Olympiasiegerinnen Rädler und Huber: Goldrichtig kombiniert
Ariane Rädler und Katharina Huber mit den Goldmedaillen
Austria 2, Rädler/Huber.
Wer diese Paarung für Platz eins in der Olympischen Teamkombination auf dem Zettel hatte, hätte den 25-fachen Einsatz zurückbekommen. Und, wenn sie ehrlich sind, hatten sie nicht einmal selbst an Gold geglaubt.
Und das war auch völlig in Ordnung. Mit Abfahrtsolympiasiegerin Breezy Johnson und Slalom-Superstar Mikaela Shiffrin, aber auch etwa mit dem starken deutschen Duo Kira Weidle-Winkelmann und Emma Aicher waren andere die Favoritinnen.
Und nicht einmal im eigenen Team waren Ariane Rädler und Katharina Huber die Nummer eins. Conny Hütter und Katharina Truppe, die im Slalom eine starke Saison fährt, waren als Austria 1 ins Rennen gegangen.
Doch es kam anders und das freut niemanden mehr als das Vorarlberg-Niederösterreich-Duo Rädler/Huber.
Das Vertrauen der anderen
Und irgendwie war es dann doch da – dieses Gefühl, dass an diesem 10. Februar in Cortina etwas Besonderes möglich ist: Ariane Rädler hatte da so eine Vorahnung nach ihrem Kombi-Abfahrtslauf, den sie als Zweite hinter Breezy Johnson beendet hatte: „Ich habe eine gute Abfahrt gezeigt, ich hatte irgendwie ein gutes Gefühl“, sagt sie. „Und dann hat Kathi im Slalom noch einmal gut angedrückt.“
Gerade Katharina Huber, die von vielen als so starke Trainingsläuferin gelobt wurde, jedoch in den Rennen nie so richtig den Speed finden konnte. „Ich bin oft gut Ski gefahren, aber es hat nie gereicht“, sagt sie. „Ich hab’s auch nicht mehr ganz geglaubt, dass es noch wird.“
Vielleicht war es ja dann dieser Teamgedanke, der die beiden jeweils stark gemacht hat. Wenn das Vertrauen an sich selbst nicht ausreicht – vielleicht hilft es, wenn die Teamkollegin an einen glaubt.
Jubel im gesamten Österreich-Team, alle freuten sich mit
Seit 20 Jahren Kolleginnen
„Ich glaube, wir sind ein Dreamteam, auch weil wir uns so gut kennen“, sagt Rädler. Zwischen Hubers Geburtsort St. Georgen am Reith und Rädlers Heimatort Schruns liegen zwar gut 500 Kilometer. Doch die beiden kennen sich seit 20 Jahren, da sie – aufgrund des gleichen Jahrgangs 1995 – schon als Schülerinnen gemeinsam auf internationale Rennen gefahren sind. Beide sind starke Skifahrerinnen, „konnten es aber nie richtig zeigen“, sagt Rädler. Beide seien „verkopft“, eher ruhig nach außen.
Weder Ariane Rädler, noch Katharina Huber stand im Weltcup je ganz oben. Zwei dritte Plätze im Super-G hat Rädler zu Buche stehen, Huber einen dritten Platz in einem Mannschaftsbewerb. Und Olympiagold im Team in Peking – damals allerdings als Ersatzfahrerin.
Beide haben viele Rückschläge durchgemacht, sich immer wieder zurückgekämpft. Rädler hat vier Kreuzbandrisse erlitten und musste 2019 den frühen Verlust ihrer Mutter verkraften. Heute sei sie mit dabei gewesen: „Ich habe an die Mama gedacht und gesagt, ‚Du musst jetzt auf uns schauen, dass die Kathi das runterbringt!‘“
Die Chance ihres Lebens
Dass Huber dann als Vorletzte noch oben steht und die Chance ihres Lebens hat, um endlich zu beweisen, wie gut sie ist, wollte die Niederösterreicherin nicht ganz an sich heranlassen. „Meine Nerven waren sehr strapaziert. Ich hatte zu verteidigen, was Ari vorgelegt hat. Physio und Servicemann haben mich aber dann gut abgelenkt von dem, was vor mir gestanden ist.“
Gerade im unteren Teil hat Huber zuletzt oft Zeit verloren. Aber hier in Cortina hat sie genau dort noch das letzte Schäuflein draufgelegt.
Als erstes gratulierte Zimmerkollegin Truppe
Shiffrins Rückschlag
Als dann der Einser aufleuchtete, feierten die Österreicherinnen bereits die Medaille. Mikaela Shiffrin würde wohl Gold holen, Breezy Johnson führte nach der Abfahrt. Alles war angerichtet, als Shiffrin als Letzte am Start stand. Doch diesmal zeigte sie nicht ihre gewohnt überragende Slalomleistung. Das Team USA 1 landete auf Rang 4. Stattdessen freuten sich Wiles/Moltzan über Bronze.
Ein kleines bisschen Pech hatte die Deutsche Emma Aicher, die mit Kira Weidle-Winkelmann um 0,05 Sekunden Gold verpasste. Schon in der Abfahrt war sie nur 0,04 Sekunden hinter Gold. „Vielleicht liegen die Hundertstel ja in einem anderen Rennen auf meiner Seite“, sagte sie gelassen. Die Allrounderin fährt ja vielleicht alle fünf.
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