© EPA/WAEL HAMZEH

Politik Ausland
08/06/2020

Das sind die irrsten Verschwörungstheorien zu Beirut

Clintons Freunde greifen mit taktischen Atomwaffen an, Netanjahu präsentierte Angriffsplan vor Jahren - die absurdesten Theorien.

von Armin Arbeiter

Keine Katastrophe, kein Großereignis vergeht, ohne dass Menschen die "offizielle" Version anzweifeln. Kritisch zu denken ist ein gutes Recht, sogar Pflicht des aufgeklärten Menschen. Wie bei jedem tragischen Ereignis gibt es jedoch Stimmen, die über das Ziel hinausschießen. Im Fall der Katastrophe von Beirut hat der KURIER vier der irrsten Verschwörungstheorien zusammengetragen, die tatsächlich in einschlägigen Chatgruppen geteilt und weitergeleitet werden.

  • Waffenlieferung der iranischen Revolutionsgarden

„Doch Gnade dem, der die möglichen Fakten ausspricht. Dass die Katastrophe nämlich möglicherweise eine misslungene Waffenlieferung der iranischen Revolutionsgarden für die Hisbollah oder Präsident Assad von Syrien war.“

Diese Vermutung ergibt Sinn. Zumindest, wenn der Iran dort läge, wo jetzt Zypern liegt. Der Einflussbereichs Teherans reicht am Land lückenlos bis nach Damaskus und Beirut – immer wieder bombardieren israelische Kampfjets mutmaßliche Waffenlieferungen am Landweg. Warum der Iran auf dem Seeweg Kampfmittel an die Hisbollah transportieren sollte, erschließt sich nicht.

    • Gezielter Raketenbeschuss der Israelis

    Der israelische Premier Benjamin Netanjahu zeigte auf der UN-Generalversammlung im Jahr 2018 eine Karte von Beirut mit einigen Punkten darauf. Für Verschwörungstheoretiker sogleich ein Beweis, dass „Bibi“ nun seinen teuflischen Plan ausgeführt habe. Es ist natürlich absolut logisch, einen Kampfplan in aller Öffentlichkeit zu präsentieren und dann in die Tat umzusetzen. Die Punkte auf Netanjahus Karte sind angebliche Waffenverstecke der Hisbollah, die im Übrigen einige Kilometer südlich des Explosionsortes liegen.

    • Die Eliten wollen Platz für einen Yachthafen

    „Wer Material beschlagnahmt, angeblich vor Jahren, wird es normalerweise versteigern, oder freihändig verkaufen, damit der Hafen davon befreit ist. Lagerkapazität am Hafen pflegt stets knapp und teuer zu sein“, lautet die Analyse in einschlägigen Telegram-Gruppen. Die Eliten hätten die Explosion also absichtlich herbeigeführt, um wieder Platz schaffen zu können: „Nun haben die einen kleinen runden Yachthafen dazubekommen. Platz für die Marina wäre jetzt auch“, wird erklärt.

    Eine Theorie, die wahrlich keiner Entgegnung bedarf.

      • Deep State greift mit taktischen Atomwaffen an

      Ob es um einen Angriff auf die libanesische Nationalbank oder um eine Nebelgranate geht, ist in Verschwörungstheoretiker-Kreisen noch nicht ganz geklärt. Allerdings: Laut QAnon und Co soll die „Wahrheit“ über Clinton als „Kinderschänderin und Kinderschmugglerin“ gleich auffliegen. Aus diesem Grund würden die Verbündeten Clintons - CIA, die Rothschilds, George Soros und ganz Hollywood - alles unternehmen, um von ihr abzulenken. Die Explosion sei von einer taktischen Atomwaffe oder schmutzigen Bombe herbeigeführt worden, vermuten die Verschwörungstheoretiker.

      Über diesen Punkt breitet die Redaktion einen Mantel des Schweigens ...

      Zwei Tage nach der verheerenden Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut suchen Rettungshelfer unterdessen weiter nach Überlebenden. Noch immer werden nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes rund 100 Menschen vermisst.

      Die erste der zwei großen Detonationen erzeugte eine große Rauchwolke, die rötliche Färbung entand durch das vermutlich explodierte Ammoniumnitrat

      LEBANON-BLAST

      Helfer bergen einen Verletzten

      Satellitenaufnahme des Explosionsortes im Hafen von Beirut, entstanden vor einigen Tagen

      Kurz nach der ersten folgte die zweite, noch gewaltigere Detonation: Dass die Druckwelle auf den vielen kursierenden Videos als weiße "Kugel" deutlich sichtbar ist, liegt laut Experten an der feuchten Luft - das Wasser verdampfte blitzschnell

      Large explosion in harbor area rocks Lebanon

      TOPSHOT-LEBANON-BLAST

      LEBANON-BLAST

      Aftermath of Tuesday's blast in Beirut's port area

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