Cornelia Hütter: Olympia-Bronze auf den letzten Drücker
Cornelia Hütter sank im Ziel zu Boden. „Es hat mich einfach umgehauen.“ Fünfmal war sie in der vergangenen Woche die Tofanastrecke heruntergefahren, dreimal davon im Rennmodus. Mit so vielen Emotionen war sie jedes Mal wieder von hier zurück ins Hotel gekommen. In der Abfahrt (4.) und in der Teamkombination (5.) war die Medaille zum Greifen nah gewesen.
„Ich war einfach leer“, sagt Hütter. „Alle Emotionen, die ich die letzten paar Tage mitgemacht habe, alles war auf einmal draußen. Und es ist gut so.“
Hütter winkte in die Kameras, verbeugte sich vor der Tribüne und sagte den Olympischen Spielen Lebewohl – nicht wissend, ob sich eine Medaille ausgehen werde.
Ein letztes Mal
Dann begann das große Zittern um die Olympiamedaille. „Ich wollte sie unbedingt.“ Und am Ende des Rennens kam das olympische Happy End für die 33-Jährige.
In einer durchwachsenen Saison, in der die Steirerin ihre Konstanz nicht finden konnte, kam es nicht nur einmal vor, dass sie sich dachte: „Warum gerade in der Olympiasaison?“ Sie hatte keine Antwort darauf. „Es war immer schwierig, ich habe nie die Leichtigkeit gefunden. Bis jetzt.“
Jetzt hat Cornelia Hütter neben einer WM-Medaille (Bronze in Courchevel/Meribel 2023) und einer Kristallkugel (Abfahrt 2024) auch ihre Olympiamedaille. Gewonnen in ihrem allerletzten Olympiarennen.
„Ich bin im Starthaus gestanden und habe das erste Tor gesehen. Und da waren die olympischen Ringe drauf. Und ich wusste, das wird jetzt das letzte Mal sein, dass ich das sehen werde in meiner Karriere.“
Hart erkämpfte Medaille
Cornelia Hütter ist zum Abschied „all in“ gegangen, wie es so schön heißt. Sie wollte sich nicht vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben. Die Fahrt war alles andere als perfekt, weiß sie. Ein Kampf. „Diese Medaille habe ich mir heute erkämpft.“
Auch dadurch, dass sie in diesem schwierigen Super-G, in dem so manches Tor hinter einer Welle versteckt war, überhaupt ins Ziel gekommen ist. 17 Läuferinnen, darunter die ÖSV-Kolleginnen Mirjam Puchner und Nina Ortlieb, aber auch Sofia Goggia, Emma Aicher und Breezy Johnson, schieden aus.
Eine Hundertstel
Durchgekommen ist Hütters Teamkollegin Ariane Rädler. Wie auch in den anderen beiden Rennen hier (8. in der Abfahrt, 2. in der Kombi-Abfahrt) war sie auch diesmal wieder schnell. Aber für das Podium um 0,01 Sekunden zu langsam.
Dass das wohl das Bitterste ist, was einem nach gelungenem Lauf passieren kann, ist auch Ariane Rädler klar. Doch wenn die Vorarlbergerin vor den Journalisten steht und sagt, sie gönne es ihrer Teamkollegin Hütter „so sehr“, dann spürt man, dass das von Herzen kommt.
„Natürlich tut es sehr weh, aber auf der anderen Seite habe ich meine Goldmedaille, das hilft“, sagt Rädler. Sie habe sich in Cortina sehr wohl gefühlt. Habe mental viel trainiert, um da hinzukommen, wo sie jetzt ist. „Es freut mich, dass es im richtigen Moment aufgegangen ist.“ Vierter Platz hin oder her.
„Und die Conny hat ihre olympische Medaille und ich freue mich brutal für sie“, sagt die Kollegin mit ehrlicher Freude. „Conny war schon so oft auf dem vierten Platz. Sie hat es sich so verdient.“
Vier Kreuzbandrisse
Cornelia Hütter, die schon 2014 als junge Athletin bei den Spielen in Sotschi 2014 dabei war, hat schon vieles durchgemacht in ihrer Karriere. Wie Rädler hat auch sie sich nach vier Kreuzbandrissen immer wieder zurück auf die Rennpiste gekämpft. Das Skifahren hatte ihr schon gar keinen Spaß mehr gemacht. „Das Feuer war schon einmal fast aus.“ Aber sie blieb.
Als sich Hütter nach ihrem schweren Sturz 2022 doch noch einmal motivieren und zu ihrer Form finden konnte, sagte sie sich: „Alles, was jetzt kommt, ist eine Draufgabe.“ Es kamen WM-Bronze 2023, die Abfahrts-Kristallkugel 2024 und nun Olympiabronze 2026.
Mit den Winterspielen hat Hütter jetzt – auf freudige Weise – abgeschlossen. „Aber ich habe noch viel vor“, sagt sie – ein wenig verdattert, dass ihr so mancher schon ein Karriereende andichten will.
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