Kolumnen
04/20/2020

Raab geht essen: Corona-Menü

Besser die größten Matschbirnen, Hornochsen, Zimtzicken, Neidhammeln usw. von oben sehen, als die Radieschen von unten?

von Thomas Raab

Wie mundet Ihnen die Gegenwart? Ziemlich schwere Kost das alles, oder? Nicht leicht zu verdauen, liegt im Magen. Wie könnte ein Essengehen in diesen Saure-Gurken-Zeiten aussehen, wenn wir doch alle nur eingeschränkt raus dürfen und jedes Restaurant geschlossen hat? Entspannt dicke Schinken lesen und dabei auf Nesseln sitzen, weil das junge Gemüse schon nervt? Sich zum Fressen gernhaben, anstatt erstens miteinand’ nicht mehr gut Kirschen essen, zweitens der Süße verbotener Früchte erliegen und dann drittens von den Kirschen in Nachbars Garten naschen? Seine Mitmenschen hin und wieder wie rohe Eier behandeln, gelegentlich auch mit Bohnen in den Ohren, und nicht bei jedem Anlass die beleidigte Leberwurst spielen oder sich gar eins um die Rübe hauen? Eher dafür sorgen, die Desinfektionsmittel wie warme Semmerln weggehen zu lassen, sprich Schnaps, Whisky, Wodka, Gin, als sich reinen Wein einschenken, auf dass dann Hopfen und Malz verloren ist? Nicht alles nur bierernst nehmen, sondern gern auch durch den Kakao ziehen? Lieber sein eigenes Süppchen kochen, als sich gegenseitig dieses zu versalzen oder das Haar darin zu suchen? Einander regelmäßig ein paar Extrawürste gönnen, und nicht bei jeder Gelegenheit ungefragt seinen Senf dazugeben? Schön den Honig ums Maul schmieren, Süßholz raspeln, oder wenn es sein muss auch den Zucker in den Hintern blasen, anstatt in den sauren Apfel, oder gar ins Gras beißen zu lassen? Besser die größten Matschbirnen, Backfische, Butterkühe, Hornochsen, Zimtzicken, Neidhammeln, Couchpotatos, Eier- & Krautschädeln, Erbsenzähler, Milchgesichter, Rollmöpse, Rotzlöffel, Pfeffersäcke, Saftärsche, Schaumschläger, Spargel-Tarzans, Spinatwachteln, usw. von oben sehen, als die Radieschen von unten? Nicht immer nur die harte Nuss sein, oder taube, mit Tomaten vor den Augen? Und kein Trauerkloß werden, auch nicht gewichtstechnisch, folglich nicht ständig nur zu Hause herumgurken und sich dabei die Butter vom Brot nehmen lassen, sondern auch mal die Spreu vom Weizen trennen und die Rosinen herauspicken? Eher nur ein paar Milchmädchenrechnungen anstellen, anstatt jeden Schmarrn, der grad ziemlich Powidl ist, wie Zitronen ausquetschen wollen? Manchmal einfach die Krot runterschlucken, und trotzdem nicht gleich satt, ang’fressen sein?

Nicht auf jede Binsenweisheit hören, bevorzugt das Übel an der Wurzel packen und die schlechten Gedanken ins Kraut schießen, auch wenn gegen Dummheit natürlich keines gewachsen ist? Sich jedenfalls schön von der Schokoladenseite zeigen, in Panier oder gleich nackt und frisch gewaschen, jeder wie er mag, im richtigen Moment den Braten riechen, dann geht das runter wie Öl und wird allererste Sahne? Die Kartoffeln aus dem Feuer holen, ein paar Lorbeeren verdienen, und weil Lorbeeren allein nicht sättigen, darauf besinnen, wie sehr auch Schwangerschaften Saure-Gurken-Zeiten sind, voll Geschmacksverirrungen, Schokobananen in Liptauer tunken, Mannerschnitten in Speckmantel mit Scheibenkäse umwickeln, Butterzopf mit Preiselbeermarmelade bestreichen und in Schweinsbratensaft versenken ... Und was kommt danach? Die Geburt. In diesem Sinn dürfen wir uns die bittere Gegenwart, so gut es eben geht, vielleicht hin und wieder ja auch einfach nur ein bisserl schmecken lassen ...

STAUD’S Wien
Empfehlung des Autors: Feinste SALZ Gurken, Altwiener Gurkentopf, Kräuter Senfgurken. Dazu: Waldpreiselbeere, Zwetschken mit Jamaika Rum. stauds.com

 

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