Euro 2020 - Group C - Austria v North Macedonia

© Pool via REUTERS / DANIEL MIHAILESCU

Sport Fußball
06/15/2021

KURIER-Analyse: Die Tops und Flops nach Österreichs EM-Auftaktsieg

Vieles war gut beim Auftaktsieg gegen Nordmazedonien, aber nicht alles. Vor allem Bruder Leichtfuß war zu oft mit Franco Fodas Team im Bunde.

von Alexander Strecha, Christoph Geiler

Es war eine kurze Nacht für die österreichische Nationalmannschaft, aber die Müdigkeit war den Spielern nicht anzumerken. Bei der ersten Trainingseinheit nach dem 3:1-Auftaktsieg gegen Nordmazedonien lief in Seefeld der Schmäh, und überall waren nur zufriedene und erleichterte Gesichter auszumachen. Die Stimmung beim Hinflug nach Bukarest sei eine andere gewesen als bei der Heimreise, erzählt ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel, dem klar ist: „Das war das Schlüsselspiel. Die Mannschaft hat dem Druck standgehalten. Jetzt ist auch mehr Ruhe zum Arbeiten.“

Achtelfinal-Rechnung

Ist Österreich damit schon weiter? Europameister Portugal reichten 2016 drei Punkte und ein ausgeglichenes Torverhältnis, um ins Achtelfinale einzuziehen. Nimmt man das als Anhaltspunkt, dann könnte sich die ÖFB-Elf gegen die Niederlande und die Ukraine zwei 0:1-Niederlagen leisten. Mit einem Remis und vier Punkten ist das Weiterkommen gewiss.

Während die Teamspieler am Montag in Seefeld regenerierten, betrieben auch die österreichischen Fans in Bukarest Körperpflege. Mit Unmengen an Kaffee versuchten sie, das Bier vom Vortag aus den Blutbahnen zu verdrängen. Man sah in viele geschwollene Augen, sicher der Freudentränen wegen. Generell schienen alle glücklich darüber, Augenzeugen des ersten EM-Sieges von Österreich gewesen zu sein. Aber nicht wenige verwiesen auch darauf, dass nicht alles rund lief beim Auftaktspiel.

Der KURIER fasst die positiven wie auch negativen Eindrücke nach dem ersten EM-Spiel zusammen.

Positive Eindrücke

  • Fodas Risiko

„Wäre es nicht aufgegangen, müsste ich jetzt ganz andere Fragen beantworten“, meinte ein erleichterter Teamchef Franco Foda nach dem Spiel. Nicht zu Unrecht, denn er ging mit der taktischen Formation deswegen ein Risiko ein, weil man diese Konstellation davor nie in einem Pflichtspiel einem Härtetest unterzogen hatte.

Tage zuvor hatte er David Alaba in die Pläne eingeweiht, ihn als Abwehrchef zu positionieren. Der Rest der Mannschaft erfuhr von dieser Aufstellung erst am Spieltag, wie Laimer, Ulmer und Schlager bestätigten. Eine nicht ganz gewöhnliche Vorgehensweise. Letztlich wurde Herrn Fodas Mut zum Risiko belohnt.

Übrigens trat er damit in die Fußstapfen seiner Vorgänger: Josef Hickersberger überraschte zum Auftakt der EURO 2008 gegen Kroatien mit einem davor nicht erprobten 3-5-2, auch Marcel Koller schwenkte im finalen Gruppenspiel 2016 gegen Island zur Überraschung vieler auf eine Dreier-Abwehr um.

  • Marcel Sabitzer

In diesem Spiel wurde er seinem Anspruch als Führungsspieler mehr als gerecht. Von Beginn an verriet seine Körpersprache, dass er Entscheidendes bewirken möchte, was ihm mit dem Traumassist zum 1:0 auch gelang. Stets anspielbar, viel zwischen den gegnerischen Linien unterwegs, immer mit dem Drang nach vorne und auch mit wichtigen Läufen nach hinten, um zu retten.

  • Die Joker

Des Trainerherz hüpft meterhoch, wenn seine zwei ausgespielten Joker dermaßen stechen wie Gregoritsch und Arnautovic. Sie ersetzten die unglücklich agierenden Baumgartner und Kalajdzic und belebten in der letzten halben Stunde deutlich das Spiel in die Offensive – und sorgten so ganz nebenbei mit ihren Toren für den Sieg. „Man hat gesehen, dass der Teamchef Optionen auf der Bank hat. Die haben den Unterschied gemacht“, sagt Peter Schöttel.

Negative Eindrücke

  • Leichtsinnige Fehler

Hintereggers lässiges Abschlagen mit dem Außenrist und Goalie Bachmanns Unachtsamkeit, als er den schon fixierten Ball wieder ausließ, waren zwei Beispiele für Unachtsamkeiten, die mit dem 1:1 auch schmerzhafte Folgen hatten.

Im Spiel nach vorne fehlte oft die Präzision. Laimer und Schlager, kämpferisch und läuferisch überzeugend, verschenkten zu leicht Bälle, wenngleich sich Laimer in Folge deutlich steigerte. Baumgartner dribbelte sich oft in Gegenspieler hinein, Kalajdzic konnte nicht wie gewohnt Bälle verteidigen und verteilen. Unterm Strich handelte es sich um Ballverluste, die das eigene Offensivspiel ins Stocken und den Gegner in vielversprechende Kontersituationen brachten.

  • Spielerische Probleme

„Laufen und verteidigen kann jedes Team. Es ist nicht neu, dass es gegen so tief stehende Gegner schwer ist“, meinte Konrad Laimer nach dem Spiel. Xaver Schlager pflichtete ihm bei. „Wenn du gegen eine Mannschaft spielst, wo jeder einen Sieg erwartet, ist das keine leichte Sache, weil der Druck steigt.“

Natürlich verdichteten die Mazedonier vor ihrem Tor dermaßen die Räume, dass Österreich lange Zeit vergeblich das spielerische Durchkommen suchte. Umgekehrt wirkten phasenweise aber auch Laufwege und Positionierungen unkoordiniert, weshalb in der Zeit- und Raumnot Fehler entstanden.

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