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Sport Tennis
01/15/2022

Der Fall Djokovic: Die Chronologie im Theater des Wahnsinns

Die Nummer eins im Tennis war der Hauptdarsteller eines unerfreulichen Schauspiels, das nicht nur die Sportwelt bewegte.

von Harald Ottawa, Günther Pavlovics

Bevor es bei den Australian Open Spiel, Satz und Sieg heißt, wird das alles andere als sportliche Vorspiel beendet sein. Denn nach Mitternacht mitteleuropäischer Zeit wird der letzte Vorhang in der Posse rund um Novak Djokovic fallen. Um 9.30 Uhr Ortszeit begann seine Anhörung vor einem Bundesgericht.

Der serbische Tennisspieler wurde bis zur Entscheidung wieder in ein Abschiebehotel gebracht. Australien hatte ihm zuvor das Visum zum zweiten Mal entzogen mit dem Argument, der Aufenthalt des ungeimpften Tennisspielers im Land könne eine „Anti-Impf-Stimmung fördern“. Die Aufhebung von Djokovics Visum hatte Einwanderungsminister Alex Hawke mit „Gründen der Gesundheit und der öffentlichen Ordnung“ gerechtfertigt. Die Causa spaltete nicht nur die Sport-Welt. In seiner Heimat Serbien wurde er zum Märtyrer stilisiert. Dort versteht man gar keinen Spaß bei Karikaturen das Weltranglisten-Ersten.

Scharfe Kritik

Gleich mehrere Zeichnungen zu dem Thema hat das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo veröffentlicht. Und das Blatt, auf das im Januar 2015 ein Terror-Anschlag verübt worden war, wird dafür in Serbien ebenfalls harsch kritisiert. Auf den Charlie-Hebdo-Darstellungen ist Djokovic beispielsweise dargestellt, wie er samt Racket am Grab mit einem Sarg für einen Ungeimpften steht. Dazu die Überschrift: „Gebt Djokovic den Tennisplatz, den er verdient.“ Die serbische Zeitung Informer sieht in Karikaturen in australischen Medien den Beweis für die „Lynchstimmung“, die in Australien nun vorherrsche.

Die Chronologie eines Theaters, das immer mehr zum Dilemma wurde:

18. November

Das australische Gesundheitsministerium betont, dass ungeimpfte, aber genesene Personen einreisen dürfen. Die australische Staatsregierung sagt Djokovic ein temporäres Visum zur Einreise zu. Obwohl das Gesetz besagt, dass die Einreise für Genesene nur für eigene Staatsbürger gilt.

14. Dezember

Djokovic ist Zuschauer des Basketball-Spiels zwischen Roter Stern Belgrad und Barcelona. Nach der Partie werden etliche Personen positiv auf Corona getestet. Djokovic erhält am 16. Dezember vom serbischen Gesundheitsministerium einen positiven PCR-Test, nimmt aber am selben Tag, am 17. und auch am 18. öffentliche Auftritte wahr.

30. Dezember

Djokovic erhält zwei Ausnahmegenehmigungen, eine davon vom Medizin-Chef des australischen Tennisverbandes, eine vom Bundesstaat Victoria, aber keine vom Staat Australien, wie danach ein Flughafen-Protokoll beweist.

 

4. Jänner

Djokovic postet ein Foto von sich vor dem Abflug bei Instagram und erklärt, er habe eine Ausnahmegenehmigung. Wut und Empörung machen sich bei der australischen Bevölkerung breit, die insgesamt 256 Tage im Lockdown verbracht hatte.

5. Jänner

Djokovic reist nach Australien. Er wird nach seiner Landung in Melbourne für acht Stunden am Flughafen von der Grenzbehörde befragt, da seine medizinischen Unterlagen nicht ausreichen. Schließlich wird Djokovic das Visum wieder entzogen und der Serbe in ein Abschiebehotel gebracht. Die Regierung in Victoria zieht die Unterstützung des Visa-Gesuchs schon vor der Landung zurück. Innenministerin Karen Andrews betont, dass es keine Sonderbehandlung für Tennisspieler gebe.

6. Jänner

Auf einer bemerkenswerten Pressekonferenz in Belgrad wird Djokovics Vater martialisch. „Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns“, sagt Srdjan Djokovic. „Jetzt versuchen sie, Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen.“

7. Jänner

Premierminister Scott Morrison nutzt die aufgeheizte Stimmung und sagt über Djokovic: „Niemand steht über dem Gesetz, und wenn er keine entsprechenden Unterlagen hat, sitzt er im nächsten Flieger nach Hause.“

 

10. Jänner

Ein Gericht in Melbourne gibt Djokovics Einspruch statt und lässt ihn einreisen. Er darf sich frei bewegen und startet augenscheinlich gut gelaunt mit dem Training.

11. Jänner

Es wird bekannt, dass Djokovic in seinem Einreiseformular angegeben hat, er sei in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien nicht gereist. Die Posts des Tennisstars in den Sozialen Medien und Berichte weisen aber darauf hin, dass sich der in Monaco lebende Djokovic in dem Zeitraum erst in Belgrad und dann in Spanien aufhielt, von wo er Richtung Melbourne abhob.

12. Jänner

Djokovic räumte unter Druck der australischen Behörden „Fehler“ bei seinen Einreise-Angaben und im Verhalten nach einer angeblichen Corona-Infektion ein.

 

14. Jänner

Die australische Regierung senkt den Daumen, Djokovics Visum ist wieder entzogen worden.

15. Jänner

Djokovic wurde wieder ins Abschiebehotel gebracht. Für Sonntagmorgen (Ortszeit) war eine Anhörung vor Gericht geplant. Das Bundesgericht (Federal Court of Australia) soll Klarheit schaffen, ob Djokovic bleiben und ab Montag an den Australian Open teilnehmen darf oder wieder ausreisen muss.

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