Group C Austria vs North Macedonia

© EPA / Robert Ghement / POOL

Sport Fußball
06/14/2021

Plötzlich Abwehrchef: Warum Alaba beim ÖFB-Sieg groß aufspielte

Alaba zierte sich lange, im ÖFB-Team in der Defensive zu spielen, aber als Abwehrchef gegen Nordmazedonien lieferte er eines seiner besten Spiele ab.

von Alexander Strecha, Christoph Geiler

David Alaba spielte in den Nachwuchsteams im defensiven Mittelfeld mit offensivem Drang. Der Wiener ging mit 16 zu den Bayern, die ihn zum einem der besten Linksverteidiger des Kontinents entwickelten, vor allem im Zusammenspiel mit Franck Ribéry. Trainer Pep Guardiola ließ ihn links in einer Dreierkette spielen. Hansi Flick ließ die Idee vom Innenverteidiger David Alaba aufleben, der auf dieser Position ebenfalls Europaklasse zeigte.

Eines aber wollte Alaba in seiner Karriere bislang nicht – eine dieser beiden Position im Nationalteam spielen. Marcel Koller scheiterte an der Zähmung des Widerspenstigen, auch unter Franco Foda schien der 28-Jährige resistent auf das Virus der Teamdefensive zu sein. Und so schien die Story über die Positionierung von Alaba ein weiteres Kapitel zu bekommen. Im Nationalteam blieb seine Position diffus, auch, weil er stets ins Mittelfeld drängte, um mehr Einfluss in der Spielgestaltung zu erlangen.

Realer Innenverteidiger

Wo Alaba auf dem Platz hingehört, ist aber nicht nur österreichische Nabelschau. Sie beschäftigt europaweit, besonders in Deutschland und neuerdings in Spanien. ARD-Experte Thomas Broich, der für Köln, Gladbach und Nürnberg in der deutschen Bundesliga spielte, sah am Sonntag die Position David Alabas lange Zeit kritisch. „Alaba ist in dieser Rolle verschenkt“, monierte er. Der Taktik-Experte hätte den Kapitän lieber weiter vorne gesehen.

Die Real-Experten der Madrider Sport-Tageszeitung Marca erwarten Alaba zu „80 Prozent in der Innenverteidigung“. Aber: „Wenn Sergio Ramos und Varane bleiben, kann es sein, dass Alaba im Mittelfeld spielt“, sagt Juan Castro. Dort wird es aber eng, weil die Konkurrenz Casemiro, Toni Kroos und Luka Modric heißt.

Die Rolle als Abwehrchef füllte Alaba gegen Nordmazedonien sehr gut aus. 96 Pässe, von denen 94 Prozent an den Mann kamen – da ist er in der Statistik des Turniers ganz weit vorne. Franco Foda verriet, dass er seine Überlegungen mit dem Star vor Tagen besprochen hatte. Nach dem Spiel gab es Lob: „Ich war mit ihm über 90 Minuten sehr, sehr zufrieden. Er hat die Abwehr gut organisiert, er hat viel gesprochen mit seinen Nebenleuten, mit seinen Vorderleuten. Das war auch wichtig im Coaching. Darüber hinaus hat er auch in der zweiten Halbzeit unser Spiel nach vorne entwickelt.“

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Offensiver im Team

Denn die entscheidenden Tore gelangen Österreich in Bukarest erst, als sich Alaba vermehrt in die Offensive eingeschaltet hatte. Ein Indiz, dass der Real-Spieler künftig wieder eine offensivere Rolle einnehmen wird? Ob das die Position sei, auf der er dem ÖFB-Team auch in Zukunft am meisten helfen könne? „Das wird sich zeigen.“

ÖFB Sportdirektor Peter Schöttel sagt: „Der Teamchef hatte das schon seit längerer Zeit im Hinterkopf. Weil es ja auch eine Position ist und auch für die nächsten Jahre sein kann, wo David Alaba alle seine Stärken gepaart mit seiner Erfahrung ausspielen kann. Das ist natürlich auch eine schöne Geschichte, dass es so funktioniert hat.“

Der langjährige Bayern-München-Akteur hat in seinen 82 Teamspielen schon fast jede Rolle erfüllt. Teamchef Didi Constantini brachte den Youngster als Linksverteidiger. Aber schon bald stellte er ihn ins Mittelfeld – defensiv wie offensiv, auf links und rechts sowie zentral. Bei Marcel Koller lief Alaba meist im zentralen Mittelfeld. Unter Foda spielte er zuletzt oft im linken Mittelfeld. „Er ist ein Topspieler und kann auf allen Positionen Topleistungen abrufen“, sagt Foda. Die neue Rolle im Abwehrzentrum sei für Alaba „überhaupt kein Problem“ gewesen. „Unsere Intention war, dass wir von dort gegen zwei Stürmer einfach besser im Spielaufbau sind.“ Auch die Niederländer agierten in ihrem Auftaktspiel gegen die Ukraine mit zwei Spitzen.

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