© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
05/31/2015

Herz Tube!

Eigenheiten. Das große Wundern über sehr viel Senf und sehr wenig Platz.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Ich vermute aber, dass es auch sinnlos wäre, ihn danach zu fragen

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Wenn es um die Liebe geht, gibt’s schon sehr viele komische Sachen. Etwa den „Zahnpasta-Test“, der gerade durch die Medien geistert. Den hat der Soziologe Claude Kaufmann ersonnen, sein Gedanke: Zeig mir deine Zahnpastatube, und ich weiß, was aus der Beziehung wird. Da wäre etwa der Verschwender, dessen Draufdrücker-Geist sich quer durchs Leben zieht. Hier sitzt nicht nur die Pasta locker, sondern auch die Kreditkarte. Achtung beim Geizhals, der die Tube am Schluss mit einer Schere auffitzelt, um aus ihr alles rauszuholen. Wie im echten Leben auch. Der Ordnungsfreak hingegen stellt nicht nur die Tube, akribisch zugeschraubt, an den immer gleichen Ort, er ist auch sonst ein bisserl zwänglerisch. Apropos: Denke ich über das Tubenverhalten meines Mannes nach, fällt mir was auf: sein offensichtlicher Hang zur ausgedehnten Pastadegustation.

Your tube, my tube

Der Blick ins Bad sagt alles – da stehen sie, hübsch arrangiert: Tuben für jeden Zahn- und Gemütszustand. Viele davon nur angebrochen, quasi im Zustand einer „Post-Erstverkostung“. Warum das so ist? Fragen Sie mich nicht, keinen Schimmer. Ich vermute aber, dass es auch sinnlos wäre, ihn danach zu fragen. Er wird ebenfalls keine Antwort darauf wissen. Genauso wenig wie auf die Frage, warum so viele Tomatenmark- und Senf- und Mayonnaise-Tuben in unserem Eiskasten herumkugeln. Your tube, my tube – offensichtlich ist aber, dass er gerne nach dem Planlos-Motto – Ui, ich bin mir nicht sicher, ob wir das z’haus haben – einkauft. So kommt es, dass er immer, wenn er im Supermarkt Würsteln ersteht, sicherheitshalber Senf dazunimmt. So arg ist es beim Zähneputzen jetzt nicht ganz, aber beinahe. Doch wer weiß? Vielleicht plant mein Strahler 70 heimlich ein Aufstrich-Start-up.

Twitter: @GabrieleKuhn

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Ja, es stimmt, dass ich zu Zahnpasta ein sonderbares Naheverhältnis habe. Und ja, es stimmt, dass ich keine Ahnung habe, warum das so ist. Doch jedem sein Faible. Möglicherweise hängt es mit einer Erinnerung an meine Jugendzeit zusammen, als mir hinter vorgehaltener Hand erzählt wurde, dass man rasch Fieber bekäme, würde man nur ausreichend Zahnpasta verzehren. Eine durchaus wertvolle Information für jene Tage, an denen ich mich beispielsweise für Schularbeiten nicht gut genug vorbereitet fühlte ... also immer. Und dennoch habe ich den Trick nie angewandt, vielleicht aus Angst, ich könnte in ein wochenlanges Fluorid-Delirium verfallen. Aber unbewusst scheine ich auch heute noch allzeit bereit sein zu wollen, mich zur Not mithilfe eines fünfgängigen Menthol-Menüs kurzfristig aus der Alltagsrealität stehlen zu können.

Ordnungssinn

Etwa dann, wenn ich im gemeinsamen Kühlschrank etwas suche und mich dabei im Reich der Flüche verliere, weil ich nix finde. Da die Liebste nämlich einen sehr individuellen Ordnungssinn pflegt, der sich leicht unter „Das geht auch noch rein“ zusammenfassen lässt. Ergo kaufe ich nur deshalb eine zweite oder dritte Tube Senf, weil ich nicht ahnen kann, dass sich die erste dem Kuhn’schen Schlichtungswahn zur Folge in Fach zwei, Sektion 3 (= ganz hinten zwischen dem Milchreis und einem Paprikachutney aus dem 2012er-Jahr) befindet. Sie sagt dann immer „Du brauchst nur die Augen aufmachen“ oder „Meine Güte, wenn dir nicht gleich alles entgegenfällt.“ Dann denke ich mir gerne: Verdammt, ich brauch’ Zahnpasta. Und zwar eine Riesenportion.

Unsere nächsten Paaradox-Auftritte: 7. Juni im Wr. Rabenhof, 19. Juni in Ybbs, 5. Juli beim Sommerzaubern in Leobersdorf.

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

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