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Sport Fußball
07/01/2020

Warum Rapid Zweiter werden kann, aber Dritter werden sollte

Der LASK hat vier Minuspunkte akzeptiert. Um Platz 2 geht es gegen Rapidler, die lieber Dritter werden würden (und Rang 4 fürchten)

von Alexander Huber

Es geht nicht um vier Punkte, sondern um drei. Klingt selbstverständlich, ist es nach den Aufregern dieses Fußball-Frühjahrs aber keineswegs. Vor dem Spiel Rapid – LASK (20.30 Uhr) war zu befürchten, dass unabhängig vom Ausgang des Spitzenspiels die Frage nach dem Vizemeister offenbleibt. Vielleicht sogar bis in den August hinein.

Denn der LASK hatte angekündigt, die vier Minuspunkte für Corona-Verstöße noch beim Neutralen Schiedsgericht zu bekämpfen. Acht Tage, nachdem das Protestkomitee die Strafe von sechs auf vier Zähler reduziert (und noch immer kein schriftliches Urteil verschickt) hat, wird die Kehrtwende verkündet: „Wir akzeptieren die Strafe, weil wir die Liga nicht ins Chaos stürzen wollen“, meint LASK-Präsident Siegmund Gruber.

Damit steht fest: Der Dreikampf um die Plätze hinter Salzburg wird zwischen Rapid (35 Punkte), LASK (33) und dem WAC (31) nicht auf dem Grünen Tisch, sondern auf dem grünen Rasen entschieden.

Kuriose Situation

Kurios bleibt es dennoch. Denn die von der Corona-Krise gebeutelten Rapidler würden aus finanziellen Gründen auf den Vizemeistertitel verzichten. Zur Saison, in der aktuell mehr Punkte geholt wurden als im Meisterjahr 2008, sagt Zoran Barisic: „Bislang ist unsere Saison richtig, richtig gut. Note: Sehr gut! Und wir streben nach dem Höchsten, wollen mit einem Sieg Platz zwei fixieren. Das ist Rapid, das ist unsere Mentalität.“ Allerdings erklärt der Sportdirektor auch: „Ehrlich gesagt, ist Platz 3 für uns besser, weil die Planung leichter wird.“

Gemeint ist der von der UEFA vorgegebenen Europacup-Pfad für Österreich als Nr. 12 im Fünfjahresranking.

Für den Vizemeister könnte der Europacup-Herbst nach nur zwei (Auswärts-)Spielen vorbei sein. Der Dritte startet hingegen im Oktober fix in die lukrative Gruppenphase der Europa League. Nur wenn der Zweite am 25./26. August das Entscheidungsspiel gegen einen anderen Vizemeister (z. B. aus Griechenland) gewinnt, ist die Teilnahme an einer Gruppenphase garantiert.

Entscheidungsspiele

Nach einer Niederlage würde es in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League weitergehen, erneut in einer Entscheidungspartie. Das Heimrecht wird jeweils gelost.

Der LASK hat nach den Europacup-Erfolgen den finanziellen Polster und das Selbstvertrauen, um als Zweiter den „gefährlichen“ Weg zum Jackpot der Champions-League-Millionen zu beschreiten.

Den sowohl wirtschaftlich als auch als Team wackliger aufgestellten Hütteldorfern würden die Garantien des dritten Platzes hingegen guttun.

WAC im Rennen

Da aber auch der WAC mitmischt, gibt es kein Ergebnis, dass im Schlager die „richtige“ Endabrechnung garantiert. „Ich weiß nicht, wie wir auf Platz 3 hinspielen könnten“, rechnet Didi Kühbauer vor. „Abgesehen davon, dass es schlimm wäre, wenn ich als Rapid-Trainer nicht den vollen Erfolg will.“

Wenn die Wolfsberger sowohl Hartberg, als auch am Sonntag zu Hause Rapid schlagen, könnte der WAC Zweiter werden.

Für den LASK (letzte Runde gegen Salzburg) wäre der finale Absturz auf Rang vier nach einer Rekordsaison (13 Auswärtssiege sind Bundesliga-Spitze) besonders bitter.

Überlebenskampf

Für die Wiener könnte der vierte Platz mit dem damit verbundenen langen Weg durch die Europa-League-Quali sogar existenzbedrohend werden. Nach der Hiobsbotschaft der Regierung, ab 1. September maximal 10.000 Zuschauer ins Stadion zu lassen, betont Barisic: „Der Kampf ums Überleben des Vereins ist noch nicht zu Ende.“