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Politik Inland
05/06/2022

Immo-Experte: "Wie viel Wohnraum wirklich leer steht, weiß kein Mensch"

Immobilienwirtschaft zweifelt Berechnungen an und spricht von Eingriff in Eigentumsrechte.

von Robert Kleedorfer

Laut einem Rechnungshofbericht betrug der Leerstand in Wiener Gemeindebauten im Jahr 2017 rund vier Prozent. In Salzburg waren es bei einer Befragung des Österreichischen Haus- und Grundbesitzerbundes (ÖHGB) unter 3.300 Mitgliedern drei Prozent.

Auch das Momentum Institut geht von einer Leerstandsquote zwischen 2,5 Prozent und 4 Prozent aus. Das entspricht rund 123.500 bis 198.500 leer stehenden Wohnungen. Bei einer Abgabe von 10 Euro/m2 pro Jahr ergibt das je nach Leerstand 111 bis 178 Millionen Euro für ganz Österreich. Bei 100 Euro/m2 wären es 1,1 bis 1,8 Milliarden Euro.

"Wie viel wirklich leer steht, weiß kein Mensch", skizziert Anton Holzapfel, Präsident des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI) das Grundproblem. Auf 200.000 leer stehende Wohnungen käme man nur, wenn auch Zweitwohnsitze mitgezählt würden. Diese würden ja in der Regel nicht zwecks Vermietung angeschafft.

Zudem: "Die Kosten für Bürokratie und Spitzeltum werden deutlich höher sein als die Einnahmen." Mit Eigentumsfreiheit sei eine Leerstandsabgabe jedenfalls nicht vereinbar. Vielfach würden Wohnungen für (Enkel)Kinder angeschafft worden sein und dann einige Zeit leer stehen.

Ähnlich sieht das Martin Prunbauer, Präsident des Österreichischen Haus- und Grundbesitzerbunds (ÖHGB). Ältere Menschen würden ins Heim ziehen, aber die Wohnung nicht aufgeben wollen, zum Teil in der Hoffnung, wieder zurückkehren zu können. Oft müssten Wohnungen auch renoviert oder zuerst eine Verlassenschaft abgewickelt werden. Viele Menschen hätten keine Freude, ihr Eigentums- oder Mietobjekt leer stehen zu lassen, weil das koste ja Geld. Daher müsste zunächst Leerstand definiert werden.

"Eine Abgabe ist Showpolitik und eine reine Geldbeschaffung für Gemeinden", so Prunbauer. Sie werde weder jene institutionellen Investoren abschrecken, denen man unterstelle, sie würden es systematisch machen; noch werde es leicht, Leerstand nachzuweisen. Dies sei jetzt schon bei Mietern, die wegen eines Zweitwohnsitzes ihr Objekt nicht nutzen, kaum möglich.

Nur mit einer Mobilisierung von Wohnraum durch eine Leerstandsabgabe "wird man den Wohnungsmangel in Österreich nicht in den Griff bekommen", sagt auch Wifo-Ökonom Michael Klien in Ö1. "Helfen kann nur mehr Wohnbau." Entscheidungen auf die Nicht-Nutzung werde eine Leerstandsabgabe von 1.000 Euro im Jahr nicht haben.

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