Kolumnen
07/11/2021

Raab geht essen: Finale

Kolumnist Raab über Gastro-Personal: "Hin und her und da und dort, eine Laufleistung mindestens wie die Kicker auf dem Feld, nur ohne Halbzeit-Pause, ohne Schwalbe und Krampf, dafür mit dem Ansinnen, jeden Wunsch zu erfüllen."

von Thomas Raab

Der Plan hätte vorgesehen, mit allergrößter Bewunderung über eine kulinarische Zauberwerkstatt in 1160 Wien zu berichten. Handwerk, Tradition, Leidenschaft. Dies verschiebt sich auf den nächsten Monat. Denn leider kam mir Letztere dazwischen. Die Leidenschaft, sprich: Halbfinale Spanien – Italien. Dem sei vorausgeschickt, wie ambivalent, ja distanziert ich dem gewiss wunderbaren Leiden namens Fußballeuphorie gegenüberstehe. Schuld daran ist die Kombi aus diversen eingesteckten schweren Fouls und der eigenen Unfähigkeit. Als leicht untersetztes Pubertier zu Schulzeiten stets als letzter gewählt werden, sich dann während des Sportstudiums mit Profifußballern Garderobe und Rasen teilen dürfen, ohne je ein Zuspiel erlebt zu haben, später als Lehrer einen als „Kollegen“ getarnten Möchtegern-Ronaldo ertragen müssen, schließlich bei einem Schulturnier in der Lehrermannschaft an einem einfachen Tackling scheitern und sich dabei vor der komplett versammelten Oberstufe das vordere Kreuzband kappen. Lustig.

Gehen wir auf den Fußballplatz und zeig mir, wer du bist.

Und als dann eines Tages einer meiner Schüler, ein herzensguter 14-Jähriger, nicht mehr in der Schule erschien, weil er völlig grundlos in der U4 von frustrierten Rapid Ultras zwecks Gaudi derart verdroschen wurde, um für den Rest seiner Tage mit diversen Titanplatten durchs Leben laufen zu müssen, war bei mir der Spaß vorbei. Fußball, wie der Straßenverkehr: Ein Ventil, um der Dunkelheit in uns freien Lauf zu lassen. Gehen wir auf den Fußballplatz und zeig mir, wer du bist.

Letzten Dienstag aber hat mich, aktuell auf Urlaub in Italien, seit Langem wieder das Herz dieses Sportes erobert. Da lagen sich auf dem Bildschirm die Gegenspieler noch vor dem Elferschießen versöhnlich in den Armen, wurde aus den Menschen in den Cafés, Restaurants eine freudeversprühende Familie Gleichgesinnter, und zwischendrin unterwegs das Personal. Hin und her und da und dort, eine Laufleistung mindestens wie die Kicker auf dem Feld, nur ohne Halbzeit-Pause, ohne Schwalbe und Krampf, dafür mit dem Ansinnen, jeden Wunsch zu erfüllen. Und wissen Sie was, wenn dann heute das Finale über die Bühne gegangen ist, Sie nach der Rechnung verlangen, haben sie ausnahmsweise, wo immer Sie auch gerade sind, einen stattlichen Extra-Schmattes parat, für die dritte Mannschaft ihres gelungenen Abends: All die Kellnerinnen und Kellner, Köchinnen und Köche ...

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