren, sagt Christania Williams. Die 31-Jährige hatte sich ihren Traum vor zehn Jahren erfüllt. Die jamaikanische Sprint-Staffel auf der größtmöglichen Bühne zu vertreten, ist so etwas wie das Ehrenzeichen der Karibiknation. Williams gewann mit der 4x100-Meter-Staffel die Silbermedaille – mit Sprintlegende Shelly-Ann Fraser-Pryce, Elaine Thompson und Veronica Campbell-Brown.

"Den Traum aufgegeben"

„Jamaika zu vertreten ist so unglaublich kompetitiv“, sagt Williams im KURIER-Gespräch. Nach Rio fiel die Sprinterin in ein Loch. „Ich habe aufgegeben.“ Außerdem habe sie einige schlechte Erfahrungen bei den Spielen in Brasilien gemacht. Nicht nur, weil sie selbst im großen 100-Meter-Finale nicht ihre Leistung bringen konnte.

Über Umwege startete sie das Training in St. Pölten, wo ihr heutiger Ehemann, Philip Unfried, als Leichtathletik-Nationaltrainer arbeitet. Mittlerweile lebt Williams in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. 

Vor einem Jahr erhielt sie die österreichische Staatsbürgerschaft. Im Olympiazentrum war sie auf Katrin Beierl getroffen, die auf der Suche nach einer neuen Anschieberin war. Gerne werden Sprinterinnen angefragt, weil sie für gute Startzeiten sorgen können. Das hat in den Trainings im Eiskanal von Cortina nun wieder wunderbar geklappt. „Ich muss mich nur um meinen Teil kümmern“, lobte Beierl die gute Leistung der Anschieberin Williams.

OLYMPIA: EINKLEIDUNG OLYMPIA-TEAM DES ÖOC: BEIERL

Bob-Pilotin Katrin Beierl freut sich über die tatkräftige Anschieberin

46-222826495

Bob-Pilotin Katrin Beierl (r) freut sich über die tatkräftige Anschieberin Christania Williams (l)

Winterspiele

Was für Jamaika die Sommerspiele sind, sind für Österreich die Winterspiele. Mit einem großen Unterschied, wie Williams sagt. „Während in Jamaika ein harter Kampf um einen Platz im olympischen Sprint-Team herrscht, war es hier nicht allzu schwer.“ Die Nachfrage nach starken Anschieberinnen ist größer als das Angebot in Österreich.

Williams kämpft mit Beierl in Cortina im Zweierbob heute (18 Uhr, Lauf 1 und 2) und morgen (19 Uhr, Lauf 3 und 4) um Medaillen. Während Beierl, die – nach dem Bruch des Mittelfußknochens vor knapp 3 Wochen – den Monobob-Bewerb nach zwei Läufen aufgab, kein klares Ziel vorgibt, visiert Williams ganz klar die Medaillen an. Erst acht Athletinnen bzw. Athleten haben das Double geschafft und bei Sommer- und Winterspielen Edelmetall gewonnen.

„Je näher der Bewerb kommt, desto mehr fängt es an, zu knistern“, gibt Williams zu. Nach schlechten Erfahrungen in Rio will sie ein positives Olympia-Erlebnis: „Das ist es, was mich wirklich antreibt. Ich will es genießen und neue Erinnerungen erschaffen.“

Ihr Olympia-Traum lebt auch nach Cortina weiter. Williams visiert die Sommerspiele in L. A. 2028 an, wo sie für Österreich sprinten will. Ihre Bestzeit über 100 Meter (10,96 Sekunden) ist hier unerreicht.

Zweierbob-Anschieberin: Von Jamaikas Sprint-Elite in den Eiskanal ÖSV-Star Julia Scheib vor Olympia-RTL: "Ich spüre Druck – das ist gut so" Shiffrin vor dem Riesentorlauf: "Wir haben die Lektion gelernt" Cornelia Hütter: Olympia-Bronze auf den letzten Drücker Team-Gold für Huber: Warum ausgerechnet Truppe so schnell mitjubelte

Kommentare