Leben
28.11.2017

Was es mit #Womanspreading auf sich hat

Unter dem Hashtag #Womanspreading zeigen sich Frauen breitbeinig in der Bahn und im Bus - offenbar nach dem Vorbild von Bella Hadid, Kendall Jenner und Chrissy Teigen.

Das übertrieben breitbeinige Sitzen in öffentlichen Verkehrsmitteln hat einen Namen: Manspreading. Der Begriff tauchte Anfang 2015 erstmals auf, als man in New York mit einer Plakatkampagne gegen die schlechte Angewohnheit (vorwiegend) männlicher Öffi-Nutzer vorging (mehr dazu hier). Im August dieses Jahres zog Madrid nach: Auch in der spanischen Hauptstadt ist breitbeiniges Sitzen in den Öffis künftig nicht mehr erwünscht (mehr dazu hier). Mittlerweile wurde das Wort ins New Oxford Dictionary of English aufgenommen, im Internet werden unter dem Hashtag #Manspreading unterdessen täglich neue Bilder hochgeladen, die Spreader entlarven.

Frauen und Männer, die sich gegen Manspreading stark machen, bezeichnen die Angewohnheit als – mitunter unbewussten, dennoch respektlosen – Ausdruck von Dominanz und Obrigkeit, die Frauen in dieser Form nicht zugestanden wird. Letzteres scheint sich nun zu ändern.

Gegenbewegung: Womanspreading

Wohl um eine Gegenreaktion auf die männlichkeitsritualisierte Sitzart mancher Passagiere zu provozieren, zeigen sich nun Frauen mit gespreizten Beinen im Netz. Das berichten unter anderem der Guardian und der Independent.

Wurzel des Phänomens Womanspreading sollen Medienberichten zufolge nicht zuletzt Bilder prominenter Frauen wie Chrissy Teigen, Bella Hadid, Elsa Hosk, Kendall Jenner und Emily Ratajkowski sein, die sich in jüngster Vergangenheit des Öfteren in dieser Pose zeigen. Nun tauchen immer mehr Bilder unter dem entsprechenden Hashtag auf.

"Im Namen des Feminismus"

In einem Kommentar für den Guardian schreibt die Journalistin und Schriftstellerin Radhika Sanghani, dass Frauen mit Womanspreading ihre "Räume zurückerobern". "Frauen auf der ganzen Welt öffnen ihre überschlagenen Beine im Namen des Feminismus", schreibt sie. Sie selbst habe sich das Sitzen mit fest aneinander gepressten oder eng überschlagenen Beinen in der Öffentlichkeit bereits vor Jahren abgewöhnt. Die Reaktionen darauf seien selten positiv gewesen. "Die schlimmsten Reaktionen kamen von Männern. Obwohl ich immer noch darauf warte, dass ein Mann einen Kumpel für Manspreading ermahnt, habe ich gelernt, dass meine gewählte Körperhaltung manche Männer dazu veranlasst, mich angeekelt oder auf gruselige sexuelle Art anzusehen."

Problematisch sei dies einmal mehr im Kontext der aktuellen metoo-Debatte über sexuelle Übergriffe, die Frauen auf der ganzen Welt betreffen. Nachdem Frauen jahrzehntelang in der Gesellschaft ignoriert wurden, würden ihre "Stimmen jetzt erstmals gehört". Während die Bewegung größtenteils über verbale Äußerungen, Bekenntnisse und Forderungen laufe, sei mit Womanspreading nun auch ein physischer Ausdruck für die Ermächtigung der Frau im öffentlichen Raum gefunden worden, befindet Sanghani.

"Überspitzt, unnötig, lächerlich"

Freilich sehen das nicht alle so. Das Thema Manspreading ist inzwischen so groß geworden, dass sich auch Gegner der öffentlichen Beschämung der Manspreader formieren. Einige beklagen die Übermacht der Feministinnen, andere fragen, ob es nichts Wichtigeres gebe. Nachdem Manspreading und das Anprangern dieser Angewohnheit von vielen als diskriminierend gegenüber dem männlichen Geschlecht verurteilt wurde, stößt auch das weibliche Pendant vielen sauer auf. Auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken finden sich Hunderte Meinungsbekundungen: zu überspitzt, unnötig, lächerlich – so der Tenor. Längst überfällig, meinen andere.

Wie auch immer man zu der Diskussion steht, eines scheint klar: Breit in U-Bahn, Bus, Zug oder Wartezimmer zu sitzen, dazu müssen auch Frauen künftig das Recht haben dürfen.