Sport | Wintersport | Olympia 2018
26.02.2018

Olympia-Bilanz: 14 Medaillen und ihre Geschichte

Über die Sieger und Verlierer unter Österreichs Startern in PyeongChang.

Das waren sie also, die 23. Winterspiele der Olympia-Geschichte. Mit 14 Medaillen kehrt die österreichische Delegation zurück, und nicht wenige wie Super-G-Olympiasieger Matthias Mayer und Rodel-Olympiasieger David Gleirscher haben auch schon die ersten Empfänge und Ehrungen in der Heimat hinter sich gebracht.

Ehe es im Weltcup-Alltag weitergeht, werden die Sportler noch am Dienstagabend in Salzburg gefeiert, ab 18 Uhr bietet der Kapitelplatz die Bühne für die Feier, ORFeins überträgt live.

Wer waren die Gewinner, wer waren die Verlierer der 18 Wettkampftage mit 102 Medaillenentscheidungen?

Biathlon

Elf Bewerbe, eine Bronzemedaille für Dominik Landertinger im Einzelrennen über 20 Kilometer, dazu der vierte Rang von Julian Eberhard im Sprint und der sechste im Massenstartrennen – das ist respektabel. Bedauerlich, das Eberhard in der Staffel die Nerven am Schießstand im Stich ließen, eine Medaille war in Griffweite. Die Damen haben noch einiges an Arbeit vor sich.

Bob

Medaillen gab es keine, doch die Vorstellungen von Benjamin Maier und seiner Mannschaft haben speziell im schweren Schlitten Freude gemacht – und Vorfreude auf die Zukunft. Sofern der finanzschwache Verband überhaupt eine Zukunft hat. Die Fusion mit den Rodlern scheint derzeit der einzige Ausweg aus dem Dilemma.

Curling

Zwar wird der Präzisionssport in Österreich seit den frühen 1950er-Jahren betrieben, zwar gibt es sieben Vereine, doch für eine Olympia-Qualifikation hat es noch nie gereicht. Immerhin hat ein Österreicher den Sport ins Programm der Winterspiele gebracht: Günther Hummelt war ab 1990 zehn Jahre Präsident des Weltverbandes, und 1998 gab es die Premiere im japanischen Nagano.

Eishockey

Bereits im Herbst 2016 waren die olympischen Träume des österreichischen Herren-Teams erledigt, als man im Qualifikationsturnier in Deutschland scheiterte. Kleiner Trost: Die Deutschen eliminierten nach schwacher Gruppenphase die Schweiz, Schweden und Kanada und mussten sich erst im Finale den Olympischen Athleten aus Russland in der Verlängerung geschlagen geben.

Eiskunstlauf

Fünf Bewerbe wurden in Gangneung ausgetragen, nur in einem waren Österreicher zu sehen. Die Paarläufer Miriam Ziegler und Severin Kiefer schafften es jedoch nach einem Sturz des Salzburgers nicht in die Kür der besten 16, somit bleibt Platz 20 als Enttäuschung.

Eisschnelllauf

Eine Verkühlung nach dem letzten vorolympischen Weltcup, danach noch eine Grippe – Vanessa Herzog war wahrlich nicht zu beneiden. Dennoch lief die Tirolerin zur Hochform auf, die Medaillenträume erfüllten sich zwar nicht, doch als Fünfte über 1000 und Vierte über 500 Meter bewies die 22-Jährige, dass ihr nicht mehr viel fehlt auf die absolute Weltspitze.

Den Massenstartbewerb musste sie auslassen, nachdem sie erneut Fieber bekommen hatte. Dafür sprang Olympia-Debütant Linus Heidegger, 22, in die Bresche – und überraschte als starker Sechster.

Nordische Kombination

Zwei Mal Bronze durch Lukas Klapfer im Wettkampf auf der Normalschanze und im Teambewerb waren fast schon mehr als man erwarten durfte nach dem bisherigen Saisonverlauf.

Entsprechend ausgiebig wurde danach gefeiert – und Routinier Bernhard Gruber begeisterte einmal mehr auch mit der Gitarre.

Rodeln

Kleiner Verband, große Erfolge: Nach David Gleirschers Gold-Coup fuhren die Kollegen befreit durchs Alpensia Sliding Center und ließen Silber durch die Doppelsitzer Peter Penz und Georg Fischler sowie Bronze im Teambewerb folgen. Madeleine Egle, 19, kam beim Olympia-Debüt auf Platz neun. Ergibt Rang 2 im Nationenranking.

Shorttrack

Siehe Curling. In acht Bewerben wurden Medaillen vergeben, Österreicher waren in Südkorea nicht dabei.

Skeleton

Das österreichische Team hatte eine Chance, und Janine Flock lag nach dem dritten Lauf auf Goldkurs – dann aber patzte die Tirolerin und rutschte noch am Podest vorbei auf den vierten Rang.

Ski alpin

Gold in Kombination und Riesenslalom für Marcel Hirscher, Gold im Super-G für Matthias Mayer, Silber für Anna Veith im Super-G und für das Team, dazu Slalom-Bronze für Katharina Gallhuber und Michael Matt – die Alpinen erwiesen sich einmal mehr als Medaillenbank. Österreich ist die internationale Nr. 1 in dieser Sparte.

Ein Rätsel bleibt freilich, weshalb sich so viele mit dem ungewöhnlichen Schnee so schwergetan haben, denn gerade der ÖSV betreibt einen enormen Aufwand in Sachen Material und Entwicklung. Dennoch schaffte es beispielsweise Marcel Hirscher nicht, im Slalom auf Touren zu kommen, im Gegenteil: "Es wurde eigentlich immer schlimmer."

Ebenfalls auffällig: Der Abstand im Riesenslalom, wenn man Marcel Hirscher und Stephanie Brunner außer Acht lässt.

Ski-Freestyle

Zehn Bewerbe, null Medaillen, mit Andreas Gohl als Achtem im Halfpipe-Bewerb nur eine gute Platzierung – da ist noch viel Luft nach oben.

Skilanglauf

Teresa hier, Stadlober dort: Hätte sich die Salzburgerin nicht im finalen 30-Kilometer-Bewerb verlaufen, sie hätte noch ein drittes Topresultat geholt. Denn nach Platz sieben im Skiathlon und dem neunten Rang über zehn Kilometer Freistil war sie am Schlusstag lange Zeit auf Tuchfühlung mit den Medaillenrängen. Ansonsten ist Österreichs Vorstellung im Langlauf ein Jahr vor der Heim-WM in Seefeld aber vor allem eines gewesen: ausbaufähig.

Skispringen

Nachdem sie schon den ganzen Winter über den Serienerfolgen der vergangenen Jahre hinterhergeflogen waren, bestätigten die österreichischen Adler auch in PyeongChang ihr Formtief. Nach Rang vier im Teambewerb mit fast 100 Punkten Rückstand auf Bronze zeigte sich, dass auch zwischenmenschlich einiges einiges im Argen liegt. Bei den Damen zeigte Daniela Iraschko-Stolz in erst fünften Bewerb nach ihrer langen Auszeit wegen Knieproblemen eine gute Leistung und wurde Sechste, auch Michael Hayböck sprang von der Großschanze auf diesen Rang.

Snowboard

Reihenweise Podestplätze hatten die heimischen Boarder vor den Spielen eingefahren, als es dann aber am Samstag um die Medaillen im Parallel-Riesenslalom ging, da zerstoben die großen Hoffnungen im Minutentakt. Acht ÖSV-Athleten waren angetreten, niemand kam über das Viertelfinale hinaus – eine Enttäuschung.

Der Slopestyle wurde vom Winde verweht, dafür revanchierte sich Anna Gasser im Big Air, behielt trotz einigen Drucks die Nerven und holte die ersehnte Goldmedaille. Die Crosser kämpften vor allem mit den riesigen Hindernissen, Markus Schairer landete gar mit einem Wirbelbruch im Spital.