Historischer Jubel: Christoph Baumgartner trifft gegen die Ukraine

© APA/AFP/POOL/DANIEL MIHAILESCU

Porträt
06/23/2021

Christoph Baumgartner: Österreichs EM-Goldtorschütze hat es eilig

Der 21-jährige Horner vereint Sprungkraft mit Bodenhaftung. In seiner Karriere scheint es nur einen Weg zu geben: Nach oben.

von Alexander Huber

Einhundertachtzig Zentimeter gelten im Fußball bestenfalls als durchschnittliche Länge. Christoph Baumgartner, der exakt 1,80 Meter groß ist, gilt dennoch als kopfballstark. Mit enormer Sprungkraft und gutem Timing kann sich der Dribblanski auch in der Luft gegen wesentlich größere Konkurrenten durchsetzen.

Deswegen wird der Techniker bei Eckbällen in zentralen Positionen aufgeboten. So wie bei seinem Goldtor zum 1:0. Aber auch so wie bei seinem Zusammenstoß knapp davor bei einem Corner der Ukraine.

Darf ein Spieler, der am Kopf getroffen wurde, weitermachen? Mehrere Experten meinen, dass die Teamärzte be- und getroffene Spieler sofort austauschen lassen sollten. Das Risiko von Langzeitschäden wäre zu groß.

So gesehen hätte Baumgartner nicht mehr das historische Tor schießen können: Der 21-Jährige hat nicht nur den erstmaligen Aufstieg in ein EM-Achtelfinale und das erste K.o.-Spiel seit 1954 fixiert, sondern ist ab sofort auch Österreichs jüngster EM-Turniertorschütze.

Gegen Italien wieder dabei

Der Horner erzählte danach von einem „Brummschädel“, betonte aber auch, „dass der Druck im Kopf erst nach dem Tor stärker geworden“ sei. Schließlich kam in Minute 32 Schöpf als Ersatz. Am Dienstag ging es Baumgartner schon wesentlich besser, er wird im Achtelfinale gegen Italien Teamchef Foda zur Verfügung stehen.

Selten emotional

Es ist kein Zufall, dass Christoph Baumgartner wieder einmal einen Kicker-Rekord aufgestellt hat. Der junge Mann hatte es immer schon eilig – und wirkt dabei doch so abgeklärt. Sein Siegerinterview, als er „nach dem ganzen Corona-Dreck“ Österreich zur kollektiven Party aufrief, darf als emotionaler Ausreißer verbucht werden.

Baumgartners Aufstieg im – eh klar – Schnell-Durchlauf: Nach dem Start mit Bruder Dominik (heute beim WAC) in Horn, wo Vater Alfons im Nachwuchs tätig war, übersiedelt der Spielmacher in die Akademie St. Pölten.

Die Scouts von Hoffenheim würden ihn am liebsten gleich mitnehmen. Doch „Baumi“ will als Absicherung im BORGL St. Pölten maturieren. Was tun? „Ich habe mir immer einfach getan in der Schule, hab’ einen Sommer mehr gelernt und eine Klasse übersprungen.“

Hoffenheim muss deshalb nur ein (Schul-)Jahr warten, dann geht’s wieder flott.

Profi-Coach Julian Nagelsmann sieht der U-19 oft zu und drängt auf einen baldigen Profivertrag. Bereits im Jänner 2019 holt „Julian“, wie Baumgartner den künftigen Bayern-Trainer nennen durfte, zu den Profis.

Wenig Rückschläge

Vereinzelte Rückschläge – wie die (erste und einzige) Gelb-rote-Karte, die Hoffenheim in letzter Runde die Europacup-Quali kosten sollte – werden schnell weggesteckt: „Das tat weh, aber ich habe daraus gelernt.“

Genauso wie aus dem verschossenen Elfer als Joker gegen Dänemark bei der U-21-EM in Italien im Juni 2019.

U-21-Teamchef Werner Gregoritsch hatte den damals 19-Jährigen als zweitjüngsten Spieler mitgenommen und prophezeit: „Er ist der kompletteste Spieler mit der größten Spielintelligenz. Er kann ein Großer werden, ist immer am Boden.“

Bereits zuvor lobte Ex-ÖFB-Trainer Andreas Heraf: „Christoph war der Beste, mit dem ich jemals gearbeitet habe.“

Unterwegs mit Rapid-Kandidat

„Der Beste“ war Baumgartner laut seinen damaligen Mitspieler Jonas Auer auch schon in der Akademie. „Aber immer freundlich und bodenständig. Der Baumi hat mich oft zum Training mitgenommen“, erzählt der U-21-Teamspieler, der bald bei Rapid landen könnte.

Lockrufe aus England

Beim Aufsteiger klopfen schon die ganz Großen an, so wie Liverpool oder Manchester United. Der Vertrag bei Hoffenheim wurde erst bis 2025 verlängert, über die Ausstiegsklausel wird öffentlich nicht gesprochen.

Baumgartner will es Klubkollege Florian Grillitsch, der ebenfalls in St. Pölten ausgebildet wurde und Thomas Böhm zum Manager hat, nachmachen: Lieber ein Transfer weniger, dafür der richtige.

Christoph Baumgartner wirkte schon vor dreieinhalb Jahren bei einem KURIER-Interview wie ein Frühreifer mit Bodenhaftung.

„Ich hätte erst Großes erreicht, wenn ich Stammspieler in Hoffenheim bin und auch im Nationalteam spiele.“

Diese Ziele waren – natürlich – schneller erreicht als gedacht. Es wird Zeit für neue Ziele. Aber flott.

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