Erster Auftritt der Song-Contest-Moderatoren: Wie waren die Owskis?
Es war durchaus eine Überraschung, als Michael Ostrowski neben Victoria Swarovski als Moderator für den Eurovision Song Contest in Wien präsentiert wurde. Der Mann ist ein talentierter Komödiant und Conferencier, aber würde er auch als Gastgeber einer Show mit so einigen Besonderheiten funktionieren?
Die da wären: Zum einen mal die 180 Millionen Zuseherinnen und Zuseher weltweit, oder wie er vielleicht sagen würde: Kein Bemmerl. Zum anderen die eher eingeschränkten Möglichkeiten von Spontaneität in einer penibelst durchinszenierten Show, zumal außerdem nicht in der eigenen (Humor-)Sprache.
Am Dienstag sah man nun das erste Semifinale und die Antwort auf die Frage, ob das funktioniert, ist: Ja. Und nein.
Die Aufgabenteilung war schnell klar: Sie die elegante Auskennerin, er der flapsige Unvorbereite, sie kennt alle Regeln, er glaubt, der Job ist fertig nach der Begrüßung. Sie für die Emotionen zuständig, er für die (absichtlich) seltsamen Witze. Das ist keine schlechte Idee und brachte auch charmante Momente zutage.
Hätte Swarovski ein Gegenüber á la Alfons Haider oder Pro7-Hauptabendprogramm bekommen, wäre die Chose auch zu glatt geraten. Sie selbst war vielleicht noch etwas steif, aber trotzdem der Aufgabe gewachsen. Ostrowski war in seinem leicht übergroßen Kummerbund-Overall auf die richtige Weise deplatziert.
Diese Rollen zogen sich aber nicht konsequent durch, denn dann wieder sprach Ostrowski sein fließendes Französisch, bis er „umgeschalten“ wurde. Die Witze zwischen den beiden zündeten oft nicht so wirklich, der Grat zwischen Lokalkolorit-Schmäh, den auch Nicht-Österreicher verstehen und Stereotypen, die nur Einheimische ironisiert lustig finden (z.B. das „Jodeldidu-Jankerjacket in Styrian Green“), ist ein schmaler.
Man hatte mitunter das Gefühl, dass man frecher sein wollte, sich aber nicht getraut hat. Dass ausgerechnet die abgelutschtesten Höhö-Österreich-Klischees wie die uns von den Deutschen trennende gemeinsame Sprache und vor allem die Verwechslungsgefahr mit Australien tragende Scherze der Show waren, ist leider nicht die originellste Visitenkarte.
Fassungslose Schweden
Apropos Australien: Das „Musical“ über die Gegensätze von Österreich und Australien war an sich erfreulich bizarr, aber für acht Minuten (!) öd-leer wie der Beutel des mitspielenden Kängurus, und ließ manche TV-Kommentatoren fassungslos zurück. Im schwedischen Fernsehen hieß es etwa danach: „Es besteht nun die reale Gefahr, dass nächstes Jahr nochmal fünf Länder mehr abspringen.“
Allerdings muss man sagen, dass Semifinal-Pausenfüller meistens nicht die großen Würfe sind. Da hat nur die Schweiz im Vorjahr neue Maßstäbe gesetzt, weil hier absurd, lustig und sympathisch auf einer Linie waren (lebensgroße Raclettespieße). Ein bisschen ein Pech für den ORF, dass dieser Zugang wegen Imitationsrisikos versperrt war.
Aber es kommen ja noch zwei Shows. Bleibt zu hoffen, dass das holprige Rollenspiel der -owskis noch schärfere Kanten bekommt und man sich die besten Gags für das große Finale aufhebt.
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