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Eurofighter-Kauf
11/24/2012

Millionen-Deals für Magna

Aufträge im Wert von 300 Millionen: Der Magna-Konzern soll einer der Hauptprofiteure des Eurofighter-Kaufs gewesen sein.

Ich bin überzeugt, (...) dass Magna in keiner Weise von den Eurofightern profitiert hat“: Das sagte Frank Stronach unter Wahrheitspflicht bei seinem Auftritt vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Jahr 2007. Es soll "keine nennenswerten Geldflüsse" im Zusammenhang mit dem Eurofighter-Deal gegeben haben - damit dürfte Stronach wohl nicht ganz die Wahrheit gesagt haben. Wie berichtet, sollen alleine im Jahr 2003 aus Gegengeschäften mehr als 27 Millionen in die Kassen von Magna geflossen sein, geht aus Unterlagen des Wirtschaftsministeriums hervor.

Wie das Nachrichtenmagazin profil in seiner neuen Ausgabe berichtet, war der von Stronach gegründete Magna-Konzern gar einer der Hauptprofiteure der Eurofighter-Beschaffung. Nach dem Magazin vorliegenden Informationen wurden unter dem Titel Kompensationsgeschäfte Aufträge im Gegenwert von insgesamt mehr als 300 Millionen Euro geltend gemacht.

Bartenstein:  Magna hat natürlich profitiert

"Man kann davon ausgehen, dass Magna bei den Eurofighter-Gegengeschäften sicher keinen Verlust gemacht, sondern natürlich davon profitiert hat",  macht nun auch der ehemalige ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein via Standard Druck auf Stronach. "Es muss nicht sein, dass Frank Stronach alles gewusst hat, aber eines stimmt sicher nicht: dass Magna nicht von den Gegengeschäften profitiert hat."

So nannte Bartenstein im Jahr 2007 die Summe von 200 Millionen Euro, die Magna mit Gegengeschäften in den Jahren 2003 bis 2005 lukriert haben soll. Und diese Zahlen haben für den ehemaligen Wirtschaftsminsiter immer noch Gültigkeit: "Wer mich und die Arbeit in meinem damaligen Ministerium kennt, weiß, dass wir sehr gewissenhaft gearbeitet haben und keine Zahlen ungeprüft herausgegeben haben. Daher gehe ich heute davon aus, dass diese Zahlen, die ich damals genannt habe, sicher korrekt sind."

Daimler

Weiters veröffentlicht profil den Inhalt eines mit 27. Juli 2001 datierten Schreibens des früheren EADS-Aufsichtsratschefs und Vorstands der DaimlerChrysler AG, Manfred Bischoff, an den damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Bereits Monate, bevor die Abfangjäger-Beschaffung überhaupt ausgeschrieben war, unterbreitete Bischoff Grasser das konkrete Angebot über den Ankauf von 18 Eurofighter Typhoon. Gleichzeitig verwies Bischoff auf die engen Geschäftsverbindungen zwischen EADS-Hauptaktionär DaimlerChrysler AG (heute Daimler AG) und Magna: "Außerdem darf ich Ihnen bestätigen, dass das Haus DaimlerChrysler AG das Vorhaben voll unterstützt und entsprechende Beiträge zur Erfüllung der Kompensationsforderungen bereits heute leistet: mit dem 100%igen Tochterunternehmen EUROSTAR produzieren wir erfolgreich am Standort Graz, mit der Magna Steyr Fahrzeugtechnik haben wir eine langjährige und intensive Zusammenarbeit." Das Grazer Eurostar-Werk gehörte damals zur Gänze DaimlerChrysler und sollte im Juli 2002 von Magna übernommen werden.

Und weiter: "Hierbei beschäftigen wir derzeit rund 2.050 Mitarbeiter bei EUROSTAR sowie rund 3.500 Mitarbeiter bei Magna Steyr. ... Für beide Produktionsstätten besteht die Absicht, diese weiter auszubauen."

Inserate nur in "freundlich gesinnten" Medien

Das Team Stronach sorgt mit seiner Medienpolitik weiter für Aufregung. Wieprofil in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, macht das Team Stronach Inserate direkt vom Wohlverhalten der Medien abhängig. Das Nachrichtenmagazin zitiert eine E-Mail von Frank Stronachs Pressesprecher Rouven Ertlschweiger an einen Mitarbeiter: "Devise ist: Wir gehen nur in Medien, die uns freundlich gesinnt sind, und von denen auch eine positive Berichterstattung zu erwarten ist", heißt es darin.

Vor einer Woche hatte bereits ein Formular für Aufsehen gesorgt, das Journalisten vor einem Interview mit Stronach unterschreiben hätten sollen. Darin hätten sich die Journalisten verpflichten müssen, "den gesamten Interviewtext" inklusive Titel und Einleitung Kathrin Nachbaur, der Leiterin des Stronach "Instituts für sozialökonomische Gerechtigkeit", "zur Einsicht und schriftlichen Freigabe" zu senden. Für den Fall der Nicht-Autorisierung hätten sich die Journalisten verpflichten müssen, weder den Umstand des Interviews noch das Gespräch ganz oder auszugsweise zu veröffentlichen. Nach heftiger Kritik hat Stronach jedoch das Autorisierungsformular geändert.

Franz Strohsack: Amerikanische Karriere

Kindheit und Jugend Frank Stronach kommt am 6. September 1932 als Franz Strohsack im steirischen Kleinsemmering zur Welt - als Sohn des kommunistischen Elin-Angestellten Toni Adelmann und der Heimarbeiterin Liesl Strohsack. Nach Volks- und Hauptschule absolviert er eine Lehre als Werkzeugmacher in Weiz.

Pionierphase Nach einem "Wanderjahr" als Maschinist in Bern, wo er auch beim Amateur-Klub "FC Helvetia" im linken Mittelfeld kickt, kehrt er kurz nach Weiz zurück und wandert 1954 nach Kanada aus, wo er Bälle auf Golfplätzen aufklaubt und als Tellerwäscher einer Spitalsküche jobbt. Mit 25 mietet er mit seinem Jugendfreund Toni Czapka eine Garage in Toronto und schafft 1959 den Durchbruch (Großauftrag von "GM").

Milliarden-Erfolg Seine "amerikanische Karriere" wird Mitte der 1960er mit dem Weltkonzern Magna gekrönt (siehe li.).

Familie Verheiratet mit Elfriede, eine Tochter (Belinda, *1966), ein Sohn (Andrew, *1968).