Leben
26.07.2018

Physikerin stellt Wissen unter Beweis, Publikum spottet über Haare

Anstatt ihren Intellekt zu würdigen, reduzierten Zuseher einer britischen Quiz-Show Freya Whiteford auf ihr Äußeres.

Freya Whiteford studiert Astrophysik an Glasgow University. Anfang der Woche war sie bei der britischen Quiz-Sendung "University Challenge" zu Gast.

"University Challenge" ist eine von der Firma Granada produzierte britische Quiz-Show, die mit einer Unterbrechung seit 1962 im Fernsehen läuft, zurzeit auf BBC 2. Bei dem Format handelt es sich um einen Wettbewerb für Studentinnen und Studenten, die ihre jeweiligen Universitäten vertreten. Abgefragt wird in diversen Kategorien, von französischer Küche bis Zytogenetik ist laut dem Independent alles dabei. Umso beachtlicher sind die Leistungen der Teilnehmer.

Haare im Fokus

Während der Ausstrahlung der jüngsten Folge schien sich das Publikum jedoch auf einen anderen Aspekt der Show zu konzentrieren: Freya Whitefords Haare. Während der Sendung mehrten sich auf Twitter Postings, in denen Nutzer über die Haare der jungen Frau spotteten.

"Ich will einfach nur irgendeine Art Serum in die Haare dieses Mädchens schmieren", schrieb etwa ein User, der Whitefords Mähne offenbar als zu widerspenstig empfand. "Ich habe das Gefühl, dass wenn ich an Whitefords Halskettchen ziehe, ihre Haare zufallen und ihr Gesicht wie Vorhänge bedecken werden", merkte ein anderer an.

Die oberflächliche Kritik ließ Whiteford nicht auf sich sitzen. Nachdem sie von den Kommentaren bezüglich ihres Aussehen erfahren hatte, twitterte sie ironisch: "An alle, die sich fragen: Meine Haare können zwölf Stifte halten, wenn sie richtig verteilt sind."

Offenbar hatte Whiteford bereits vor der Ausstrahlung der Show mit Wortspenden zu ihren Haaren gerechnet. "Ich bin die Einzige, der die Leute sagen werden, dass sie einen neuen Haarschnitt braucht", hatte sie im Vorhinein auf dem Kurznachrichtendient gepostet.

Recht auf Anerkennung

Dass Frauen in akademischen Kreisen nach wie oft belächelt werden, stößt vielen sauer auf.

Erst vor wenigen Monaten sorgte die US-amerikanische Dozentin Shannon McGregor für Aufsehen, weil sie sich auf Twitter darüber ärgerte, dass sie vom Großteil ihrer Studierenden nicht mit Titel angesprochen werde. McGregor sieht darin ein strukturelles Problem. Denn dies würde zur Folge haben, dass auch Frauen salopp und ohne Titel angesprochen werden – und das obwohl sie sich diesen hart erarbeitet hätten (mehr dazu hier).

Um die ihnen gebührende akademische Anerkennung einzufordern, fügen Frauen ihren Twitter-Accounts derzeit außerdem ihren Titel hinzu. Mit dem dazugehörigen Hashtag #immodestwomen teilen viele auch den Grund für die bewusste Betonung ihrer akademischen Errungenschaften. Man wolle sich solidarisch zeigen und ein Zeichen setzen – gegen die männliche Vormachtstellung in akademischen Kreisen und mangelnden Respekt für Frauen mit Titel (mehr dazu hier).

Um Forscherinnen zu fördern, verfasste die Britin Jess Wade innerhalb eines Jahres 270 Wikipedia-Artikel. Damit will Wade die akademische Welt von innen verändern. Wikipedia sei dafür ein probates und gleichsam wirkungsvolles Mittel, sagt die Akademikerin: "Je mehr man über diese großartigen Frauen liest, desto mehr wird man durch ihre persönlichen Geschichten motiviert und inspiriert“, sagte sie im Interview mit dem Guardian (mehr dazu hier).