Hohe Impfrate bei Kindern: Experten plädieren für Aufklärung und Impfen an Schulen.

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Politik Inland
08/03/2021

Elternvertreterin: "Kein Kind darf zur Impfung gedrängt werden"

Länder organisieren Impfaktionen in den Schulen – ein heikles Unterfangen. Eltern befürchten Gruppenzwang und Stigmatisierung.

von Raffaela Lindorfer

Die ersten beiden Schulwochen werden entscheidend sein: Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) nennt sie eine „Sicherheitsphase“, in der alle – Schüler und Lehrer – drei Mal pro Woche getestet werden. Danach sollen die Tests für Geimpfte freiwillig sein, und für sie könnte auch die Maskenpflicht fallen.

Jenen, die bis September noch nicht geimpft sind, wird besondere Aufmerksamkeit zuteil – und das ist, wie sich im Vorfeld abzeichnet, ein heikles Unterfangen.

Das Bildungsministerium hat die Länder dazu aufgerufen, ein Impfangebot für Schüler ab zwölf Jahren zu schaffen. Als fix gilt, dass Bustransfers von den Schulen zu den Impfzentren organisiert werden. An den größeren Schulstandorten könnten auch eigene Impfstraßen eingerichtet und Schulärzte beigezogen werden.

Das Testen und ein niederschwelliges Impfangebot sehen Elternvertreter wie Evelyn Kometter eigentlich „sehr positiv“. Allerdings: „Es darf kein einziges Kind dazu gedrängt werden, sich impfen zu lassen“, betont sie. Ab 14 Jahren kann man zwar selbst entscheiden, die Eltern sollten aber „auf jeden Fall informiert werden“, sagt Kometter, Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine.

Kometter sieht auch eine Gefahr des Gruppenzwangs. Etwa, wenn eine ganze Schulklasse in den Impfbus gesetzt wird – und einzelne Jugendliche nicht mitfahren.

Wie man das vermeiden will? Das Impfen direkt in der Schule und durch Schulärzte sei wohl schonender, sagt Kometter – dann fiele zumindest das Gefühl des Übrigbleibens weg.

„Nicht wegen Bequemlichkeit“

Und: „Wir brauchen gut verständliche, ausgewogene Information über Vor- und Nachteile der Impfung, am besten in mehreren Sprachen“ – und zwar explizit vom Gesundheitsministerium. „Impfwerbung“ vom Bildungsministerium lehne man ab. „Für das Impfen gibt es gesundheitliche Gründe. Bequemlichkeit im Schulalltag darf kein Grund sein.“

Vor allem aber lehnt die Elternvertretung eine „Stigmatisierung“ von Ungeimpften ab. Die in Aussicht gestellten „Privilegien“ für Geimpfte würden zwangsläufig dazu führen: „Es darf nicht sein, dass die eine Hälfte der Klasse Maske tragen muss und die andere nicht.“

Auch, dass die Testpflicht ganz wegfällt, sieht Kometter kritisch: „Geimpfte können trotzdem Überträger des Virus sein. Deshalb ist es sicherer, wenn jeder zumindest ein Mal pro Woche getestet wird. Dann muss auch niemand eine Maske tragen.“

„Angebot, kein Muss“

Von Lehrerseite begrüßt man die Bemühungen für ein niederschwelliges Impfangebot ausdrücklich. Allerdings müsse man die Sorgen mancher Eltern ernst nehmen, sagt Paul Kimberger, Chef der Lehrergewerkschaft. Und klarstellen: „Es ist ein Angebot, kein Muss.“

Klar müsse aber auch sein: „Je höher die Impfquote, desto besser wird die Schule funktionieren.“

So sieht es auch Isabella Zins, Vorsitzende der AHS-Direktoren. „Als Schulen haben wir eine Verantwortung, den Eltern die Vorteile nahezubringen und Bedenken auszuräumen.“ Der Wegfall von Test- und Maskenpflicht könnte „auf jeden Fall“ ein Anreiz fürs Impfen sein. Wichtig sei auch, die Risiken von Long Covid aufzuzeigen.

Seinen Plan für die Schulen will Bildungsminister Faßmann im Laufe der Woche präsentieren. Derzeit geht man davon aus, dass sie im Normalbetrieb starten.

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