Max Zirngast zeigt sich empört ob der Ermittlungen gegen ihn

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09/29/2021

Max Zirngast: Vom Häftling in der Türkei zum Gemeinderat der KPÖ

Hinter dem Listenplatz 12 der Kommunistischen Partei Österreich steckt eine außergewöhnliche Geschichte

von Naz Kücüktekin

Unter den Namen der Politiker, die für die KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs) bei den Kommunalwahlen in Graz am letzten Sonntag angetreten sind, findet sich auch ein Name, den der eine oder andere womöglich kennt: Max Zirngast – jener Student, der 2018 in der Türkei inhaftiert wurde.

Den Artikel können Sie übrigens auch auf Türkisch lesen:

Ab 2015 lebte der gebürtige Steirer in der türkischen Hauptstadt Ankara. Schon in Wien war er während seines Studiums der Politikwissenschaften politisch interessiert und aktiv. „Und dann kam ich zufällig mit türkischen Studenten in Kontakt“, erzählt Zirngast. Das Land und vor allem die türkische Politik faszinierten ihn – wurden ihm später aber auch zum Verhängnis.
Am 11. September 2018 wurde Zirngast in Ankara verhaftet. Der Vorwurf lautete „Nähe zu Terrororganisationen“. Zirngast war angeblich Mitglied der in der Türkei verbotenen TKP Kıvılcım (Türkiye Kommunist Partisi / Kommunistische Partei der Türkei). Er befand sich vom 11. September bis zum 24. Dezember 2018 in der Türkei in Haft –   drei Monate war er im Hochsicherheitsgefängnis  Sincan eingesperrt.  Um die 100 Briefe schrieb er  in der Haft. „Es ist wichtig, nicht den Mund zu halten“, war stets Zirngasts Credo.

Medien berichteten fast täglich über den „Fall Zirngast“. Auch politisch sorgte die Inhaftierung für Spannungen zwischen Österreich und der Türkei. Bis knapp ein Jahr nach seiner Freilassung hatte Zirngast weiterhin Ausreiseverbot – aber am 11. September 2019 wurde er überraschend freigesprochen. Am 26. September landete Zirngast in Wien.
Den heute 32-Jährigen zog es nach seiner Zeit in der Türkei  in die Steiermark zurück. Zirngast ließ sich in Graz nieder. Wie er all die Geschehnisse verarbeitete? Ziemlich nüchtern. Seine Zeit im Gefängnis bezeichnet er heute nicht als traumatisierend. „Ich war das erste halbe Jahr in Österreich ohnehin hauptsächlich mit den Lesungen meines Sammelbands ‚Die Türkei am Scheideweg‘ beschäftigt.“

Wahlkampf auf Türkisch

Auch seine politischen Aktivitäten setzte der seit jeher links verortete Zirngast in Graz fort, zudem schrieb er als freier Journalist. „Mit der KPÖ hatte ich von Anfang ein gutes Verhältnis. Seit März dieses Jahres bin ich Mitarbeiter in der Bezirksleitung, und im Zuge der vorgezogenen Wahlen wurde ich dann auch gefragt, ob ich kandidieren möchte“, erzählt Zirngast im Gespräch mit dem KURIER.

Mit Listenplatz 12 zieht er nun als einer von insgesamt 15 Mandataren für die KPÖ in den Gemeinderat ein. „Politik ist nicht nur das, was im Rathaus oder im Gemeinderat passiert. Politik ist auch das, was im Alltag passiert“, betont Zirngast. Die Themen Soziales, Wohnen, Pflege und öffentlicher Verkehr liegen ihm am Herzen.
Für die Türkei und die türkische Diaspora hegt Zirngast noch immer Sympathien. Auf seinen Social-Media-Accounts ist teilweise mehr auf Türkisch als auf Deutsch zu lesen. Im Vorfeld der Wahl machte Zirngast Stimmung für die KPÖ auf austro-türkischen Portalen – auf Türkisch. „Es gibt eine nicht unbedeutende Community in Graz. Wenn man die Sprache kann, ergibt sich Manches auch einfach.“

Auch Kontakt in die Türkei selbst hat Zirngast weiterhin. „Die vier Jahre waren eine sehr intensive Zeit. Das geht an einem nicht spurlos vorbei. Ich habe viele Menschen dort, die mir sehr wichtig sind und die mich geprägt haben“, erklärt er. Im Land war er seit 2019 allerdings nicht mehr.

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