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Politik Inland
04/13/2021

Reaktionen auf Anschober-Rücktritt: "Unglaublich, was er geleistet hat"

So reagieren politische Mitbewerber auf Anschobers Rücktritt: viel Anerkennung, jede Menge Respekt, aber auch reichlich Kritik.

von Michael Hammerl

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat die "Notbremse" gezogen und ist zurückgetreten. "Ich bin überarbeitet und ausgepowert", wählte er ehrliche und offene Worte bei seiner Abschiedsrede am Dienstag, teils unter Tränen.

Politische Mitbewerber aus Bund und Ländern wünschten dem zurückgetretenen Gesundheitsminister daraufhin gute Besserung, bedankten sich für dessen Einsatz und zollten vor allem der Art und Weise seines Rücktritts großen Respekt.

Die "unermüdliche Arbeit" Anschobers "in dieser so unendlich schwierigen und belastenden Zeit der Pandemie" würdigte auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dankte dafür, dass sich Anschober "für unser Land aufgeopfert" habe.

Allen voran die FPÖ übte jedoch deutliche Kritik an Anschobers Krisenmanagement. Und: Die ÖVP - Anschober verlor bei seiner Abschiedsrede kein Wort über den Koalitionpartner - war bei allen kritischen Stimmen mitgemeint.

Bundespräsident: "Bedanke mich im Namen der Republik"

Alexander Van der Bellen, Bundespräsident: "Ich bedanke mich im Namen der Republik und auch ganz persönlich für deine unermüdliche Arbeit in dieser so unendlich schwierigen und belastenden Zeit der Pandemie. Ich wünsche dir eine rasche Erholung und alles Gute für die Zukunft!"

Grüne: "Unglaublich, was er geleistet hat"

Werner Kogler, Parteichef: "Was Rudi Anschober in den letzten 15 Monaten geleistet hat, ist unglaublich. (...) In dieser Zeit von Unsicherheit und Fragezeichen hat Rudi Anschober jeden Tag alles gegeben und ohne Pause für den Gesundheitsschutz der Menschen gearbeitet. (...) Er hat in dieser Zeit sehr, sehr viele Entscheidungen getroffen, viele schwierige, ja, viele unpopuläre. Und Rudi ist für jede einzelne seiner Entscheidungen gerade gestanden."

Sigrid Maurer, Klubobfrau Grüne, im "Namen des Parlamentsklubs": "Rudi, du hast die Gesundheit der Menschen in Österreich immer an die erste Stelle gestellt, jetzt muss deine eigene Gesundheit im Zentrum stehen. Wir wünschen dir viel Kraft und rasche Erholung. Danke für Alles!"

Ralph Schallmeiner, Gesundheitssprecher Grüne: "Der von dir in die Bundespolitik getragene Stil, auch zu Fehlern zu stehen und sich ernsthaft mit den Argumenten des Gegenübers auseinander zu setzen, sollte uns allen weiterhin Vorbild sein."

ÖVP: "Was kränkt, kann auch krank machen"

Sebastian Kurz, Bundeskanzler: "Rudi Anschober hat mich heute Früh über seinen Rücktritt als Gesundheits- und Sozialminister informiert. Seine Entscheidung ist eine zutiefst persönliche, die wir natürlich alle respektieren. (...) Er hat sich in den vergangenen 16 Monaten für unser Land aufgeopfert sowie als Gesundheitsminister seine gesamte Energie in die Bekämpfung der Corona-Pandemie gesteckt."

Wolfgang Sobotka, Nationalratspräsident: "Ich habe seine persönliche Haltung und seine empathische Umgangsweise stets geschätzt. Sein Rücktritt sollte uns aber auch zu denken geben, wie wir als Menschen miteinander umgehen. Der Respekt darf in der Politik niemals verloren gehen. Was kränkt, kann auch krank machen. Anfeindungen und Unterstellungen dürfen im politischen Diskurs keinen Platz haben."

Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptfrau NÖ: "Das Amt des Gesundheitsministers inmitten einer Pandemie ist wohl eine der herausforderndsten und schwierigsten Aufgaben überhaupt. Rudolf Anschober hat diese Herausforderung angenommen und seine Aufgaben mit großem persönlichen Einsatz und Verantwortungsgefühl bewältigt."

Thomas Stelzer, Landeshauptmann OÖ: "Seine Markenzeichen waren Sachlichkeit als Gegenpol zu Populismus und ein Politikstil ohne Fouls."

SPÖ: "Wurde von Kurz im Regen stehen gelassen"

Peter Kaiser, SPÖ-Landeshauptmann Kärnten: "Sein Rücktritt ist bedauerlich, aber verständlich."

Pamela Rendi-Wagner, SPÖ-Vorsitzende: "Lieber Rudi Anschober, großer Respekt für Deine schwierige Entscheidung. Ich möchte Dir für Deinen Einsatz in den vergangenen sehr herausfordernden 14 Monaten danken und wünsche Dir von Herzen gute Besserung und persönlich alles Gute für Deine Zukunft."

Jörg Leichtfried, SPÖ-Vizeklubchef: "Eine Ursache für Anschobers Entscheidung ist sicher auch die fehlende Unterstützung des türkisen Koalitionspartners. Er wurde von Kanzler Kurz oft im Regen stehen gelassen und sogar Opfer von Attacken der Türkisen."

Michael Ludwig, Bürgermeister Wien: "Rudi Anschober war in den letzten Monaten enorm gefordert und hat sein Bestes zur Bekämpfung der Pandemie und zur Bewältigung der größten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten gegeben."

Peter Hacker, Gesundheitsstadtrat Wien: "Es ist nur konsequent, auf den eigenen Körper zu hören – und diese Konsequenz zeichnet ihn aus."

Franz Schnabl, SPÖ NÖ: "Sein guter Wille war leider des Öfteren nicht ausreichend, um effiziente und nachvollziehbare Maßnahmen der Gesundheitsbehörden zu erzielen."

FPÖ: "Opfer der Zermürbungsstrategie"

Norbert Hofer, FPÖ-Parteiobmann: "Ich habe den Minister aufgrund erheblicher Fehlentscheidungen mehrfach zum Rücktritt aufgefordert. Er war in seiner Funktion nicht die richtige Besetzung für ein Ministerium, das in der Pandemie die Hauptverantwortung trägt."

Herbert Kickl, FPÖ-Klubchef: "Anschober ist im Grunde nicht nur Opfer seiner eigenen Überforderung und der dramatischen Fehleinschätzung seiner eigenen Leistungsfähigkeit, sondern vor allem auch ein Opfer der Zermürbungsstrategie seines Koalitionspartners, der ihn systematisch und gezielt ramponiert hat."

Neos: "Habe großen Respekt"

Beate Meinl-Reisinger, Neos-Klubobfrau: "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Rudolf Anschober und wünsche ihm persönlich alles Gute! Diese Entscheidung ist auch eine Mahnung für Achtsamkeit gegenüber einem selbst aber auch einander gegenüber."

Stefan Gara, Gesundheitssprecher Neos Wien: "Er hat bis zur körperlichen Erschöpfung sein Bestes gegeben, obwohl natürlich Fehler passiert sind und er vor allem zuletzt von Bundeskanzler Kurz meistens im Stich gelassen wurde."

Katzian: "Gedankenaustausch auf Augenhöhe"

Ingrid Korosec, Seniorenbund-Präsidentin: "Meinen größten Respekt vor der persönlichen Erklärung Rudolf Anschobers. Gesundheit – auch die eigene – ist unser höchstes Gut und seine sicherlich schwierige Entscheidung zeugt von höchster Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und sich selbst."

Michael Landau, Caritas-Präsident: "Die Ehrlichkeit, mit der er die Gründe für seinen Rücktritt erläutert hat, kann für unsere Gesellschaft Vorbild und Wegweiser sein."

Peter Lehner, Vorsitzender der SV: "Er hat unermüdlich und mit voller Hingabe während der größten Gesundheitskrise seit 100 Jahren für die Österreicherinnen und Österreicher hart gearbeitet."

Wolfgang Katzian, ÖGB-Präsident: "Auch wenn wir nicht immer einer Meinung gewesen sind, die Zusammenarbeit mit Rudi Anschober war stets geprägt von Respekt, Gedankenaustausch auf Augenhöhe und dem gemeinsamen Willen, faire Lösungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu gestalten."

Martin Balluch, Tierrechtler: "Für die Tiere ist das tatsächlich eine Katastrophe, und ein schwerer Rückschlag für die Schweine, die seit Jahrzehnten auf ein Ende der Haltung auf Vollspaltenboden warten."

Alles begann in Oberösterreich. Hier war Anschober grüner Spitzenkandidat für die Landtagswahlen, später Landesrat unter  Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP)

Anschober setzte sich in Oberösterreich stark für Integrationsthemen - vor allem gegen die Abschiebung von Lehrlingen ein

Am Bundeskongress in Salzburg entschieden sich die Grünen nach erfolgreich geschlagener Nationalratswahl Ende 2019 dafür, in eine Koalition mit der ÖVP einzutreten

Angelobung am 7. Jänner 2020 durch einen ehemaligen Grünen, Bundespräsident Van der Bellen. Immer wieder wurde darüber spekuliert, ob Anschober für sich selbst in der Zukunft das Präsidentenamt anstrebe

Die Regierungserklärung von Türkis-Grün im Nationalrat - Anschober wurde Gesundheitsminister und saß nun erstmals auf der Regierungsbank

Da war es noch voll. Im Februar 2020 breitet sich weltweit die Corona-Pandemie aus. Die Lage spitze sich auch in Österreich rapide zu, die Regierung berief ein Krisentreffen ein. Ingesamt drei Beratungsstäbe waren schlussendlich unter Anschober tätig

An der Seite von Bundeskanzler Kurz bereitete Anschober den ersten Lockdown mit den Ländervertretern vor. Das Krisenmanagement der Bundesregierung und vor allem Anschobers wurde von der Bevölkerung geschätzt - die Werte gingen nach oben

Sie wurden bekannt als das "virologische Quartett" - unzählige Pressekonferenzen gab die türkis-Grüne Spitze seit Pandemiebeginn

Einen Babyelefant-großen Abstand gelte es ab nun zu halten und Maske zu tragen. Beides wiederholte der Gesundheitsminister in den folgenden Wochen tausendfach

Und Anschober gilt als "Mann der Taferl". Mit unzähligen Graphen und Balkendiagrammen skizzierte er die Veränderung der Lage in Österreich. Seine häufig verwendete Conclusio: "Die nächsten Wochen werden entscheidend sein"

Im Winter vergangenen Jahres dann der Impfstart - er sollte holprig werden und eine Bewährungsprobe für Türkis-Grün. Im Vertrauensindex sackte auch der Gesundheitsminister nach vorangegangenem Hoch massiv ab

Doch da war noch eine andere "Baustelle". Immer wieder wurde über Unstimmigkeiten zwischen den Regierungsparteien - vor allem Kanzleramt und Gesundheitsministerium - gemunkelt 

Auf Wiedersehen! Anschober tritt nach 15 Monaten als Gesundheitsminister zurück. Seine Gesundheit lasse eine Ausübung des Amtes nicht weiterhin zu, verkündete er. Zuvor war tagelang über seinen Zustand spekuliert worden

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