Julia Scheibs Olympia-Enttäuschung: Die Kunst des Abhakens

Die Medaillen, die auf dem Silbertablett liegen, sind die schwierigsten. Julia Scheib hat das Zeug, die Enttäuschung richtig einzuordnen.
Karoline Krause-Sandner
Julia Scheib im Zielraum neben den olympischen Ringen

„Wenn ich ohne Medaille heimfahre, ist es für mich eine Riesenenttäuschung“, hatte Julia Scheib vergangene Woche gesagt. Die 27-Jährige fuhr am Sonntag im Olympia-Riesentorlauf auf den fünften Platz, 0,07 Sekunden fehlten der Steirerin auf ihr selbst gestecktes Ziel. Also fährt sie ohne Medaille nach Hause – und ist bitter enttäuscht. Zumindest war sie das am Sonntag.

Logische Favoritin

Julia Scheib, die Weltcupführende im Riesentorlauf, die von acht Saisonrennen sechs beendet hat, nie schlechter als Zweite war und viermal gewinnen konnte, ist in der Hochform ihrer bisherigen Karriere. Als sie vor dem Rennen über ihre olympischen Ziele gefragt wurde, scheute sie sich nicht davor, diese auszusprechen. 

Die 27-Jährige hat nicht nur einen der schnellsten Schwünge aller Riesentorläuferinnen, sie ist zudem körperlich topfit, unverletzt und vor allem ist sie in ihrem Kopf genau da, wo sie für den Rennsport sein muss.

Olympia war nicht zu groß

Sie weiß, wie sie mit Druck umzugehen hat, weiß, welche Antworten sie sich selbst geben muss, wenn der Kopf auf einmal Fragen stellt, sie weiß, was sie kann und wie man gewinnt.

Olympia war nicht zu groß für Julia Scheib in diesem Moment. Auch wenn es ihre Premiere auf dieser Bühne war. Wahrscheinlich kostete sie dieser eine grobe Fehler im unteren Teil des ersten Laufes die Medaille, über den schon in der Halbzeitpause viel diskutiert wurde. War es ihr Fehler oder kam der falsche Funkspruch?

Nicht den Fokus verlieren

Scheib will die Schuld nicht auf andere schieben: „Es war nicht optimal, aber heuer ist schon sehr viel super gelaufen“, sagte sie. „Wir gewinnen als Team und verlieren als Team.“

Sie darf über dieses bittere Olympia-Ergebnis bitter enttäuscht sein. Aber sie darf sich nicht fürchten vor dem, was jetzt kommt. „Ich weiß nicht, wie lang ich mich mental und körperlich auf so einem hohen Level zeigen kann“, sagt sie.

Das weiß niemand. Aber sie kann es. Kaum eine Läuferin im österreichischen Team schafft es aktuell, so fokussiert zu sein, so selbstbewusst zu bleiben, so akribisch an sich zu arbeiten.

Nun gilt es, den Fokus nicht zu verlieren. Das große Saisonziel ist den Riesentorlauf-Weltcup zu gewinnen. Und vorher diesen 15. Februar richtig einzuordnen. Doch das wird am 16. Februar bereits geschehen sein. Noch im Ziel sagte Scheib: „Es ist heute nicht so gelaufen, wie ich es mir erhofft hab’. Aber das ist morgen abgehakt.“

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