Kolumnen
04/13/2020

Rabinowich geht essen: Im Wendekreis des Hasen

Und dann gibt es noch die Rampensau unter den Osterhasen: der Himbeerschokohase, der etwas fast unanständig Erotisches an den Tag legt.

von Julya Rabinowich

Das Osterfest kommt, und mit ihm das Bedürfnis, sich dem Frühling und dem neuen Leben hinzugeben. Das Lämmchen mit dem Löwen – aber vielleicht doch lieber mit dem Staubzucker vereinen, das den biskuitweichen Leib umspielt. Die Eier sind bereit, mehrere Entwicklungsmöglichkeiten zu nehmen – auch, wenn sie nicht ausgebrütet worden sind. Die einen werden luftigleer und federleicht, nachdem man sie ausgepustet hat. Geblümt, gepunktet und gestreift schweben sie nun auf Palmkätzchenzweigen, um auf die Kollegen, die eine andere Entwicklung genommen haben, von oben herabzusehen. Die Eierkollegen zu ebener Erd statt im ersten Stock aber glänzen mit feiner Schale, allerdings nur so lange, bis ihnen die Schädel eingeschlagen werden in einem archaisch brutalen Peckritual. Und wo es Eier gibt, dort darf der Hase natürlich auch nicht fehlen. Wer den klassischen lila oder goldenen Hasen satt hat, hat die Qual der Wahl: In der Schokoladenmanufaktur Xocolat trifft schön auf edel. Hier findet man die Diva unter den Osterhasen: handgemacht und voller unterschiedlicher Facetten – von verspielt bis abgründig dunkel und mysteriös.

Hier sitzt der Hase elegant auf wohlgeformten Läufen, mit einem Schwänzchen so puschelförmig wie die Fellquasten auf den Pantöffelchen verwöhnter Filmstars

Hier sitzt der Hase elegant auf wohlgeformten Läufen, mit einem Schwänzchen so puschelförmig wie die Fellquasten auf den Pantöffelchen verwöhnter Filmstars, feingliedrig und mit einem Charakterprofil gesegnet – und trägt auch noch radikal Farbe. Es gibt den zartgrünen Matcha-Hasen mit Pistazien und Haselnussschwänzchen. Es gibt den verruchten Hasen der Nacht aus dunkelster Schokolade mit der seltenen Kakaobohnensorte Criollo, den verführerisch blonden Engel aus karamellisierter weißer Schoko, den Down-to-Earth-Star aus Milchschokolade, von einem kecken Bändchen am zarten Hals geschmückt. Und dann gibt es noch die Rampensau unter den Osterhasen: der Himbeerschokohase, der etwas fast unanständig Erotisches an den Tag legt mit seiner aufreizend rosa Farbe, quasi der Nacktmull unter den Hasen, der Stripper vom Dienst – vielleicht aber auch nur durchgeknallter radikaler Avantgarde-Künstler mit provokantem Auftreten. Diesen „lapin terrible“ habe ich mir jedenfalls gegönnt, und dem Rest der Familie, die sich derzeit wie so viele andere auch in social distancing übt, die Gaben zum Ostertisch in verschiedene Wohnungen quer durch Wien verschickt – von Milchschoko bis Bittervariante. Glücklicherweise hat die Manufaktur Xocolat nicht nur betörende Auswahl, sondern auch einen Onlineshop, der aus der Not eine Tugend macht – und aus der Tugend wiederum einen provokant intensiven Genuss. Wir werden uns per Skype mit den Hasen zuwinken und virtuell die bunten Eier aufeinanderschlagen – dieses Jahr. Das nächste Ostern kommt bestimmt, und dann werden wir wieder gemeinsam feiern. Alle. Die Hasen dürfen gerne auch ein zweites Mal wiederkommen.

Xocolat Manufaktur
Servitengasse 5, 1090 Wien
Tel. 01/31 000 20, geöffnet Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr. Alle weiteren Standorte auf xocolat.at

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