© Jeff Mangione

Paaradox
12/06/2015

So romantisch

Adventszeit.Die vielen Lichtlein und der besondere Glanz der Gemeinsamkeit.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

Aus der Reihe „Liebes-Tipps aus dem Internet sind auch nicht mehr das, was sie waren“:
Der Romantik-Flop So ein Kerzerl ist gut fürs Herzerl, dachte ich und erstand spontan die Teelichtbehälter Nr. 27 und Nr. 28. Beinahe wäre ich geneigt gewesen auch in Nr. 29 und Nr. 30 zu investieren, doch eine innere Stimme sagte mir: „Heb dir das für Ostern auf.“ Daheim angekommen, wickelte ich die Schätze aus dem Seidenpapier und stellte sie auf den Esstisch, zu den anderen acht anderen Teelicht-Kumpels. Jetzt holte ich die Weihnachtsdeko aus dem Keller und machte erst die Wohnung und dann meine Haare schön. Im CD-Player groovte sich Bing Crosby ein: Oh, the weather outside is frightful, but the fire is so delightful. Tadellose Herzfrequenz – das Arbeitsprojekt „Machen Sie sich mit Ihrem Partner ein paar kuschelige Stunden“ lief gut an. Bis es an der Tür läutete.

Eh a Match

Statt des erwarteten Blumen-Boten mit roten Rosen stand der Mann nebenan da und knurrte: Wo is mei Schlüssel? Nun ist es so, dass seine „Wo-ist-Fragen“ nicht gerade in der Hit-Liste meines bevorzugten Liebesgeflüsters rangieren, doch ich atmete tief durch und flötete: „Ist ja jetzt egal, Schatz. Komm, lass es uns gemütlich machen.“ Worauf er erwiderte: Super, es is eh a Match. Ich schaute blöd, er betrat die illuminierte Bing-Crosby-beschallte Stube und schaute noch blöder: Erwartest du wen? Schließlich blieb sein Blick am unruhigen Flackern der neuen Teelichter hängen. Er sagte: Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Ich: „Oh doch. Ist es.“ Sowie: Fällt dir nix auf? Er: O ja, dass es unerträglich heiß ist, wenn so viele Kerzen brennen. Das war jener Moment, in dem mir ein Satz von Claudia Cardinale einfiel: „Man sollte, um die Romantik in der Ehe zu bewahren, so weiterleben wie vor der Hochzeit. Am besten in getrennten Wohnungen.“

Facebook: Gabriele Kuhn

Er

So ein Missverständnis beginnt ja oft einmal schon in der Sprache. So wurde der Begriff „romantisch“ meines Wissens nach nie auf eine exakte Definition ausjudiziert. Möglicherweise bin ich ja lediglich von ungehobelter Natur, aber ich finde zwar einen Sonnenuntergang spektakulär, ein Kaminfeuer sinnlich und einen Schneespaziergang na ja, die Assoziation „romantisch“ fiele mir jedoch nie ein. Vielleicht fehlt mir ja auch das Hach-wie-kuschelig-Gen, aber ich habe etwas immer nur dann als „soo romantisch“ bewertet, wenn ich den Verdacht hatte, dass es jemand (weiblich) hören will. Daher habe ich diesmal, nach Lektüre ihrer Kolumne, die Liebste auf eine Art Romantik-Kompromisserl eingeladen. Mein Vorschlag: Wir machen uns einen gemütlichen Samstag auf der Couch, schauen
Stoke gegen Man City (Anpfiff um 13.45 Uhr), Mönchengladbach gegen Bayern (15.30), Rapid gegen Ried (18.30) und Valencia gegen Barcelona (20.30 Uhr), dazu massiere ich ihr die Füße, wir trinken herzerwärmenden Waldbeer-Ingwer-Winterzauber-Tee, und sie darf so viele Lichterln
entzünden, wie sie mag. Das fände ich romantisch.

Leuchtsterne

Aber sie sagte zu meinem Angebot nur: Nix. Was so viel heißt wie „Besorg’ lieber ein paar Tannenzweigerln!“ Stattdessen hat sie wie zum Trotz heuer erstmals die Leuchtsterne, die der Welt da draußen unsere Adventstimmungssolidarität vermitteln, ganz allein aus dem Keller geholt, kommentarlos zusammengebastelt und selbst montiert. Ich rief: „Halleluja, Engelchen, ein Weihnachtswunder!“ Und frohlockte selig:
„Nur das traute, hochheilige Paar ...“

Paaradox im Rabenhof, 20. 12., 8. 1., 17. 1. , jeweils 20 Uhr.

Buchtipp: „Du machst mich wahnsinnig“ – gesammelte Kolumnen, Verlag Amalthea.

Twitter: Michael Hufnagl

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