Ehepaar fährt bei den Olympischen Spielen gegeneinander im Eiskanal

Die Skeleton-Pilotinnen Kim Meylemans und Nicole Silveira starten für Belgien bzw. Brasilien. Mit dem KURIER sprachen sie über Toleranz und Lucas Pinheiro Braathen.
Skeleton - Women Heat 4

Als Nicole Silveira im vierten Lauf des olympischen Skeletonbewerbs, in dem sich Janine Flock zur Olympiasiegerin kürte, im Ziel ankam, wartete nicht nur ihr brasilianisches Team auf sie. Die erste Gratulantin war ihre Ehefrau, Kim Meylemans, die wenige Minuten vor ihr ins Ziel kam. Tränen, Freude, Seligkeit.

Die Belgische Vizeweltmeisterin von 2024, Kim Meylemans, und die Brasilianerin Nicole Silveira, WM-Vierte von 2025, sind seit 1. August verheiratet. Die beiden Skeleton-Athletinnen traten am Valentinstag erstmals bei Olympischen Spielen als Eheleute an. Dem KURIER erzählten sie nach dem Rennen von ihrem Erlebnis.

Skeleton - Women Heat 4

„Ein sehr spezieller Moment“, sagt Meylemans. „Wir haben uns vorgenommen, unsere Beziehung auch bei den Winterspielen mit Stolz zu zeigen und das haben wir.“ 

Im Vorfeld hätten die beiden Sorge gehabt, weil in Italien für LGBTQ-Paare „systematisch“ vieles nicht einfach ist. „Aber es sind alle hier extrem nett zu uns.“ Die Gesetze, sagt Silveira, gehen hier in eine „schwierige“ Richtung. Die Ehe für alle gibt es nicht, gleichgeschlechtliche Paare können seit 2016 eine Partnerschaft eintragen lassen. Vom Recht auf Adoption sind gleichgeschlechtliche Paare ausgenommen, außerdem wurde von der Regierung Giorgia Melonis zuletzt die Leihmutterschaft im Ausland verboten, die für LGBTQ-Paare die Möglichkeit der Elternschaft eröffnet hatte.

Gemeinsames Zimmer im olympischen Dorf

Dennoch haben Silveira und Meylemans hier in Cortina „nur gute Erfahrungen gemacht“. „Wir wollen nichts verstecken“, sagt Silveira. Im olympischen Dorf schliefen die beiden – obwohl sie zwei verschiedenen Verbänden angehören – im selben Zimmer. 

Schon während der gesamten Saison hätten die beiden das Quartier geteilt, seien es also gewohnt, vor dem Wettkampf im selben Bett zu schlafen. „Wir brauchten das als Konstante, auch bei den Olympischen Spielen und haben uns dafür eingesetzt, das auch zu bekommen. Unsere Verbände haben uns unterstützt, Brasilien hatte ein zweites Bett übrig“, erzählt Silveira, die sich besonders über die Überraschung freute, die ihnen die Verbände lieferten: „Als wir ankamen, war das Zimmer halb brasilianisch dekoriert und halb belgisch.“

Braathen und die Wirkung auf Brasilien

Silveira ist dem brasilianischen Verband dankbar, ihre Identität ausleben zu können. Riesentorlauf-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen hatte in seinem Siegerinterview gesagt, unter der brasilianischen Flagge fühle er, der Mensch sein zu können, der er ist. Silveira bestätigt das. „Ich würde für keine andere Nation starten wollen. Ich bin heute 11. geworden und die Energie der Fans fühlt sich an, als hätte ich eine Medaille gewonnen.“

Braathen habe viel für den Wintersport in dem Land getan, indem er ihm eine Bühne bietet. „Es sind große brasilianische TV-Stationen hier in Italien mit, um uns Athleten zu verfolgen“, sagt Silveira. „Das war früher undenkbar. Das ist riesig für Brasilien und hoffentlich bringt das mehr Athleten in den Wintersport.“

Meylemans und Silveira beendeten das Rennen am Samstag als Sechste bzw. Elfte. Im heutigen Mixed Teambewerb, in dem Olympiasiegerin Janine Flock mit Samuel Maier antritt, sind beide allerdings nicht mehr am Start. 

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