Anschober: Massentests an Gesamtbevölkerung noch offen

CORONA: PK "NOTWENDIGE MASSNAHMEN UM DIE ÜBERLASTUNG DES GESUNDHEITSSYSTEMS ZU VERHINDERN"
Gesundheitsminister wirbt für die Stopp-Corona-App, sie wirkt ab 14. Dezember EU-weit. Zum Slowakei-Vorbild des Kanzlers äußert er sich reserviert.

Am Tag vor dem Lockdown sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober, die Prognose sage im Schnitt 7.000 Neuinfektionen pro Tag für diese Woche voraus. "Wenn das so eintritt, wäre das viel zu viel. Wir nähern uns den Kapazitätsgrenzen in den Spitälern."

Er präsentiert die Zahlen vom Wochenende: Es gab 26.232 Testungen, 4657 Neuinfektionen (der traditionell niedrigere Montagswert). Die stärksten betroffenen Bundesländer sind Niederösterreich und Oberösterreich, je um die 1000 Neuinfektionen.

Um 13 Personen mehr befinden sich auf den Intensivstationen, insgesamt sind es 612 Patienten. Zwischen 20. und 27. November sollte das Plateau in den Spitälern erreicht sein, sagt Anschober.

Massentest-Strategie diese Woche

Zu den von Kanzler Sebastian Kurz angekündigten Massentests sagt Anschober: "Intensivscreenings werden schon jetzt gemacht, mit der neuen Verordnung sind in bestimmten Bereichen wöchentliche Tests vorgeschrieben, etwa in Alten- und Pflegeheimen. Schrittweise werden drei Millionen Antigen-Tests ausgeliefert."

Dennoch: "Wir werden einen Ausbau der Massentests durchführen", sagt Anschober. Wie genau, werde diese Woche fixiert. Es gebe drei Möglichkeiten: Erstens, in Alten- und Pflegeheimen die Tests massiv ausbauen. Zweitens, regionale Schwerpunkte setzen. Oder drittens, "insgesamt sehr in die Breite gehen".

In den USA sei es in einzelnen Großsstädten zu solchen Massentestungen gekommen, auch in Europa gebe es Beispiele, etwa die Slowakei. Diese Erfahrungen würden nun eingesammelt und in eine Strategie in Österreich einfließen.

Anschober skeptisch

Anschober verbirgt aber seine Skepsis gegenüber der dritten Variante - möglichst die gesamte Bevölkerung zu testen - nicht. Wichtig sei jedenfalls, dass es keine Ein-Punkt-Maßnahme ist, sondern dass kontinuierlich getestet werden müsse. Die größten Herausfordrungen sind die Organisation von Massentests sowie zu vermeiden, dass die Tester sich nicht infizieren.

Die Grundentscheidung müsse nun aber getroffen werden, ob "in Hotspots breit und intensiv getestet wird", oder ob es zu generellen Testungen möglichst großer Teile der Bevölkerung komme.

Anschober ist gegen Zwang, auch gegen indirekten, indem man dann, wenn man sich testen lässt, mehr Bewegungsfreiheit bekommt als Testverweigerer. Der Grüne gibt sich überzeugt, dass die Menschen freiwillig mitmachen werden. An eine genügende Zahl hochwertiger Tests zu kommen, sollte nicht das Problem sein, sagt Anschober. Es seien genügend am Markt.

Nicht zuletzt appelliert Anschober "dringend", die Stopp-Corona-App zu benutzen.

Die digitale Pandemiebekämpfung der Bundesregierung

Finnisches Beispiel

Rotkreuz-Kommandant Gerry Foitik verweist auf das finnische Beispiel, dort sei die zweite Welle ausgeblieben, das sei zwar nicht nur, aber auch auf das intensive elektronische Contact-Tracing zurückzuführen. Die Stopp-Corona-App wird verbessert und ausgebaut. Österreich werde auch an einem Gemeinschaftsprojekt der EU teilnehmen, kündigt Foitik an.

App wirkt ab 14. Dezember europaweit

Ab 14. Dezember werde die heimische App mit den Apps anderer EU-Teilnehmerstaaten zusammenarbeiten und Warnungen können grenzüberschreitend weitergeleitet werden. Die App sei sehr benutzerfreundlich, betonte der Bundesrettungskommandant. Sie müsse lediglich runtergeladen und einmal aktiviert werden und laufe dann im Hintergrund.

Anschober ergänzt, dass die Bundesregierung eine Million Förderung für die Weiterentwicklung der App bezahle.

"Das Teuflische an Corona"

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sagt, eine der wesentlichen Hilfen beim Unterbrechen von Infektionsketten ist das Nachverfolgen von Kontakten. Es gehe darum, schnell zu erfahren, ob man Kontakt mit einem Infizierten hatte, damit man Verwandte nicht ansteckt. Szekeres: "Das Teuflische ist ja, dass man selbst nicht spürt, ob man infiziert ist, aber infektiös ist." Daher sei das Benutzen der App sehr hilfreich, denn die App kann die Kontakte frühzeitig erreichen und warnen.

Szekeres sagt, man soll während des Lockdowns rausgehen und spazieren gehen, das sei gesund und ungefährlich. Nur auf der Couch zu sitzen, sei nicht gesund.

"Andere Krankheiten nicht vernachlässigen"

Szekeres sagt, man solle die Ordinationen und Spitäler kontaktieren, wenn man Symptome habe. Er appelliert, jeder, der Beschwerden habe, solle zum Arzt gehen, man solle andere Krankheiten nicht vernachlässigen.

Die 7-Tages-Inzidenz (Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen) liegt derzeit bei 543. Avisiertes Ziel war eine 7-Tages-Inzidenz von unter 50. Die Rückverfolgbarkeit der Infektionskette ist zuletzt massiv gesunken - zuletzt konnten bei nur mehr 23 Prozent der Infizierten die Infektionsquelle erforscht werden.

Die Bundesregierung setzt nun neben mehr Personal im Tracing erneut auf die Stopp Corona-App. Diese verzeichnete per Ende Oktober rund 1,1 Millionen Downloads. Das sind wenige angesichts des Infektionsgeschehens im über 8 Millionen Einwohner zählenden Österreich.

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