© Kurier/Juerg Christandl

Porträt
07/16/2021

Künstleragentin zu sein ist viel mehr als nur Händchenhalten

KURIER-Serie über Kulturberufe: Die Künstler-Agentin Tina Mayrhofer und ihre Arbeit.

von Guido Tartarotti

Tina Mayrhofer hat schon knapp vor Vorstellungen Strumpfhosen gekauft, Brillen geklebt oder einen Zahnarzt aufgetrieben. Sie hat auch schon lampenfiebrige Künstler zur Psychologin geschickt oder einem allzu durstigen Künstler das Getränk heimlich durch alkoholfreies Bier ersetzt. Ihre schwierigste Aufgabe war: Weihnachtsgebäck für das Publikum aufzutreiben, und zwar zu Ostern, weil ein Künstler eine lustige Idee hatte.

Aber als Kindermädchen sieht sie sich nicht: „Es ist kein Händchenhalten, Künstler sind ja alles mündige, erwachsene Menschen.“

Tina Mayrhofer vertritt mit ihrer Agentur „Productionmanagement“ Kabarettisten wie Mike Supancic, die Gebrüder Moped oder Robert Palfrader. (Und ja, auch den Autor dieser Zeilen, wenn sich dieser auf eine Bühne wagt.)

In den Zug setzen

Was macht eine Agentin eigentlich? Mayrhofer: „Sie vertritt den Künstler nach außen. Auf Veranstaltungen, gegenüber der Presse, gegenüber Firmen, die den Künstler buchen wollen. Sie kümmert sich auch um Rechte, Verlagsrechte, Musikrechte. Und sie sorgt auch dafür, dass man von A nach B kommt. Ich fahre euch mit dem Auto oder setze euch in den Zug.“

Sie macht auch den Zeitplan. „Wann ist Soundcheck, wann ist Auftritt, fährt man nachher zurück oder nimmt man ein Hotel?“

Manche Künstler finden ja, heißt es, ohne fremde Hilfe nicht zum Auftrittsort. Mayrhofer lacht: „Selbst du hast das geschafft!“

Sind Künstler wirklich so schwierig, wie es heißt? Mayrhofer: „Psychologische Fähigkeiten braucht man nicht, man muss nur den Menschen mögen. Was jeder braucht, damit es ihm vor dem Auftritt gut geht, das kriegt er. Das hat nichts mit schwierig zu tun. Es geht ja nie um mich, sondern immer um den Künstler. In Wahrheit sind alle leicht zu betreuen.“

Warten auf den Musiker

Wie kam sie zu diesem ungewöhnlichen Beruf? Mayrhofer: „Zufall! Mit 20 wusste ich nicht einmal, dass es diesen Beruf gibt. Ich habe an einer Hotelrezeption gearbeitet und wurde gefragt, ob ich einen Nebenjob annehmen will. Meine erste Aufgabe war es, als Fahrerin die Künstler zum Donauinselfest zu bringen. Ich habe ewig am Flughafen auf den Schlagzeuger von Smokie gewartet. Und bin dann draufgekommen, dass es ein Tag zu früh war.“

Später arbeitete sie für eine Musikagentur Scheibmaier („und hab viel gelernt“). Nach dem Tod ihres Mannes 2008 hat sie dessen Firma übernommen und neu gegründet. „Das war sehr schwierig, denn ich konnte ihn ja nicht mehr fragen, wie macht man das?“

In der Lockdownphase hat sie von Ersparnissen gelebt, jetzt, da wieder gespielt werden darf, kämpfen die heimischen Kabarettisten ums Publikum. Mayrhofer: „Die Bühnen buchen jetzt vor allem Künstler, die sicher das Haus füllen. Alle anderen werden es jetzt einmal schwerer haben. Man wird sehen, wie schnell der Hunger aufs Liveerlebnis wieder da ist.“ Ein Publikum, das beim Kabarett durch die Maske lacht, kann sie sich schwer vorstellen: „Lachen ist ein Gemeinschaftserlebnis.“

Handschlag

Tina Mayrhofer selbst ist auffallend warmherzig, sie lacht viel – und redet auch gerne: „Ja, das fällt mir nicht schwer.“ Sie mag ihre Künstler, viele sind Freunde, sie hat auch nur Handschlag-Verträge mit ihnen: „Wenn das Vertrauen nicht da ist, geht es sowieso nicht.“ Es wird ihr auch nie fad, ein Programm zu sehen: „Am spannendsten ist die erste Vorstellung nach der Premiere, denn die ist echt.“

Sie selbst hat es nie auf die Bühne gezogen. „Das muss echt nicht sein. Ich sehe ja, was meine Künstler alles können!“ Was ist übrigens der Unterschied zwischen einem Agenten und einem Manager? Mayrhofer lacht. „Der Manager ist auch dafür zuständig, dass der Künstler zu Hause Klopapier hat. Beim Agenten ist der Künstler nicht entmündigt.“

Aber Mayrhofer mischt sich durchaus auch einmal bei künstlerischen Fragen ein: „Bei den Vorpremieren mache ich das sogar gerne. Ich gebe Feedback, das Programm muss sich dem Publikum erschließen. Ich bin bei Vorpremieren die optimale Testperson. Ich sage dann: Ich verstehe diese Zeile nicht.“

Besteht die Gefahr, dass die Kabarettisten durch die lange Pause aus der Übung sind? Mayrhofer lacht wieder: „Aber nein, das ist wie Radfahren, das verlernt man nicht.“

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