Leben
25.06.2017

Sexismus: Frau gewinnt Klage gegen israelische Airline

Mitarbeiter einer israelischen Fluglinie dürfen Frauen künftig nicht mehr bitten, den Platz neben einem männlichen Passagier frei zu machen. Das entschied ein Gericht in Jerusalem am Mittwoch, nachdem eine 83-jährige Frau deswegen Klage eingereicht hatte.

Die Religion verbietet es strenggläubigen Juden in der Öffentlichkeit neben einer Frau Platz zu nehmen. Ein unbeabsichtigter Körperkontakt wird als unanständig empfunden. Aufgrund der zufälligen Sitzordnung in Flugzeugen kommt es bei Airlines deswegen weltweit immer wieder zu Problemen oder gar Verspätungen. Auf Social Media wurden daraufhin immer wieder Stimmen laut, die sich gegen die Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum richteten. Wie die New York Times berichtet, steht ein Vorfall in einer Maschine der israelischen Fluglinie El Al symbolhaft für die breite Debatte, die in Israel zum Thema Religion und Gender im öffentlichen Raum geführt wird.

"Er fing an mir zu sagen, dass die Tora dies verbiete"

Was ist passiert: Im Dezember 2015 stieg die heute 83-jährige Renee Rabinowitz in eine Maschine der Airline El Al. Das Flugzeug sollte sie von Newark nach Tel Aviv bringen, wo Rabinowitz in einer Einrichtung für betreutes Wohnen lebt. Die Israelin, die während des Zweiten Weltkrieges aus Europa floh, setzte sich auf ihren Platz am Gang in der Business Class. Als ihr Sitznachbar, ein orthodoxer Jude, seinen Platz am Fenster einnehmen wollte, beschwerte er sich darüber, neben einer Frau sitzen zu müssen. "Er fing an mir zu sagen, dass die Tora dies verbiete", erklärte Rabinowitz damals gegenüber dem Guardian. Eine Flugbegleiterin bat Rabinowitz schließlich ihren Platz aufzugeben, was diese wiederwillig tat.

"Richterin hat Problem erkannt"

Das Ereignis veranlasste Rabinowitz dazu, Klage gegen die Airline einzureichen. Vor Gericht wurde die 83-Jährige von juristischen Vertretern des Israel Movement for Reform and Progressive Judaism (IMPJ), einer Organisation in der sich liberale Juden in Israel formiert haben, vertreten. Das IMPJ hat sich in der Vergangenheit bereits mehrmals im Kampf gegen die Geschlechtertrennung im Land engagiert und sich unter anderem gegen Busunternehmen und die staatliche Verkehrsbehörde gewandt.

Das Gericht in Jerusalem urteilte am Mittwoch zugunsten der Klägerin. Diese zeigte sich nach der Verhandlung erleichtert: Sie sei "hocherfreut" über das Ergebnis, sagte sie in einem Statement. "Ich bin außer mir vor Freunde, weil die Richterin das Problem erkannt hat. Sie hat erkannt, dass es keine Frage des Geldes ist (…) Sie hat erkannt, dass es darum geht, dass El Al seine Richtlinien ändert, wozu sie jetzt auch verpflichtet sind", sagte Rabinowitz. Als finanzielle Wiedergutmachung wurden der 83-Jährigen 6.500 Schekel, rund 1.500 Euro, zugesprochen. Ursprünglich hatte ihr Anwalt umgerechnet 12.000 Euro gefordert.

"Das passiert vielen", sagte Anat Hoffman, Vertreterin der juristischen Vereinigung der IMPJ. Das Urteil habe "frischen Wind in die Sache gebracht".

Seitens von El Al wies man den Vorwurf der Diskriminierung zurück. Passagiere zu bitten ihren Sitzplatz zu wechseln sei eine gängige Praktik, beispielsweise um Familienmitglieder nebeneinander fliegen zu lassen. Das Gericht entschied dennoch, dass eine angewiesene Sitzplatzänderung aufgrund des Geschlechts eines Passagiers gegen die Anti-Diskriminierungsgesetze Israels verstoße. Künftig dürfen Crew-Mitglieder weibliche Passagiere nicht mehr bitten, ihren Platz aufzugeben, weil ein Mann dies wünscht.

Renee Rabinowitz plant unterdessen bereits ihre nächste Flugreise. Es soll wieder in die USA gehen. Über El Al zu buchen hält sie nicht für ausgeschlossen – "es kommt darauf an, wer das beste Angebot hat."