© APA/AFP/JONATHAN NACKSTRAND

Sport Wintersport
01/01/2022

Der Olympiacheck der österreichischen Wintersportler

Rodler, Skifahrer, Snowboarder – Österreichs Athleten überzeugten bislang im Olympiawinter. Die Spiele in Peking bleiben aber eine Unbekannte.

von Christoph Geiler

In gut einem Monat wird die Sportwelt gebannt auf ein Land blicken, das bislang auf der Wintersportlandkarte nur ein weißer Fleck war. Die Olympischen Winterspiele in Peking vom 4. bis 20. Februar werden in vielerlei Hinsicht speziell: Einerseits weil die meisten Athleten die hypermodernen Sportanlagen bisher nur vom Hörensagen kennen, andererseits weil diese Winterspiele ganz im Zeichen der Corona-Pandemie stehen.

Das bedeutet für die Teilnehmer: Strenge Sicherheitsvorkehrungen, tägliche Tests, ein Leben in der Blase, wenig Bewegungsfreiheit und keine Gelegenheit – wie sonst üblich bei Olympia – anderen Athleten bei ihren Wettkämpfen zuzusehen.

„Es wird keine Einzelzimmer geben, es wird niemand außerhalb des Olympischen Dorfs wohnen dürfen. Es wird nicht so sein, wie bei früheren Spielen“, prophezeit Peter Mennel, der Generalsekretär des Österreichischen Olympische Comités (ÖOC). „Unsere Sportler und Betreuer müssen diese Rahmenbedingungen ausblenden und sich auf den Sport konzentrieren.“

Qual der Wahl

Etwas mehr als 100 Sportler wird das ÖOC zu den Spielen nach China entsenden. Und die bisherigen Leistungen in diesem Olympia-Winter dürfen durchaus zuversichtlich stimmen, dass die Bilanz von Pyeongchang 2018 (mit 14 Medaillen) in Peking übertroffen wird. Quer durch alle olympischen Sparten haben Österreichs Athleten bereits Erfolge eingefahren (siehe unten).

Vor einer besonderen Herausforderung steht Andreas Puelacher, der Cheftrainer der heimischen Skiherren. 11 Läufer darf er für die Spiele nominieren, mit diesen 11 müssen sechs Disziplinen – in Peking gibt’s auch Medaillen in der Kombination und im Parallel-Teambewerb – besetzt werden. Schon jetzt hat er acht Podestläufer in seinen Reihen. „Die Aufstellung wird extrem schwierig.“

Der KURIER mit dem Überblick über Österreichs Wintersportler:

Im Eiskanal in der Erfolgsspur

2021 nahm ein gutes Ende für Janine Flock. Am Silvestertag feierte der Skeletonstar in Sigulda den ersten Saisonsieg und ließ damit alle Sorgen und Probleme hinter sich. Ein Bandscheibenvorfall hatte Flock zu Saisonbeginn stark zugesetzt, „inzwischen kann ich mein Krafttraining wieder voll durchziehen“, sagt die 32-Jährige.

Flock ist nicht die einzige Medaillenhoffnung für Peking. Im Eiskanal zählen Österreichs Sportler in diesem Winter quer über alle Disziplinen zu den Eiseiligen. War mit den Weltcupsiegen der männlichen Kunstbahnrodler  –    Routinier Wolfgang Kindl im Einsitzer, Thomas Steu/Lorenz Koller im Doppel – zu rechnen, so kam der Erfolgslauf von Madeleine Egle doch etwas überraschend. Die Tirolerin gewann als erste österreichische Rodlerin seit 1997 wieder ein Rennen – und das obendrein auch noch auf der Olympiabahn in Yanqing.

Auch im Bob darf man dank Benjamin Maier auf ein Ende der Durststrecke und die erste Olympiamedaille seit 1992 hoffen. Im Vierer ist der Tiroler Pilot Stammgast auf dem Podest.

Ein Ski-Winter wie damals

Die Seriensieger und Superstars mögen in diesem Winter noch andere sein, doch mannschaftlich präsentiert sich das ÖSV-Skiteam wieder in alter Stärke, wie die klare Führung im Nationencup (537 Punkte vor der Schweiz) beweist.

Vor allem die Leistungsdichte bei den Herren verspricht einiges für das Saisonhighlight in Peking. In dieser Saison  standen bereits acht unterschiedliche Läufer auf dem Podest, im Super-G von Bormio zeigte zuletzt Raphael Haaser mit Rang zwei auf. Für vier Stockerlplätze und einen Abfahrtssieg zeichnete Doppelolympiasieger Matthias Mayer verantwortlich, der sich wieder einmal in einem Olympiawinter in Hochform befindet. Vincent Kriechmayr fuhr dreimal auf das Podest, Manuel Feller kann zwei dritte Plätze vorweisen. Ein Fingerzeig Richtung Peking war der Doppelsieg von Christian Hirschbühl und Dominik Raschner im Parallelrennen in Zürs. Denn bei Olympia steht ein Teambewerb im Parallelformat auf dem Programm.

Die ÖSV-Damen können bislang vier Stockerlplätze vorweisen, Katharina Liensberger fuhr zuletzt im Slalom in Lienz auf den zweiten Rang und führte eine starke österreichische Mannschaft an.

Für die Highlights aus heimischer Sicht war Mirjam Puchner verantwortlich. Die  Speedspezialistin, die einen langen Leidensweg hinter sich hat, schaffte es dreimal in die Top 3.

Olympische Ausfälle und Wackelkandidaten

Eigentlich wollte Vanessa Herzog in der nächsten Woche  in Heerenveen richtig durchstarten. Denn die EM ist für die Eisschnellläufer die Generalprobe für die Winterspiele in Peking. Doch die Weltmeisterin von 2019 (500 Meter) musste all ihre Pläne auf Eis legen. Zwei Bandscheibenvorfälle haben die 26-Jährige aus der Bahn geworfen, Herzog versucht alles, um in Peking konkurrenzfähig zu sein und sich ihren Medaillentraum zu erfüllen. 2018 war sie  bei Olympia Vierte geworden.

Während Herzog in dieser Saison zumindest  schon Wettkämpfe bestritten hat, hängt Ski-Star Nina Ortlieb nach einer schweren Knieverletzung noch in der Warteschleife. Im Kampf um die Rückkehr auf die Piste griff die  letzte  ÖSV-Siegerin eines Speedrennens (Super-G in La Thuile, 2019) zu einer unkonventionellen Methode: Ortlieb trainierte wochenlang auf einem Skisimulator.

Für zwei andere Medaillenhoffnungen haben sich die Spiele schon erledigt: Slalomvizeweltmeister Adrian Pertl und Roland Leitinger, Riesentorlauf-Zweiter in Sölden, verpassen mit Knieverletzungen Olympia.

Siege auf dem Brett und mit dem Gewehr

Roswitha Stadlober war erst wenige Tage im Amt, da konnte die neue Verbandspräsidentin auch schon den ersten Weltcuperfolg eines ÖSV-Sportlers bejubeln. Freeskier Matej Svancer, ein eingebürgerter Tscheche, gewann bei seinem ersten Start als Österreicher den Big-Air-Weltcup in Chur. Und in dieser Tonart sollte es für den Österreichischen Skiverband disziplinenübergreifend weitergehen.

Der 17-jährige Svancer gewann auch den zweiten Weltcup und sicherte sich damit genauso die Gesamtwertung im Big Air wie die amtierende Olympiasiegerin Anna Gasser bei den Snowboardern. Eine Kristallkugel wird es für sie heuer allerdings nicht geben, dafür wären mindestens drei Bewerbe notwendig gewesen.

Die Österreicher, denen das Brettl die Welt bedeutet, präsentieren sich in dieser Saison aber allgemein stark. Im Boardercross gab es in den ersten drei Saisonrennen mit Alessandro Hämmerle (u. a. bei  der Olympia-Generalprobe in China) und Jakob Dusek nur ÖSV-Sieger. Bei den Alpinboardern ließ Routinier Andreas Prommegger (41) beim Parallel-Weltcup in Russland die Konkurrenz einmal mehr alt aussehen.

Auch im Lager der österreichischen Biathleten wurde in diesem Winter bereits ein Schützenfest gefeiert: Weltmeisterin Lisa Theresa Hauser schloss  an die starken Auftritte der Vorsaison an und gewann schon ein Rennen. Dazu durfte die Tirolerin erstmals das Gelbe Trikot der Weltcupleaderin tragen.

Die Nordischen Kombinierer warten derweil zwar noch auf den ersten Saisonsieg, Jungstar Johannes Lamparter war mit drei zweiten Plätzen aber schon  knapp dran am  Premierenerfolg. Dass der 20-Jährige ein Mann für Großereignisse ist, hat er bei der WM in Oberstdorf bewiesen, wo er zwei Mal Gold gewann.

Skispringen Weltcup

Frau Kramer überflügelt ihre Kollegen

Möglicherweise blicken Stefan Kraft und seine Kollegen gerade neidisch und ehrfürchtig auf Sara Marita Kramer.  Denn die 20-jährige Salzburgerin befindet sich  schon seit längerer Zeit in dem Zustand, den jeder Skispringer anstrebt: Sie hat einen Flow.

Mit ihren Seriensiegen im Jahr 2021 gelang der Pinzgauerin der Sprung in die Top 5 der Bestenliste im Frauen-Skispringen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie Daniela Iraschko-Stolz (16 Siege) als österreichische Nummer eins abgelöst hat.

Stefan Kraft war einst einmal ähnlich dominant wie seine junge Landsfrau. Der zweifache Gesamtweltcupsieger kämpft in dieser Saison aber wie all seine Kollegen mit den Launen seiner Sportart.

Ernüchterung Wie schmal der Grat zwischen Höhenflug und Absturz ist, zeigte sich in Klingenthal, wo Stefan Kraft 24 Stunden nach seinem Weltcupsieg nur 26. wurde.

Immerhin haben die Österreicher dank Kraft und Jan Hörl in dieser Saison schon zwei Siege feiern dürfen und damit um zwei mehr als im vergangenen Winter. Der Auftakt in die 70. Tournee  sorgte dann allerdings  für große Ernüchterung im Lager der österreichischen Skispringer.

Nach dem Bewerb in Oberstdorf, wo Daniel Huber als Achter den Totalabsturz verhindert hatte, war für den ÖSV der Zug Richtung Gesamtwertung schon vor dem Neujahrsspringen (14 Uhr) abgefahren.

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