© Kurier/Juerg Christandl

Politik von Innen
10/22/2021

Verlängert Katzian? Wie es im ÖGB nun weitergeht

Im Gewerkschaftsbund läuft ein komplexes Kräftemessen. Der KURIER weiß, wer Chancen auf den Job an der Spitze hat.

von Christian Böhmer

Als Wolfgang Katzian 2018 zum Präsidenten des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) gewählt wurde, war das für sich genommen eine kleine Sensation: Zum ersten Mal überhaupt durfte der Vorsitzende der Angestelltengewerkschaft GPA  an der Spitze der Gewerkschaftsbewegung stehen. Bis dahin hatte der Präsidentenjob als Erbpacht der klassischen Arbeitergewerkschaften gegolten.

Der damals fast 62-Jährige hat seither intern immer wieder durchblicken lassen, dass er – im Unterschied zu Vorgänger Erich Foglar – eher nur eine Periode machen will. Das hätte auch einer inneren Logik gehorcht. Bei Ablauf der ersten fünf Jahre wäre Katzian 66, und es gibt nicht wenige im ÖGB, die meinen: Wenn die Gewerkschaft dafür eintritt, dass Menschen mit spätestens 65 den wohl verdienten Ruhestand antreten sollen, dann macht es keinen schlanken Fuß, wenn die Spitze einmal locker bis 70 arbeitet. Hinzu kommt das zuweilen angewandte Argument der "Sesselkleberei".

Katzian wollte dem Vernehmen nach also abdanken. Und dafür gab es ein Szenario, das dem KURIER aus zwei Gewerkschaftsquellen bestätigt wird: Markus Wieser, machtbewusster Chef des ÖGB Niederösterreich und Präsident der dortigen Arbeiterkammer, hätte das Ruder übernommen. Im Gegenzug  wäre der Chef der Teilgewerkschaft "vida" in Niederösterreich, Horst Pammer, zum niederösterreichischen AK-Chef geworden.

Der bundesweite Chef der "vida"-Gewerkschaft, Roman Hebenstreit, bemüht sich zwar seit längerem um höhere Weihen, hat aber vorerst keine Chance auf eine breite Mehrheit im ÖGB. Ein Umstand, mit dem sich Hebenstreit den Grimm von anderen Teil-Gewerkschaften zugezogen hat, ist übrigens sein Gehalt. Denn das ist, paradoxerweise, zu gering. Wie das? "Der Roman ist dafür bekannt, dass er bis auf sein Gehalt als Lokführer keine zusätzliche Aufwandsentschädigung als Gewerkschaftsboss haben will", erzählt ein hochrangiger "vida"-Funktionär. "Das gefällt manchen nicht, weil sie es für einen aufgesetzten Marketing-Schmäh halten."

Doch zurück zur Personalrochade: Der Aufstieg von  Hebenstreits Gewerkschaftskollege Pammer wäre ein Signal an die "vida"-Mitglieder gewesen, dass sie im neuen Kräfteparallelogramm nicht vergessen wurden. Und in diesem kommen auch der Präsidentin der Arbeiterkammer, Renate Anderl,  und dem Chef der SPÖ-Gewerkschafter FSG, Rainer Wimmer, zentrale Rollen zu. Beide sind dem Vernehmen nach am Überlegen, ob sie verlängern,  ein Generationenwechsel wäre nicht unlogisch – Anderl ist 59, Wimmer 66.

Mit einem ÖGB-Chef Wieser und der Demission von Anderl und Wimmer hätte die von Katzian favorisierte und geförderte  GPA-Chefin Barbara Teiber aufsteigen können – ihr wäre die AK Wien (derzeit von Anderl geführt) zugefallen. Und um eine andere, starke Teilgewerkschaft zu bedienen, wäre Wimmers FSG-Vorsitz an den Boss der Bau-Holz-Gewerkschaft, Josef Muchitsch, gefallen.

Die gesamte Rochade bleibt freilich im Konjunktiv. Denn an irgendeiner Stelle der Gespräche hat sich eine Teilgewerkschaft  bzw. ein Teilnehmer quergelegt.  Die Konsequenz: Katzian hat intern deponiert, er wolle nun doch verlängern. Offiziell ist  das nicht. Aus seinem Büro heißt es zum KURIER knapp: Die Entscheidung wird rechtzeitig vor dem nächsten ÖGB-Kongress getroffen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.