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Affäre
11/22/2012

Stronach wegen Falschaussage im U-Ausschuss im Visier

Magna hat nie vom Jet-Deal profitiert, behauptete Frank Stronach 2007. Unterlagen aus dem Wirtschaftsressort dokumentieren nun das Gegenteil.

von Christian Böhmer

Wahrheit, Transparenz, Fairness: Das sind sie, die drei Ideale, die in seinem Team besonders zählen. So will es Parteigründer Frank Stronach.

Was den von der Justiz geprüften Eurofighter-Deal anlangt, muss sich der austro-kanadische Selfmade-Milliardär nun freilich den Vorwurf gefallen lassen, zumindest zwei dieser drei Vorsätze nicht ganz ernst genommen zu haben.

Wie dem KURIER vorliegende Dokumente belegen, hat Stronach bei seinem Auftritt im parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Jahr 2007 offensichtlich geflunkert. „Ich bin überzeugt, (...) dass Magna in keiner Weise von den Eurofightern profitiert hat“, sagte Stronach unter Wahrheitspflicht im Hohen Haus.

Mehrfach wurde er gefragt, ob Magna im Zuge des Eurofighter-Kaufs mit Gegengeschäften profitiert hat. Und immer sagte er, es gab „keine nennenswerten Geldflüsse dieser Art“.

Dem widersprechen jetzt interne Unterlagen aus dem Wirtschaftsministerium. Allein 2003 hat Magna über Gegengeschäfte des Eurofighter mehr als 27 Millionen Euro verdient, heißt es in dem geheimen Bericht über die Anerkennung von Gegengeschäften.

Stronach hat offensichtlich die Unwahrheit gesagt.“

Rein strafrechtlich ist Stronach aus dem Schneider. Eine falsche Beweisaussage (§288 StGB) in einem U-Ausschuss kann zwar mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden; nach fünf Jahren tritt allerdings die Verjährung ein – und diese ist, da die Aussage bereits am 1. Februar 2007 gemacht wurde, seit wenigen Monaten gegeben.

Das BZÖ, dem die Unterlagen ebenfalls vorliegen, sieht sich angesichts der Widersprüche in seiner Forderung nach einem neuerlichen Untersuchungsausschuss bestärkt. „Frank Stronach hat damals, im ersten U-Ausschuss zu den Eurofightern, offensichtlich die Unwahrheit gesagt“, befindet Parteichef Josef Bucher. Stronach müsse in einem neuerlichen U-Ausschuss einvernommen werden – damit keine Verjährung gegeben sei.

Frank Stronachs Sprecher war für den KURIER vorerst nicht zu erreichen.

Franz Strohsack: Amerikanische Karriere

Kindheit und Jugend Frank Stronach kommt am 6. September 1932 als Franz Strohsack im steirischen Kleinsemmering zur Welt - als Sohn des kommunistischen Elin-Angestellten Toni Adelmann und der Heimarbeiterin Liesl Strohsack. Nach Volks- und Hauptschule absolviert er eine Lehre als Werkzeugmacher in Weiz.

Pionierphase Nach einem "Wanderjahr" als Maschinist in Bern, wo er auch beim Amateur-Klub "FC Helvetia" im linken Mittelfeld kickt, kehrt er kurz nach Weiz zurück und wandert 1954 nach Kanada aus, wo er Bälle auf Golfplätzen aufklaubt und als Tellerwäscher einer Spitalsküche jobbt. Mit 25 mietet er mit seinem Jugendfreund Toni Czapka eine Garage in Toronto und schafft 1959 den Durchbruch (Großauftrag von "GM").

Milliarden-Erfolg Seine "amerikanische Karriere" wird Mitte der 1960er mit dem Weltkonzern Magna gekrönt (siehe li.).

Familie Verheiratet mit Elfriede, eine Tochter (Belinda, *1966), ein Sohn (Andrew, *1968).

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