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Politik Ausland
07/28/2020

Papua-Neuguinea: Im Lockdown droht der Hungertod

Den Bewohnern von Port Moresby droht der Hungertod. Flüchten sie aufs Land, droht eine Katastrophe.

von Armin Arbeiter, Michael Hammerl

Es ist eine der gefährlichsten Städte der Welt, kriminelle Banden, korrupte Polizisten, de facto keine medizinische Versorgung für durchschnittliche Bürger. Port Moresby, die Hauptstadt von Papua-Neuguinea befindet sich seit gestern im Lockdown. In den kommenden 14 Tagen wird sich die Situation vieler der 360.000 Einwohner drastisch verschlimmern.

„Das Risiko ist eher, dass die Menschen verhungern, anstatt an Covid-19 zu erkranken“, sagt Michael, ein Einwohner von Port Moresby, zum KURIER. „Es gibt keine finanzielle Unterstützung, wenig Möglichkeiten, sich während des Lockdowns Nahrung zu besorgen“.

Das medizinische System Papua-Neuguineas ist ohnehin am Boden, außerhalb der großen Städte ist es de facto nicht vorhanden. Doch genau dorthin wollen Einwohner von Port Moresby jetzt flüchten, um nicht zu verhungern: „Es dürfen nur systemrelevante Jobs gemacht werden, Polizei und Militär patrouillieren auf den Straßen, damit die Ausgangssperre eingehalten wird. Ich habe kein Geld mehr, um in der Stadt zu überleben, muss in mein Dorf zurückkehren und dort Nahrung anpflanzen“, berichtet Abdon aus Port Moresby.

In der größten Quarantäneeinrichtung der Stadt gibt es nur 72 Betten – die Kapazität dürfte bald aufgebraucht sein.

Fast keine Krankenhäuser

Grund für die harten Maßnahmen war ein starker Anstieg an Infektionen in der Region rund um die Hauptstadt. Innerhalb von 24 Stunden wurden 23 neue Fälle registriert. Damit stieg die Gesamtzahl der Infizierten auf 62, eine Zunahme von 49 Fällen in nur zehn Tagen. Zudem hatte Papua-Neuguinea zuletzt als erster Inselstaat in der Pazifik-Region einen Toten in Verbindung mit Covid-19 verzeichnet.

Die Zahlen mögen auf ersten Blick gering wirken, doch ist es unmöglich, das wahre Ausmaß der Covid19-Infektionen in dem Inselstaat zu erheben. In der Hochland-Stadt Mount Hagen gibt es beispielsweise kein Krankenhaus für die 50.000 Einwohner, die vor allem auf den Märkten auf engstem Raum zusammenleben. Die Betelnüsse, ein weit verbreitetes Genussmittel, das durch viele Hände geht, ehe es gekaut wird, wurden zwar von der Regierung verboten, diese hat aber in den ländlichen Gebieten keine Handhabe.

Sollten nun bereits infizierte Städter in ihre Dörfer zurückkehren, könnte es fatale Folgen haben. Als in einem kleinen Dorf nahe der Stadt Goroka einem Mann ein Holzbrett auf den Fuß fiel und dieser sich blau verfärbte, hatte er zwei Möglichkeiten: Drei Stunden ins Krankenhaus der Stadt zu fahren und dort unter Umständen versorgt zu werden, oder zum Dorfarzt zu gehen.

Er entschied sich für Letzteres, bekam eine Glasscherbe in den Fuß gejagt, um „das böse Blut abfließen“ zu lassen. Seither hinkt er.

Papua-Neuguinea mit seinen acht Millionen Einwohnern ist nur ein Land von vielen, das in den kommenden Jahren aufgrund der vielen Folgen des Coronavirus noch viel stärker leiden wird.

Die großen Probleme mit Krankheiten wie Aids, dem Dengue-Fieber, Malaria, werden durch das Virus noch weiter verschärft. Da sich Wissenschaft und Wirtschaft derzeit mehr auf die Bekämpfung des Virus konzentrieren, fehlt es an Mitteln für die Forschung an anderen Medikamenten.

180.000 Kinder zusätzlich durch Hungertod bedroht

Obendrein drohen durch die wirtschaftlichen Einbrüche in diesem Jahr weltweit fast 180.000 Kinder unter fünf Jahren zusätzlich zu verhungern. Das berichten Derek Headey vom US-Entwicklungspolitik-Institut IFPRI und Kollegen am Dienstag in der Fachzeitschrift "The Lance.

140 Millionen Menschen würden zusätzlich in extreme Armut getrieben. Sie müssen am Tag pro Person mit weniger als 1,90 Dollar auskommen. Daraus ergebe sich, dass durch die Pandemie in diesem Jahr voraussichtlich 6,7 Millionen Kinder zusätzlich unterernährt sind. Gut die Hälfte (57,6 Prozent) lebe in Südasien, 21,8 Prozent in Afrika südlich der Sahara.

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