Präziser Blick: Zoran Barisic ist von der Entwicklung bei Rapid begeistert, predigt aber Demut

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Sport Fußball
06/21/2020

Rapid-Sportchef Barisic: "Mir geht die Entwicklung zu schnell"

Ein Sieg fehlt für Europa: Zoran Barisic spricht über die Entwicklung von Rapid, "die kuriose Situation" als Zweiter und Yusuf Demir.

von Alexander Huber

So früh wie schon lange nicht kann Rapid das ausgegebene Saisonziel erreichen: Ein Heimsieg gegen Hartberg (17 Uhr) und die Hütteldorfer wären fix im Europacup. Weder Hartberg, noch Sturm könnte Rapid dann in den verbleibenden vier Runden aus den Top-4 verdrängen.

„Wenn ich zurückdenke, was wir uns vor einem Jahr vorgenommen haben, bin ich extrem zufrieden, wie wir uns entwickelt haben und wo wir jetzt stehen“, erklärt Zoran Barisic im KURIER-Gespräch. Die frühzeitige Europacup-Qualifikation würde dem Sportdirektor die Zukunftsplanung erleichtern.

Doch der 50-Jährige seufzt: „Es ist heuer wirklich nicht einfach, weil trotzdem so viele offene Fragen bestehen bleiben. Uns fehlt die Planungssicherheit.“

Offene Fragen

Die größten Fragezeichen: Wann dürfen wieder Zuschauer ins Stadion und, wie viele? Wie viel vom Corona-Schaden in Millionenhöhe wird die Regierung ausgleichen? „Und dann kommt noch unsere kuriose Situation dazu: Was passiert, wenn wir Zweiter werden?“

Barisic meint damit das Europacup-Paradoxon für Österreichs Liga: Während der Dritte fix in der Gruppenphase der Europa League dabei ist, hat der Vizemeister zwar eine (kleine) Chance auf die Champions League, könnte aber auch zwischen allen internationalen Stühlen landen.

„Wenn es ganz blöd läuft, haben wir als Zweiter kein Heimspiel, verlieren auswärts zwei Mal und sind raus. Als Dritter hast du die Millionen fix und kannst in Ruhe fürs erste Gruppenspiel im Oktober planen. Das finde ich komisch“, meint Barisic zum Corona-Spielplan der UEFA.

Erfolg statt Sicherheit

Eines kann der Wiener ausschließen: „Dass wir absichtlich ausschütten, um Dritter zu werden. Wir streben nach dem größtmöglichen Erfolg. Am liebsten wollen wir also alle fünf Spiele gewinnen.“

Das M-Wort

Dann könnte Rapid sogar noch Meister werden. Doch so wie in seiner Trainerzeit weigert sich Barisic, das M-Wort in den Mund zu nehmen. „Noch“, sagt Barisic und lacht.

„Ich weiß, dass unsere Fans zu träumen beginnen, aber vor dem Duell mit Salzburg ist es nicht an der Zeit, über eine theoretische Titel-Chance zu sprechen.“

Zoran Barisic

Wie immer predigt Barisic Demut: „Wir müssen bescheiden bleiben. Mir geht die Entwicklung zu schnell. Man darf nicht vergessen, dass wir gegen den LASK und WAC auch Glück hatten. Es gibt von mir das größte Kompliment an das Trainerteam und die Spieler, wie sie trotz der Ausfälle so ein traumhaftes Teamgefüge geschaffen haben. Aber die Fans bitte ich: Lasst die Erwartungshaltung nicht zu schnell wachsen!“

Ärger wegen Demir

Gegen Hartberg steht das Startelf-Debüt an Yusuf Demir an. Dass bereits davor über einen Millionentransfer des 17-Jährigen spekuliert wurde, verärgert Barisic: „Das schmeckt mir gar nicht. Wir planen mit ihm und es liegt jetzt auch kein konkretes Angebot am Tisch.“

Zum „Heute“-Bericht über einen Abgang um zehn Millionen betont der Sportchef: „Er ist ein großartiger Junge. Ich kann ausschließen, dass das von Yusuf persönlich lanciert wurde, um einen möglichen Wechsel voranzutreiben.“