Präsentation 2001: Hammer mit Schuller, Platzer und Harand

© DIENER/Georg Diener

Sport Wintersport
10/01/2021

Die Geschichte der Vienna Capitals begann auf einer weißen Wand

Seit 20 Jahren sorgen die Vienna Capitals für Schlagzeilen. Günther Hammer, der erste Manager des Klubs, über den langen Weg zur Gründung des Klubs

von Peter Karlik

Dezent erinnern die Vienna Capitals mit der Zahl 20 auf dem Trikot an ihr Jubiläum. Die 20. Saison konnte bekanntlich wegen der Pandemie nicht gebührend mit den Zuschauern gefeiert werden.

Was für die jüngeren Eishockey-Fans längst Normalität geworden ist, war 2001 eine Sensation. Nach dem Rückzug des damals politisch geführten WEV hatte es eine Saison lang kein Profi-Eishockey in Wien gegeben.

Das erste Spiel der Vienna Capitals am 20. September 2001 läutete eine neue Ära im Wiener Sport und im österreichischen Eishockey ein. Mit 4:9 ging die Premiere gegen die Black Wings Linz verloren. Gewonnen haben die Wiener dennoch. Denn die Begeisterung und die 4.000 Zuschauer in der damals noch kleinen Schultz-Halle sorgten für Euphorie in Wien.

Die Vorgeschichte

Im KURIER erzählt Gründungsmitglied Günther Hammer, wie schwierig es war, die Idee von einem komplett neuen Verein umzusetzen. „Beim EHC Fischerbräu haben wir in den unteren Ligen mehrmals Titel gewonnen und immer wieder Spieler geerbt, die nicht mehr in der Bundesliga spielen wollten, konnten oder durften. Vor allem, als es den CE Wien mit 14 Legionären gab. Da haben wir gesagt, dass wir für die vielen Österreicher, die übrig geblieben sind, etwas tun wollen.“

In seiner damaligen Wohnung gab es eine große weiße Wand. Gemeinsam mit Wiens Eishockey-Legende Kurt Harand wurden Ideen gesammelt. „Wir haben uns zusammengesetzt und begonnen, die Strategie für einen neuen Klub auf dieser Wand aufzuzeichnen.“

Dazu kam, dass die Anschütz-Gruppe, die Teams wie die LA Kings, LA Lakers, Berlin u. v. a. m. besitzt, in Wien investieren wollte. Hammer erinnert sich: „Aber nur mit der Voraussetzung, dass sie in Wien eine Multifunktionsarena bauen können.“ Eine solche gibt es sogar heute immer noch nur in Plänen.

Die Bedingung

„Ich bin nach London zu Europa-Manager Detlef Kornett geflogen. Wir haben Einblicke in die Entertainment-Gruppe bekommen. Aber sie haben gesagt, dass wir vorfühlen sollen, wie es in Wien mit einer Multifunktionsarena aussieht. Aber zeitnah, sprich 2003, 2004. Das war im Jahr 1999.“ Doch das war illusorisch, da Wien sonst die Stadthalle zusperren hätte müssen. Also floss zumindest Know-how nach Wien. „Sie haben uns beraten, wie wir es aufziehen sollen: also keinen Vorstand, keine Fans im Klub oder Mitglieder.“

An Bord war auch Martin Platzer, Ex-Teamspieler und Inhaber einer Marketingagentur. „Ich kann mich noch erinnern, dass Martin sehr sauer war und gesagt hat, dass er mit Hans Schmid schon einmal über das Projekt gesprochen hat. Wenn wir uns ordentlich benehmen, glaubte Martin Platzer, würde uns Hans Schmid unterstützen.“

Der Unternehmer stieg im zweiten Jahr ein und ist bis heute Präsident der Capitals.

Das nächste Kapitel war die Namensfindung: „Wir haben uns nach einem Tipp von der Anschütz-Gruppe überzeugen lassen, dass wir keinen Namen nehmen, den es schon mal gegeben hat. Also keine Buchstaben-Dreher und keine alte Geschichte. Komplett weg von den Farben, dynamisch und aggressiv. Ein lieber Freund, der Florian Rutter, ein Hobby-Eishockeyspieler aus Villach und ein Grafiker beim ORF, hat uns das Logo gezeichnet.“ Dann ging es schnell.

Danach kam der Klub-Aufbau: Kurt Harand als Sportdirektor, Günther Hammer als Manager, Martin Platzer für das Marketing, ein Anwalt und Hans Schuller für PR. „Wir wollten nur Leute, die damit Geld verdienen. Wir wollten uns von diesem Amateurwesen in Österreich distanzieren.“ Das habe der Konkurrenz in der damaligen UNIQA-Liga nicht gefallen.

Die Zweifel

Es gab aber immer noch ein Problem. „Wir haben uns im Novotel bei der Westeinfahrt getroffen und festgestellt, dass wir unterfinanziert sind. Da hat dann der Martin Platzer gesagt, dass wir nicht mehr zurückkönnen.“ Die Entscheidung, es durchzuziehen war gefallen. Zehn Wochen später gab es erste Spielerverhandlungen.

Das Kind war geboren. „Sie haben mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass wir von Angang an zum Bersten voll sind und immer an der Spitze mitspielen“, sagte Hammer. Da gab es dann die ersten Hinterfragungen, ob es denn wirklich richtig sei, dass eine Kapitalgesellschaft in Österreich Eishockey spielt.

Die Präsentation

Eingetragen wurde die GmbH bei Dr. Böhmdorfer in der Josefstädter Straße. „Alle Agenten und Spieler mussten Verschwiegenheitsklauseln unterschreiben. Präsentiert haben wir dann die Vienna Capitals im März 2001 während der Eishockey-WM. In der ganzen Stadt gab es 1.300 Werbebanner mit dem Slogan ‚das Eis wird brennen‘.“

Hammer selbst schied 2003 aus dem Klub aus, er bedruckt für viele Klubs im In- und Ausland Trikots. Vor der Pandemie waren es 21.000 Stück pro Jahr inklusive Fan-Leibchen, aber auch Fahnen für die Schifffahrt und politische Institutionen.

Der Kontakt zu Kurt Harand riss nie ab. Bei Partien „seines Kindes“ sieht man Hammer aber selten, außer wenn Teams spielen, die von ihm ausgestattet werden.

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