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Politik Ausland
04/13/2021

Mission Impossible: Die kurze Halbwertszeit der Gesundheitsminister

Rudolf Anschober ist lange nicht der erste Corona-Manager, der mitten in der Pandemie zurücktritt. Die Gründe sind vielfältig. Eine Auswahl.

von Karoline Krause-Sandner

Jens Spahn ist noch da. Der deutsche Gesundheitsminister hält sich tapfer. Aber die Zeichen stehen schlecht. Fehlende Schnelltests, die langsamen Impffortschritte, mögliche Interessenskonflikte bei der Beschaffung von Schutzausrüstung, der Stopp von Astra Zeneca - diese Themen führten zu Rücktrittsforderungen. Doch Spahn bleibt. Rundherum sind schon viele seiner Kollegen gefallen. Nicht nur der Österreicher Rudolf Anschober.

Neuseeland

Im Juli 2020 trat Neuseelands Gesundheitsminister David Clark zurück. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass die Regierung ohne ihn besser auf die Coronavirus-Pandemie reagieren könne, sagte er. Clark hatte zuvor mehrere Lockdown-Regeln gebrochen. In seinem Wohnort Dunedin ging er mountainbiken, obwohl das verboten war, er nannte sich selbst deshalb einen "Idioten". Wochen später aber wurde bekannt, dass er noch ein zweites Mal gegen den Lockdown verstoßen hatte, als er mit der Familie zu einem 25 Kilometer entfernten Strand gefahren war.

Polen

Im August 2020 trat Polens Gesundheitsminister Lukasz Szumowski zurück. Der 48 Jahre alte Kardiologe, der als angehender Arzt in Kalkutta bei der später heiliggesprochenen Mutter Teresa gearbeitet hatte, war als Corona-Bekämpfer zeitweise der beliebteste Politiker im Land. Szumowski sagte, er wolle wieder in seinem Beruf tätig sein, gleichzeitig aber weiterhin Abgeordneter bleiben.

Als Gesundheitsminister hatte er zu Beginn der Corona-Pandemie für Aufsehen gesorgt, als er sagte, man müsse schnell Schutzmittel kaufen, "zur Not auch beim Teufel". Später sind ihm genau diese großen Einkäufe von Schutzmasken und Beatmungsgeräten tatsächlich fast zum Verhängnis geworden. Einen Misstrauensantrag konnte er knapp abwehren. Szumowskis Rücktritt hatte sich monatelang angebahnt, er wollte aber nicht von heute auf morgen gehen, sagte der Mediziner. Szumowkis Nachfolger wurde der Ökonom Adam Niedzielski.

Tschechien

Im September 2020 trat der tschechische Gesundheitsminister Adam Vojtěch wegen den dramatisch steigenden Corona-Neuinfektionen zurück. Auf einer Pressekonferenz erklärte er, er wolle "Raum für eine neue Lösung der Corona-Situation" schaffen. Die Zahl der Neuinfektionen sollte später noch massiver ansteigen.

Danach holte Premier Andrej Babis den Experten Roman Prymula in die Regierung. Unter anderem hat der Epidemiologe die Contact-Tracing-App mitentwickelt. Große Hoffnung wurde in Prymula gelegt. Doch wenige Wochen später musste er schon wieder abtreten. Über die größte Boulevardzeitung des Landes war bekannt geworden, dass der neue Gesundheitsminister gegen die Corona-Regeln verstoßen hatte. Er war ohne Maske in einem Luxusrestaurant gesehen worden. Beobachter glauben, dass Premier Babis ihn aber auch als Sündenbock für die immer schlimmer werdende Corona-Lage abstempelte.

Andrej Babis hat nun auch Prymulas Nachfolger ausgetauscht. Nachdem Medien schon seit Längerem spekulierten, wurde Jan Blatny abberufen und nun durch Petr Arenberger, dem bisherigen Chef einer Prager Klinik, ersetzt. Einer der Hauptgründe war Blatnys zurückhaltende Haltung zum Kauf des russischen Vakzins Sputnik V.

Spanien

Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa hat Ende Jänner sein Amt niedergelegt, um bei der Katalonienwahl am 14. Februar als Spitzenkandidat der Sozialisten anzutreten. "Ich werde immer dort sein, wo man mich am dringendsten benötigt", sagte Illa, der in der Pandemie zum Medienstar avanciert war. Das Virus werde man auch ohne ihn an der Spitze des Gesundheitsressorts "gemeinsam besiegen“, sagte der Katalane.

Unter Führung Illas erzielten die katalanischen Sozialisten einen Erdrutschsieg. Wie seine Nachfolgerin Carolina Darias hatte Illa keine medizinische Ausbildung.

Slowakei

Im März 2021, inmitten der slowakischen Regierungskrise, hat auch Gesundheitsminister Marek Krajci seinen Rücktritt verkündet. Es war der Anfang vom Ende der Regierung von Premier Igor Matovič, die wegen einem Streit um Sputnik-V-Käufe in die Krise geraten war.

Slowenien

Der populäre slowenische Gesundheitsminister Tomaz Gantar nahm im Dezember seinen Hut, nachdem seine Demokratische Pensionistenpartei (DeSUS) den Austritt aus der Regierung von Ministerpräsident Janez Jansa erklärt hatte. Dieser übernahm zunächst selbst die Führung des Ressorts, ehe er den Direktor des Universitätsklinikums Ljubljana, Janez Poklukar, als Nachfolger installierte. Der Experte startete Ende Februar mit Vorschusslorbeeren der Opposition, die sonst kein gutes Haar an der Corona-Politik der Mitte-Rechts-Regierung ließ.

Rumänien

Der Kardiologe Victor Costache warf Ende März 2020, kurze Zeit nach Beginn der Gesundheitskrise, das Handtuch. Sein Nachfolger Nelu Tataru, ebenfalls ein Mediziner, hielt es dann nur gut ein halbes Jahr im Amt. Sein Rücktritt erfolgte nach einer Brandkatastrophe auf der Intensivstation einer Corona-Klinik Mitte November in Nordrumänien, bei der mehrere schwerkranke Patienten hilflos verbrannten.

Seit Dezember amtiert mit Vlad Vioculescu bereits der dritte rumänische Gesundheitsminister seit Beginn der Pandemie. 

Brasilien

Keine glückliche Hand mit seinen Gesundheitsministern hat der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, der international wegen des Herunterspielens des Coronavirus immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Seit Beginn der Pandemie hat er bereits drei Mal den Ressortchef ausgetauscht. Den Orthopäden Luiz Henrique Mandetta feuerte Bolsonaro Mitte April 2020 kurz nach Beginn der Pandemie wegen Differenzen wegen der Lockdown-Politik. Mandettas Nachfolger, der Onkologe Nelson Teich, war dann nur einen Monat lang im Amt.

Bolsonaro ersetzte ihn Mitte Mai 2020 durch den Armeegeneral Eduardo Pazuello. Der Minister, der keinerlei medizinische Vorkenntnisse hatte, wurde vergangenen Monat vor dem Hintergrund der explodieren Infektionszahlen im südamerikanischen Land durch den Kardiologen Marcelo Queiroga ausgetauscht.

 

Jordanien

Im März 2021 hat der jordanische Gesundheitsminister Nathir Ubaidat seinen Rücktritt angekündigt. Er übernahm damit die politische Verantwortung für einen technischen Defekt mit Beatmungsgeräten in einem Krankenhaus, in dessen Folge mindestens sieben COVID-19-Patienten starben.

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