ÖSV-Star Julia Scheib vor Olympia-RTL: "Ich spüre Druck – das ist gut so"

Julia Scheib hat heute die große Chance auf ihre erste olympische Medaille. Ohne eine heimzufahren, wäre eine "Riesenenttäuschung".
OLYMPICS - Winter Olympic Games Milano Cortina 2026

Hektik bringt wirklich niemandem etwas. Das weiß Julia Scheib und das sagt sie sich auch immer wieder vor. Als sie – erstmals in ihrem Leben in Cortina d’Ampezzo – am Freitag durch die Stadt bummelte, um den olympischen Flair aufzusaugen, war sie deshalb ganz ruhig.

Die Ringe, die vielen Leute und das Olympische Feuer wollte sie dennoch sehen: „Ich will spüren, dass das was Großes ist.“

Mit Druck zur Bestleistung

Während sich manch andere Läuferin sagt, der Riesentorlauf am Sonntag (10 und 13.30 Uhr/live ORF 1) sei „ein Rennen wie jedes andere“, will Julia Scheib das Kribbeln so richtig spüren. „Ich werde einen ordentlichen Druck verspüren, aber das ist auch gut so“, weiß die 27-jährige Steirerin um ihre Mitfavoritinnenrolle. „Das hilft mir, das Bestmögliche zu zeigen.“ Der Trick ist, trotz all des Trubels die gewohnten Abläufe beizubehalten und den eigenen Plan fokussiert durchzuziehen.

Die Rolle der Betreuer

Wer dabei hilft, ist das Umfeld. „Wir haben die gleichen Betreuer mit, das gleiche Team wie im Weltcup. Am Renntag werden wir die gleiche Herangehensweise haben.“ Scheib wolle alles so ähnlich machen, wie es nur geht. „Trotzdem ist es für mich etwas ganz Neues.“ Sie wisse nicht, wie sie darauf reagieren werde. „Ich hoffe, dass es da keinen argen Schwenker gibt.“ Doch dann stünden die Coaches bereit, „die extrem viel Erfahrung mitbringen, schon einige Rennen erlebt haben und auch große Erfolge feiern durften. Das gibt mir Ruhe.“

Sie habe in den vergangenen Wochen gut trainiert, fühle sich wohl. Konzentrieren wolle sie sich in den Stunden vor dem Rennen „auf das Gefühl, die Linie, die Konzentration. Ich habe eher geschaut, dass keine Hektik ausbricht.“

Das sei auch gut gelungen. Scheib wirkt fokussiert, ruhig, selbstbewusst. Und doch auf alles gefasst. „Es ist nicht möglich, dass du jeden Lauf perfekt fährst. Es ist auch okay, wenn kleine Fehler passieren. Mein Grundspeed ist gut. Darauf kann ich mich verlassen.“

"Fast perfekte Saison"

Scheib spricht von einer „fast perfekten Saison“, sie hat vier von acht Riesentorläufen gewonnen, war zweimal Zweite, schied zweimal aus und führt im Weltcup. 

Sie sieht aber für Sonntag viele Favoritinnen: „Eine hat vor Kurzem eine Goldmedaille gewonnen.“ Der Olympiasieg von Federica Brignone im Super-G am Donnerstag habe sie „schwer beeindruckt“. Die Italienerin habe außerdem auf diesem Hang trainiert, der Scheib bisher vollkommen fremd war. „Sie weiß, wie man gewinnt.“ Aber auch die Top-Athletinnen im Weltcup wie Mikaela Shiffrin, Camille Rast, Alice Robinson und andere können ganz oben stehen. „Das Niveau ist hoch. Wir werden uns ein ordentliches Battle liefern.“

Nur die Medaille zählt

Dass sie nicht im Super-G startete, macht sie nicht traurig. Sie sei zu wenige Rennen gefahren, um vorne mitzufahren. Für Teamkollegin Cornelia Hütter freue sie sich sehr. Dass es bereits Medaillen im ÖSV-Team gibt, nimmt ihr aber keinen Druck.

„Wenn ich ohne Medaille heimfahre, ist es für mich eine Riesenenttäuschung.“

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