Wollen "nur" Menschen sein dürfen: Mary April (Setareh Eskandari), Missy (Milena Mörkl) und Jim (Jan Ungar)

© Eva Leitner

Kiku
08/16/2020

Kinder und Jugendliche begeistern in "Tom Sawyer und Huckleberry Finn"

Kinder- und Jugendmusical-Gruppe teatro verzaubert und berührt in Mödling trotz Corona-bedingter Abstände und Umstände. 90 Fotos, mit neuem Video.

von Heinz Wagner

Drei Stunden (eine halbe Stunde Pause) volle Power, voller Schwung und doch auch leise, sehr berührende, bewegende Momente. Eine rundum gelungene, möglicherweise sogar die beste der bisherigen mehr als zwei Dutzend Produktionen von „teatro“, der Kinder- und Jugend-Musicalgruppe in Zusammenarbeit mit Profis aller Bühnensparten. Das ist „Tom Sawyer & Huckleberry Finn“ in Mödling. Zwecks Corona-Abstandsbedingungen (das Theater hat ein eigenes vorbildliches Konzept samt eigener Beauftragter) diesmal nicht im Stadttheater, sondern in der Europahalle, der Sporthalle der SportMittelschule. Zettel mit dem Babyelefanten blockieren Sitze zwischen den Angehörigen aus einem Haushalt. Trotzdem passen mehr als 300 Menschen in die Publikumsreihen – und die wurden angesteckt – von der Begeisterung, die von der Bühne die gesamte Halle fluten.

Perfekte Ensemble-Leistung aller auf, neben und hinter der Bühne

Das jährliche Sommer-Musical von teatro zeichnet sich jedes Jahr durch großartige junge und jüngste Darstellerinnen aus, die (fast) professionell spielen, singen, tanzen. Doch so rund, so perfekt wie in diesem Jahr waren selten alle und zwar wirklich alle auf der Bühne unterwegs. Daher sei hier auch keine und keiner der – siehe Infos – Mitwirkenden auf und neben (Musik) oder hinter (Leading Team) der Bühne hervorgehoben. Übrigens: Ein Sonderlob für die Technik, die die Sporthalle in einen Theaterraum verwandelte.

Einzelne kommen in Interviews, die gut drei Wochen vor der Premiere stattgefunden haben zu Wort – und zwar hier unten:

Viele Highlights für viele

Mit diesem meisterhaften Können korrespondiert auch die Inszenierung. Auch wenn die beiden heranwachsenden Burschen die titelgebenden Figuren sind, den ersten sowie den letzten Auftritt haben, so haben fast alle ihre eigenen Highlights, zentrale Momente – einzeln oder in kleinen Gruppen. In manchen davon rinnen oder fließen Darstellerinnen sogar Tränen aus den Augen. Berührende Momente, die sich auf das Publikum ebenso übertragen wie die schwungvollen, mitreißenden Songs und Tanz-Choreos oder auch die immer wieder auch witzigen Szenen oder auch nur kurzen Augenblicke.

Nie zu überladen oder gar zu lang

Trotz einer Vielzahl von Themen, die diese Fassung des Twain’schen Stoffes und deren Inszenierung  in das Musical verpackt – Freundschaft, Abnabelung Jugendlicher vom Elternhaus, Suche nach und Gehen des eigenen Weges, Gerechtigkeit, Vorurteile und deren Überwindung oder eben auch nicht, Weiterkommen gibt’s nur miteinander – wirkt die Produktion nie überladen. Zu lange schon gar nicht. Am Ende bleibt fast eher: Hätte auch noch ein bissl länger dauern können.

Keine Happy Ends

Sehr schön auch, dass so manche Szenen, in denen andere Regisseur_innen vielleicht eher auf ein kleines oder am Ende gar ein großes Happy End gesetzt hätten, genau nicht so ausgehen, diesem Drang wiederstanden wurde. Zu nennen ist da beispielsweise, wenn Huck seine alkoholkranke Mutter bittet, dem Spruch des Richters, einen Entzug zu machen, nachzukommen. Wenigstens ihm zuliebe, aber er trotzdem nicht will, dass sie dann zu ihm (zurück) komme.

Wollen einfach Menschen sein …

Am stärksten wirkt diese Entscheidung zugunsten einer realistischen Sichtweise jenseits einer rosa-Wolken-Idylle, wenn Sklave Jim, der das Dorf vor dem Banditen-Trio rettet, gemeinsam mit Freundin Mary April und der jungen Missy ihre Binkerl packen und davon gehen. Das „geh bleibt doch, ihr seid doch jetzt Helden“, kontert das Trio mit „wir wollen keine Heldinnen und Helden sein, sondern einfach nur Menschen“ sowie „heute sind wir eure Helden und morgen dann doch wieder nur Dreck für euch“.

Heute Held_innen, morgen …

Womit sich übrigens auch wieder ein Bogen zu Corona schließt: Was wurden sie nicht am Anfang des Lockdown beklatscht – die Pflegekräfte im Gesundheitswesen, die Kassiererinnen (sind ja überwiegend Frauen) an den Supermarktkassen. Und heute? Selbst die Forderung nach bezahlten Atempausen der Beschäftigten, die ja den ganzen Arbeitstag Masken tragen müssen, wurden vor wenigen Tagen von den Untrnehmer-Vertretungen abgeschmettert…

Und: So viele sich auch gegen die US-Polizeigewalt und für Black Lives Matter aussprechen, dann hörst du von teatro-Mitwirkenden, was sie so als Zugewanderte in und außerhalb ihrer Schulen in Österreich erlebt haben …

Hymne an New York, von wo die Familie des Sheriffs hierher an den Mississippi übersiedelt ...

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Das Gaunertrio in Aktion ...

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Gerichtsverhandlung nach dem Mord am Nachtwächter ...

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Im Fluss

Mark Twains Abenteuergeschichte mit Tiefgang (sein Künstlerpseudonym, eigentlich hieß er Samuel Langhorne Clemens, bedeutet in der Sprache der Fluss-Schiffer „zwei Faden Wassertiefe“) spielt am – und im (auf dem Floß) -Mississippi. Ein Fluss auch als Symbol dafür, dass alles in Bewegung ist – hoffentlich zum Guten. Nicht nur in Sachen Corona, sondern mindestens genauso in Richtung Achtung aller Menschen als gleichwertig, gleichberechtigt! Trotz des freundlichen aber harten Weggangs des genannten Trios, strahlt der Schluss-Song des diesjährigen teatro-Musicals diesen Optimismus aus – aber auch, dass jede und jeder daran arbeiten muss, diesen neuen Weg zu beschreiten.

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Neben Menschen aus dem selben Haushalt bleibt jeweils ein Sitz frei ...

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Vor dem Musical begrüßt teatro-"Vater" Norberto Bertassi - samt dem Bürgermeister und dem Kulturstadtrat von Mödling, Stefan Hintner und Stephan Schimanowa ...

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Gruppenfoto mit den beiden Darstellern von Tom Sawyer - Lorenz Pojer - und Huckelberry Finn - Moritz Mausser ...

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Szene auf den Friedhof ...

Auf der Bühne
Tom Sawyer: Lorenz Pojer
Huckleberry Finn: Moritz Mausser

Becky Thatcher: Nina Hafner
Joelene Thatcher: Anna Fleischhacker
Jeff Thatcher: Norberto Bertassi

Mary April: Setareh Eskandari
Jim: Jan Ungar

Tante Polly: Corinna Schaupp

Indiana Joe: Nicolas Vinzenz
Wodka: Alexander Hoffelner
Choco: Sebastian Berchtold

Lindsey Finn: Sophie Riedl

Amy Douglas: Lili Beetz
Tante Mary Lou Douglas: Lena Mausser

Ben Lawrence: Tobias Hornik-Steppan
Shirley Lawrence: Kimiyah Eskandari
Mrs. Charlotte Lawrence: Emily Fisher

Mrs. Shannon: Sabrina Zettl
Hazel Shannon: Ronja Rebecca Reichl

Mrs. Brownstone: Sarah Lakatha
Laureen Brownstone: Caroline Smith
Billy Brownstone: Jan Wetzel

Missy: Milena Mörkl
Sally: Catarina Rachoner
Sidney: Anna Fabrizy

Nachtwächter Jacky Jackson: David Bosnjaković

Neben der Bühne
Musikalisches Ensemble
Klavier:
Walter Lochmann
Keyboard: Christian Skokan
Gitarre: Wilfried Modlik
Bass: Stephan Först
Schlagzeug: Max Haas
Querflöte: Katrin Weninger
Violoncello: Elisabeth Zeisner
Reed (Querflöte, Klarinette, Saxophon): Christine Lochmann
Trompete: Andreas Pranzl
Posaune: Andreas Grünauer

Team hinter der Bühne
Intendanz und Musik: Norberto Bertassi
Musikalische Leitung und Arrangements: Walter Lochmann
Regie und Textbuch: Norbert Holoubek

Choreografie: Katharina Strohmayer
Kostümbild: Brigitte Huber
Maskenbild: Renate Harter
Licht- und Tondesign: Richard Redl
Projektionen: Ronny Hein, Moritz Mausser
Bühnenbild: Norberto Bertassi, Richard Redl

Regieassistenz und Social Media: Lena Mausser
Assistenz Choreografie: Beatrix Gfaller
Assistenz Maske: Ursula Riedl-Prenner

Fotografie
Studioaufnahmen und Bühnenfotos:
Helmut Rasinger
Art Direction: Mick Gapp
Bühnenfotos und Portraitfotos: Roman Zagler
Bühnenfotos: Eva Leitner
Trailer: Ronny Hein

Dance Captain: Emily Fisher, Sebastian Berchtold
Technische Leitung: Christoph Manss, Johannes Plattner
Tontechnik: Manuel Dworak
Lichttechnik: Leon Leitner
Funkstreckenbetreuung: Christoph Reichl
Requisite, Hospitanz Regie und künstlerische Kinderbetreuung: Claudia Nedbal-Plosinjak

Hospitanz Maske: Eva-Maria Prenner, Christina Bauer
Hospitanz Kostüme: Kinga Makowska
Hospitanz Programmheft, Lektorat: Ella Wolff

COVID-19 Beauftragte und Probenvideos: Marina Đorđević
25 Mitarbeiter_innen in zwei Teams beim Einlass, um das eigene Covid19-Präventionskonzept umzusetzen

Presse und PR: Elli Colditz

Neues, professionelles Video

ca. 7 1/2 Minuten - made by Marina Đorđević/teatro

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