APA13736520-2 - 17072013 - BREGENZ - ÖSTERREICH: ZU APA 0084 KI - BP Heinz Fischer bei seiner Rede im Rahmen der Eröffnung Bregenzer Festspiele am Mittwoch, 17. Juli 2013. APA-FOTO: Lechner Peter/BUNDESHEER

© APA/Lechner Peter/BUNDESHEER

FESTSPIELSOMMER
07/17/2013

Bregenz: Viel Licht und Liebe am See

Bundespräsident Heinz Fischer eröffnete die 68. Bregenzer Festspiele. Auftakt mit Appetithäppchen und Mozarts "Zauberflöte".

von Peter Jarolin

Dem Licht entgegen“ – so lautet das Motto der diesjährigen Bregenzer Festspiele. Nach der Eröffnung möchte man fast ergänzen: „Der Liebe entgegen“. Denn die Liebe in all ihren Formen beschwor etwa Kulturministerin Claudia Schmied in ihrer Ansprache. Und Heinz Fischer nahm diesen Ball gleich auf: Explizit „liebevoll“ eröffnete der Bundespräsident die 68. Festspiele am Bodensee, wobei er in seiner Rede auch die Einhaltung der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit einforderte.

Ja, es war viel Prominenz im Festspielhaus, die sich auch für die Seebühne am Abend angekündigt hatte. Namhafte Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kultur konnte Festspiel-Präsident Hans-Peter Metzler – dieser dankte seinem Vorgänger Günter Rhomberg – persönlich begrüßen.

Der Musik das Wort

Aber – und das ist auch das Schöne an Bregenz: Alle Reden waren recht kurz, sympathisch und ließen die Musik für sich selbst sprechen. Etwa in Gestalt der Wiener Symphoniker, die unter der Leitung von Dirigent Paul Daniel einen Überblick über das heurige Festspielprogramm gaben. Passagen aus Mozarts „Zauberflöte“ in einer Chor-Version (gesungen vom Prager Philharmonischen Chor), dazu ein Ausschnitt aus der „Hausoper“: Sie gilt der Uraufführung von André Tschaikowskys „Der Kaufmann von Venedig“. Ein Werk, das in den frühen 80er- Jahren entstanden ist und in Bregenz uraufgeführt wird.

Quasi als Geschenk steuerten die Komponisten Isidora Zebeljan, Judith Weir und Detlev Glanert Uraufführungen kurzer Mozart-Variationen bei; besonders effektvoll und gut dabei Zebeljans Werk sowie als Solisten (bei anderen Stücken) der Solotrompeter Andreas Gruber und die Soloflötistin Jasmine Choi.

Die Puppen im See

Intendant David Pountney brach im vorletzten Jahr seiner Intendanz per Video noch eine Lanze für die zeitgenössischen Opern „The Wasp Factory“ von Ben Frost sowie für Olga Neuwirths „American Lulu“. Beide Stücke sind in Bregenz zu sehen. Wie auch „Die Zauberflöte“ in der Regie von David Pountney, die fantasievoll, farbenreich und mit überdimensionierten Puppen das Publikum beeindrucken sollte.

Opernspektakel am See

Mozart kommt als Goldesel des Musikbetriebes ab heute wieder auf die Bregenzer Seebühne: „Die Zauberflöte“ war da zuletzt 1985 und 1986 vor der Kulisse des Bodensees zu sehen.

Das fantastische Spiel zwischen Zauberposse und Freimaurer-Mystik bringt unter Garantie Umsatz. So sind die 200.000 Karten heuer bereits so gut wie ausverkauft. 7000 Zuschauerinnen und Zuschauer pilgern für jede Vorstellung des Opernspektakels in der Regie von David Pountney. Das Bühnenbild stammt vom Südafrikaner Johan Engels, die Kostüme und das Puppendesign hat Marie-Jeanne Lecca entworfen.

Riesige Drachenhunde rund um ein zweieinhalb Meter hohes Podest im Zentrum der einem Schildkrötenpanzer ähnlichen Bühne, die etwa sieben Meter aus dem Wasser ragt, dominieren die Optik.

Szenenfotos aus Bregenz

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

BREGENZER FESTSPIELE: "DIE ZAUBERFLÖTE"

Trotz 30 Metern Höhe und glühender Augen haben die Ungeheuer, die aus dem See wachsen, auch etwas Verspieltes. Zumindest auf der Vorderseite. Auf der Rückseite sind sie Wunderwerke der Technik, ausgestattet mit Scheinwerfertürmen und zahlreichen Lautsprechern.

Denn in Bregenz wird verstärkt gesungen. Die Wiener Symphoniker sitzen im trockenen Festspielhaus und werden durch das ausgetüftelte „Bregenz Open Acoustic System“ auf eine Lautsprecherbahn gelenkt. Damit Timing und Präzision stimmen, sind mindestens 20 Tontechniker am Werk, die Gesang und Orchester zusammenfügen. Neben Solisten, Chor, Orchester und Statisten sind auch verschiedene Stuntmen im Einsatz. Im Vorfeld der Festivalsaison wächst der Mitarbeiterstand der Festspiele auf rund 1600 Personen an. Derzeit sind 90 Künstler, 20 Stuntmen und Akrobaten aus aller Welt in Bregenz anwesend.

Künstlerbetreuer Chris Rogers hat im Lauf der Jahre drei Sänger-Kategorien kennengelernt: „Die einen lieben die Bühne und würden am liebsten gleich in den See springen. Die anderen überleben die Bühne und kommen irgendwie mit ihr zurecht. Und dann gibt es noch jene, die sich niemals an die Bühne herantrauen würden.“

www.bregenzerfestspiele.com

Die Eröffnungsreden in Bregenz

Fischer verband in seiner Eröffnungsrede das Motto mit den Idealen der Aufklärung. Aufklärung, das sei auch ein Bekenntnis zu Menschenrechten und zur Wahrung der Menschenwürde, betonte der Bundespräsident. Selbst demokratische Gesellschaften täten sich mit der Wahrung der Menschenrechte schwer, wenn sie unter innerem oder äußerem Druck stehen. Heute sei es insbesondere der Terrorismus, der auch führende Akteure demokratischer Staaten in die Sackgasse des Prinzips "Der Zweck heiligt die Mittel" zu treiben drohe. Das Problem sei "uralt, aber immer noch ungelöst - manche sagen unlösbar", so Fischer.

Es sei größte Vorsicht geboten, wenn man heutzutage Rechtfertigungen für eine Abkehr von Grundprinzipien des Rechtsstaates höre, um etwa gegen den Terrorismus anzukämpfen. "Der Rechtsstaat darf nicht zur Disposition gestellt werden - weder diesseits noch jenseits des Atlantiks", unterstrich Fischer unter Applaus. Die Aufklärung habe mitgeholfen, das Faustrecht durch rechtsstaatliche Strukturen zu überwinden. Vor uns stehe nun die Aufgabe, das moderne Faustrecht - den Terrorismus - im nationalen und internationalen Bereich zu überwinden.

"Zauberflöte" als Plädoyer für Europa

Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) erklärte in ihrer Ansprache, die Seebühne am Bodensee sei "ein österreichischer Beitrag zur überregionalen, internationalen Kultur". Bezug nehmend auf die "Zauberflöte" hob sie das Motiv der Liebe in der abendländischen Kunst hervor, diese sei "etwas Gemeinsames". Sie sah in der Aufführung der "Zauberflöte" am Völker verbindenden See ein "Plädoyer für ein Europa, das in seiner Sehnsucht nach Liebe einen gemeinsamen Nenner finden kann". Man müsse sich nur immer wieder daran erinnern: "Am Ende ist man Mensch durch die Liebe", so Schmied.

Festspielpräsident Hans-Peter Metzler betonte in seiner Rede, dass Kunst den Gemeinschaftssinn fördere. "Kunst ist ein Akt der Demokratie, gerade hier in Bregenz, besonders bei den Festspielen", so Metzler. Die Festspiele seien durchdrungen von einem "Geist der Ästhetik und von einem nicht minder starken ökonomischen Geist". Man wolle eine "Welle der Begeisterung" für das Festival und die Region auslösen. "Diese Begeisterung gilt auch für die immens wichtige Interaktion auf einer Plattform vor der Bühne, die durchaus berechtigt im Rampenlicht stehen darf: Begegnung und Repräsentation, Gastfreundschaft und Kommunikation müssen gemeinsam wirken dürfen", sagte Metzler.

Vorgeschmack

Bei der von Intendant David Pountney gestalteten Eröffnungsfeier wurde das Publikum - darunter Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) - mit Auszügen aus den aktuellen Produktionen unterhalten. Einen Vorgeschmack auf die abendliche Premiere der "Zauberflöte" boten der Prager Philharmonische Chor und Solotrompeter Andreas Gruber, begleitet von den Wiener Symphonikern. Die Komponisten Isidora Zebeljan, Detlev Glanert, Judith Weir und Dmitri Smirnov steuerten zur Eröffnung Variationen über Mozart-Themen bei, unter anderem vorgetragen von Flötistin Jasmine Choi. Auszüge aus der Hausoper "Der Kaufmann von Venedig", die am 18. Juli Premiere feiert, präsentierten Magdalena Anna Hofmann (Portia), Charles Workman (Bassanio) und Hanna Herfurtner (ein Knabe).

Zur Eröffnung der Bregenzer Festspiele fand sich wie jedes Jahr viel Prominenz aus Kunst, Politik, Kirche und Wirtschaft in Bregenz ein. Zudem verfolgten bei strahlend schönem Wetter zahlreiche Schaulustige den Festakt auf einem LED-Großbildschirm auf dem Vorplatz des Festspielhauses, wo die Eröffnung im Anschluss beim traditionellen Volksempfang ausklang.

(apa)

Bregenz blieb Bregenz

Bregenz, nicht Salzburg - Bundespräsident Heinz Fischer bewies in seiner Eröffnungsrede zu den 68. Bregenzer Festspielen Humor und ein gutes Gedächtnis. Nachdem er bei der Eröffnung im Jahr 2008 von den "Salzbu... Festspielen" gesprochen hatte, griff er seinen Fauxpas am Mittwoch auf, als er "unsere Bregenzer Festspiele" als Ort der Reflexion lobte. In einem kurzen Einschub merkte er an: "Und heute verwechsle ich sie nicht mit den Salzburger Festspielen". Die Festspielgäste lachten und applaudierten.

Bis hierhin ging's gut - Bundespräsident Heinz Fischer wusste als letzter Redner der Eröffnungsfeier Festspielpräsident Hans-Peter Metzler zu beruhigen. Am Pult angelangt sagte er an Metzler adressiert: "Ich glaub', bis jetzt ist alles gut gegangen. Kann gar nichts mehr passieren heute!". Zumindest in Bezug auf das Wetter dürfte das Staatsoberhaupt recht behalten haben. Für die abendliche Premiere der "Zauberflöte" als Spiel auf dem See war nämlich trockenes Wetter vorhergesagt.

Wunsch erfüllt - Noch im vergangenen Jahr war der langjährige Festspielpräsident Günther Rhomberg den Eröffnungsfeierlichkeiten fern geblieben - um nicht Nachfolger Hans-Peter Metzler die Show zu stehlen. Bundespräsident Heinz Fischer fand das "eine noble Geste", er erwartete sich aber auch, "dass er nächstes Jahr wieder da sein wird". Fischers Wunsch ging in Erfüllung - Rhomberg wohnte nicht nur der Eröffnung bei, sondern erhielt bei seiner Begrüßung auch warmen Applaus des Festspielpublikums.

(apa)

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