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Leben
08/28/2019

#aufstreife: Die Polizei, dein Freund und Influencer

Dürfen Polizisten auch als Influencer aktiv sein? Der Fall einer Berliner Kommissarin sorgt für Diskussionen.

Ob beim Kaffeetrinken oder auf Streife, ihre virtuellen Fans sind immer dabei - die Berliner Kommissarin Mehtap Öger ist eine der bekanntesten Instagram-Polizistinnen Deutschlands. Ihre mehr als 29.000 Follower unterhält sie mit Selfies aus dem Dienstwagen und Outfit-Postings nach Feierabend. In den letzten Wochen war sie aber auch in anderen Medien stark vertreten. Denn die 35-Jährige ist Teil einer Werbekampagne der Bild-Zeitung und derzeit deutschlandweit auf Plakaten und in Werbespots zu sehen. In Dienstuniform und Schutzweste, versteht sich.

Nachdem die Berliner Polizei wegen dieser Aktion tagelang in der Kritik von Medien und Politik stand, verteidigte sie das Mitwirken der Kommissarin wie folgt: Der Bild-Werbespot sei ihr "als Danksagung der Bevölkerung an verschiedenste Berufsgruppen vorgestellt worden."

Der Verlag dementierte das allerdings. Alle Protagonisten der Kampagne seien darüber informiert worden, dass es sich um eine werbliche Imagekampagne für Bild handele, hieß es von dort.

Unvereinbarkeit wird geprüft

Um solche Fettnäpfchen in Zukunft zu vermeiden, kündigte die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik die Einrichtung einer "Sonderprüfung der Internen Revision zur Risikofrüherkennung im Zusammenhang mit den Aktivitäten von Dienstkräften der Polizei als Social Media Influencer" an. Kurz gesagt: Es soll geprüft werden, ob sich die Dienstpflicht mit (werblichen?) Instagram-Postings in Uniform vereinbaren lässt.

Streng genommen ist zwar schon der Gebrauch des privaten Smartphones im Dienst verboten, trotzdem gibt es für Polizisten im Berufsalltag kaum Social-Media-Regeln. Fest steht nur, dass Nebeneinkommen genehmigt werden müssen, Beamte nicht gegen das Neutralitätsverbot verstoßen und sich mäßigen sollen. Wie der Fall Mehtap Öger zeigt, ist das Ganze jedoch Auslegungssache.

Follower sind hautnah dabei

In Deutschland ist jetzt eine Diskussion ausgebrochen, ob Polizisten mit einer großen Präsenz in sozialen Netzwerken, nicht dem Ruf der Polizei schaden. Beispielsweise machen sich Beamte im Netz immer wieder über betrunkene oder auffällige Personen lustig oder posten Fotos, die sie leicht bekleidet in Bademode oder Unterwäsche zeigen. Daneben fordern Vertreter der Polizeigewerkschaft und Politiker regelmäßig mehr Respekt und härte Gesetze.

Ob man aber einem Polizisten noch Respekt entgegenbringen kann, wenn man mit diversen Vertretern der Berufsgruppe in den sozialen Netzwerken per Du ist und deren Leben hautnah mitverfolgt, ist für Kritiker fraglich.

Schwammige Regelungen

In Österreich haben Instagram-Polizisten bisher noch für keine Aufregungen gesorgt. Dementsprechend wenig hat man sich an oberster Stelle damit befasst. Christoph Pölzl, Pressesprecher des Innenministeriums, verweist auf das Beamtendienstrecht: "Der Beamte muss sich so verhalten, dass das Vertrauen der Allgemeinheit in seine dienstlichen Aufgaben erhalten bleibt."

Was genau das auf Influencer ausgelegt bedeutet, darin ist man sich im Ministerium uneinig. "Das muss man sich von Fall zu Fall ansehen", so Pölzl zum KURIER. Grundsätzlich gebe es für Polizisten einen internen Social-Media-Guide, bei dem Beamte Tipps für den richtigen Umgang mit Instagram und Co erhalten.

Deutsche ist erfolgreichste Polizei-Influencerin

Die erfolgreichste Polizei-Influencer ist übrigens die deutsche Adrienne Koleszár. Über 630.000 Menschen folgen ihr auf Instagram. Nachdem sie ein halbes Jahr freigestellt worden war, um die Welt zu bereisen und an den verschiedensten Orten für Fotos zu posieren, stellte sie ihr Dienstherr vor die Entscheidung, in den Polizeidienst zurückzukehren oder endgültig Influencerin zu werden. Koleszcár entschied sich für das Polizeirevier und postet seither fast nichts mehr aus ihrem Berufsalltag.