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Leben Gesellschaft
06/26/2022

Umfrage: Oben-ohne-Erlaubnis für Frauen gefällt vor allem Männern

Nachdem ein Schwimmbad Frauen kürzlich das Baden mit nackten Brüsten erlaubte, kocht die Debatte im Internet hoch.

Keine Brustwarze ist frei, bis alle Brustwarzen frei sind - so lautet der Leitspruch einer kleinen Bewegung, die ein Oben-ohne-Recht für Frauen an Orten erkämpfen will, an denen sich auch Männer mit nacktem Oberkörper zeigen.

Die Debatte polarisiert, willkommen im Sommer 2022. Dabei dachten viele, dass Frauen "oben ohne“ schon längst kein Aufreger mehr sind. Worum geht es also?

Aufregerthema

In Schwimmbädern gibt es bei der Kleiderordnung eine Art Zweiklassengesellschaft: Während Männer "oben ohne“ sein dürfen, müssen Frauen ihre Brüste bedecken. Das heben nun einige Bäder, etwa im niedersächsischen Göttingen in Deutschland, auf. Seit Mai ist Frauen dort zumindest am Wochenende das Baden "oben ohne" im Schwimmbad erlaubt. 

Die neue Regelung ist zu einem Aufregerthema des Sommers geworden. Spätestens seitdem eine solche Regelung auch in anderen Städten debattiert wird, tobt es im Internet. 

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur förderte jetzt zutage, dass mehr als ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland den Ansatz gut findet, Frauen das Oberteiltragen nicht unbedingt vorzuschreiben.

37 Prozent finden es demnach positiv, wenn etwa im Freibad der klare Dresscode - Frauen müssen Bikini oder Badeanzug tragen, Höschen reicht nicht - aufgehoben wird. Negativ sehen es bundesweit 28 Prozent, 26 Prozent sind unentschieden, der Rest machte keine Angabe.

Klarer Geschlechterunterschied

Allerdings zeigt sich ein deutlicher Geschlechterunterschied: Auf die Frage "Erste Bäder erlauben nackte weibliche Oberkörper zu bestimmten Zeiten - wie finden Sie das?“ antworteten nur 28 Prozent der Frauen mit "sehr gut“ oder "eher gut“, bei den männlichen Befragten waren es dagegen 46 Prozent. Schaut man in die Altersgruppen, so ist bei den Männern die Zustimmung überdurchschnittlich hoch bei den 25- bis 34-Jährigen sowie den 45- bis 54-Jährigen und den Männern über 55.

Auffällig: Junge Männer (18 bis 24 Jahre) antworteten weit unter dem Durchschnitt nur zu 32 Prozent positiv, während die gleichaltrigen Frauen besonders positiv eingestellt sind (41 Prozent).
Beim Thema Nacktheit herrscht zudem eine gewisse Polarisierung in Deutschland vor. Auf die Frage "Wie gerne besuchen Sie FKK-Orte, also Orte, an denen sie nackt sein müssen, wie zum Beispiel Saunen, spezielle Thermen oder Strände?“ antworteten 18 Prozent mit "sehr gern“ oder "eher gern“.

Bei den Männern waren es 27 Prozent, bei den Frauen nur 10 Prozent. Überdurchschnittlich affin sind hier laut Umfrage junge Männer (18 bis 24 Jahre), während die Frauen derselben Altersgruppe unterdurchschnittlich begeistert davon sind.

Ältere Herren besonders schamlos

Auf die Frage "Würden Sie sich selbst in Bezug auf Nacktheit als schamhaft bezeichnen?“ antworteten 57 Prozent der Frauen mit "Ja“, während es nur 40 Prozent der Männer waren. Besonders überdurchschnittlich schamhaft in der Selbsteinschätzung waren hier ebenfalls junge Frauen bis Mitte Zwanzig.

Besonders schamlos bei den Männern (62 Prozent "nein“, nur 32 Prozent "ja“, Rest ohne Angabe) sind ältere Herren ab 55 Jahren.

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